Von seltenen Erkrankungen lernen

Seltene Erkrankungen kommen häufiger vor als viele vermuten. Zusammen summiert sich die Anzahl von Personen mit seltenen Erkrankungen auf annähernd vier Millionen in Deutschland – meistens sehr schwere Krankheiten, die eine aufwändige Behandlung und Betreuung erfordern.

Dies bringt eine Reihe von übergreifenden strukturellen Problemen mit sich: Denn Abläufe und Kommunikationsprozesse im Gesundheitswesen sind unzureichend auf die individuelle Behandlung von Personen mit seltenen Erkrankungen abgestimmt.

Zugleich bieten seltene Erkrankungen ein bislang vernachlässigtes Forschungsfeld für die zukünftige Gestaltung von Dienstleistungen in der Gesundheitswirtschaft. Durch den Trend zur Individualisierung der Medizin und die demographische Entwicklung wird es künftig sehr viel stärker darauf ankommen, dass die Kooperationsprozesse im Gesundheitswesen und die individuellen Bedürfnisse der Patienten besser miteinander koordiniert werden.

Notwendig hierfür ist die systematische Gestaltung „Kooperativer Dienstleistungssysteme“, die neben Ärzten und Patienten weitere Akteure einschließen, so z.B. das soziale Umfeld der Patienten, Pflegedienste, Hersteller medizintechnischer Produkte etc. Hier setzt das Verbundprojekt „Servcare_ALS“ an: Am Beispiel der seltenen Erkrankung der „Amyotrophen Lateralsklerose“, kurz ALS, entwickelt das Fraunhofer IAO die wissenschaftlichen und methodischen Grundlagen für die Gestaltung „Kooperativer Dienstleistungssysteme“ im Umfeld seltener Erkrankungen. Als weitere Partner sind im Projekt beteiligt: Charité Berlin, Deutsche Gesellschaft für Muskelkranke (DGM), Universität Leipzig, Universität Augsburg.

Zentrale Fragestellungen lauten beispielsweise: Wer sind die Akteure im „Wertschöpfungssystem“? Wie wird die Kommunikation zwischen den Beteiligten gestaltet? Wie können eine „virtuelle Ambulanz“ und „virtuelles Case Management “ Therapiemöglichkeiten verbessern und wie können „Kooperative Dienstleistungssysteme“ systematisch entwickelt und gemanagt werden?

Das Projekt wird gemeinsam mit zwei weiteren Projektverbünden vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) als prioritäre Erstmaßnahme gefördert und soll neben wissenschaftlichen Erkenntnissen auch Handlungsempfehlungen für die Dienstleistungsforschung erarbeiten.

Ansprechpartner
Fraunhofer IAO
Bernd Bienzeisler, Michaela Klemisch
Nobelstraße 12, 70569 Stuttgart
Telefon +49 711 970-2088, -2219
Fax +49 711 970-2130
bernd.bienzeisler@iao.fraunhofer.de,
michaela.klemisch@iao.fraunhofer.de

Media Contact

Claudia Garád Fraunhofer Gesellschaft

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit

Dieser Fachbereich fasst die Vielzahl der medizinischen Fachrichtungen aus dem Bereich der Humanmedizin zusammen.

Unter anderem finden Sie hier Berichte aus den Teilbereichen: Anästhesiologie, Anatomie, Chirurgie, Humangenetik, Hygiene und Umweltmedizin, Innere Medizin, Neurologie, Pharmakologie, Physiologie, Urologie oder Zahnmedizin.

Zurück zur Startseite

Kommentare (0)

Schreiben Sie einen Kommentar

Neueste Beiträge

Nachhaltige Elastokalorik-Klimaanlage

… soll Häuser zimmerweise kühlen und heizen. Mit der neuen Klimatechnik Elastokalorik wird es möglich, Gebäude nur über Lüftungsschlitze zu kühlen und zu heizen. Sie transportiert Wärme einfach, indem dünne…

Tumorzellen schnüren Päckchen

… mit denen sie Fresszellen zu Überläufern machen. Ein Team der Universität des Saarlandes kommt einem Protein auf die Spur, das dazu beiträgt, dass Tumoren entstehen, wachsen und leichter Metastasen…

Neues Schmerzmittel könnte Opioide langfristig ersetzen

Forschende der JGU finden einen Naturwirkstoff, der Opioide langfristig ersetzen und die Opioidkrise mildern könnte. Opioide gehören zu den am längsten bekannten Naturstoffen mit pharmakologischer Wirkung und sind hervorragende Schmerzmittel….

Partner & Förderer