Ultraschall macht Unterarmbrüche im Kindesalter sichtbar

Eine aktuelle Studie belegt, dass viele Unterarmbrüche mit Ultraschall ebenso gut dargestellt werden können, wie im Röntgenbild. Da Röntgenstrahlung für Kinder besonders zurückhaltend und wohlüberlegt eingesetzt werden sollte empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM) wann immer es möglich und sinnvoll ist, zur Diagnostik von Knochenbrüchen im Kindesalter die Sonografie anzuwenden.

Die durch Röntgenstrahlen verursachten Schäden im Körper häufen sich im Laufe des Lebens an. „Die Gefährdung von Kindern und Jugendlichen durch ionisierende Strahlung ist im Vergleich zum Erwachsenen erhöht“, gibt Professor Dr. med. Rainer Wunsch, Leiter der Abteilung Pädiatrische Radiologie, Sonografie und Magnetresonanztomografie an der Vestischen Kinder- und Jugendklinik Datteln zu bedenken.„Um die Strahlenexposition im Kindesalter bei den häufigen vorkommenden Unterarmfrakturen so niedrig wie möglich zu halten, sollte die Indikation zum Röntgen nur dann gestellt werden, wenn keine gleich guten alternativen Untersuchungsmethoden in Frage kommen“, so der stellvertretende Leiter der DEGUM-Sektion Pädiatrie.
„Bisher ist die Sonografie kein etabliertes Verfahren für die Diagnose von Frakturen“, so der Experte. „Von einem qualifizierten Ultraschallmediziner durchgeführt, bietet die Technik jedoch ein großes Potenzial“.

So kommt eine kürzlich erschienene Untersuchung in der Fachzeitschrift „Pediatric Emergency Care“ zu dem Ergebnis, dass das Ultraschallverfahren für die Diagnostik von bestimmten Unterarmfrakturen der Röntgenaufnahme gleichwertig ist. Bei Kindern und Jugendlichen gehören diese Brüche von Elle oder Speiche im Bereich der so genannten „Metaphyse“, eines bestimmten Knochenbereichs, zu den häufigsten Knochenbrüchen.

Den diagnostischen Vergleich unternahmen Dr. med. Kolja Eckert von der Klinik für Kinderchirurgie am Elisabeth-Krankenhaus in Essen und Dr. med. Ole Ackermann, leitender Oberarzt an der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie am Klinikum Duisburg, gemeinsam mit ihren Kollegen bei 76 Kindern und Jugendlichen zwischen 1 und 14 Jahren. Die Ärzte hatten die Mädchen und Jungen, die mit dem Verdacht auf eine Unterarmfraktur in der Nähe des Handgelenks in die Klinik gekommen waren, sowohl mittels Ultraschall als auch mit der klassischen Röntgendiagnostik untersucht. Mit beiden Verfahren stellten sie insgesamt 52 Knochenbrüche bei 42 der untersuchten Patienten fest. „Unsere Untersuchung bestätigt, dass Ultraschall bei metaphysären Unterarmbrüchen, bei denen sich die Knochen nicht verschoben haben, eine geeignete und sichere Alternative zur Röntgendiagnostik darstellt“, erklärt Dr. Eckert.

Die Ultraschalluntersuchung biete gegenüber dem Röntgen zudem auch andere Vorteile: „Die Untersuchung kann direkt vom Erstuntersucher durchgeführt werden. Das Kind muss zur Diagnose nicht zu einem andern Arzt“, erklärt Dr. Eckert. Anders als die Röntgenaufnahme mache das Ultraschallbild zudem auch Knorpel und Weichteilgewebe sichtbar.

Um die Strahlenexposition im Kindesalter zu reduzieren, setzt sich die DEGUM dafür ein, vermehrt die Ultraschalluntersuchung zur Diagnostik von kindlichen Knochenbrüchen anzuwenden. „Dabei müssen wir nicht auf die diagnostische Sicherheit verzichten“, betonen die Experten der Fachgesellschaft.
Literatur:
Sonographic Diagnosis of Metaphyseal Forearm Fractures in Children: A Safe and Applicable Alternative to Standard X-Rays
Eckert, Kolja MD; Ackermann, Ole MD; Schweiger, Bernd MD; Radeloff, Elke MD; Liedgens, Peter MD
Pediatric Emergency Care, September 2012, Volume 28 , Issue 9, p 851–854

Im Internet:
Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin: http://www.degum.de

Ihr Kontakt für Journalisten
Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM)
Pressestelle
Irina Lorenz-Meyer
Anna Julia Voormann
Postfach 30 11 20
70451 Stuttgart
Telefon: 0711 8931-642 / -552
Fax: 0711 8931-984
lorenz-meyer@medizinkommunikation.org

Media Contact

Anna Julia Voormann idw

Weitere Informationen:

http://www.degum.de

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit

Dieser Fachbereich fasst die Vielzahl der medizinischen Fachrichtungen aus dem Bereich der Humanmedizin zusammen.

Unter anderem finden Sie hier Berichte aus den Teilbereichen: Anästhesiologie, Anatomie, Chirurgie, Humangenetik, Hygiene und Umweltmedizin, Innere Medizin, Neurologie, Pharmakologie, Physiologie, Urologie oder Zahnmedizin.

Zurück zur Startseite

Kommentare (0)

Schreiben Sie einen Kommentar

Neueste Beiträge

Neuartige Speziallipide für RNA-Medikamente entwickeln

Millionen-Förderung für Forschungsverbund zur RNA-Medizin Bundeswirtschaftsministerium fördert die Universität und eine Ausgründung mit 3,6 Mio. Euro. Das Bundeswirtschaftsministerium fördert seit Januar 2023 ein Verbundprojekt zur Erforschung effizienter und sicherer Speziallipide…

Biologische Muster: Von intrazellulären Strömungen dirigiert

LMU-Physiker zeigen, wie Flüssigkeitsströmungen die Bildung komplexer Muster beeinflussen. Die Bildung von Mustern ist ein universelles Phänomen, das fundamentalen Prozessen in der Biologie zugrunde liegt. So positionieren und steuern zum…

Tiefsee-Test am Titanic-Wrack

Neue Technologie könnte Videokommunikation stark verbessern. Forschende erproben neuartige Übertragungsmethode unter extremen Bedingungen mit niedriger Bandbreite bei Tauchgang zum versunkenen Ozean-Riesen. Um eine neuentwickelte Technologie zu testen, mit der Videokonferenzen…

Partner & Förderer