Schlüssel zum Mechanismus der Hirnalterung

Prof. Özgün Gökce leitet neuerdings die Forschungsgruppe "Systems Neuroscience - Cell Diversity" am Universitätsklinikum Bonn
Foto: Rolf Müller / Universitätsklinikum Bonn (UKB)

Özgün Gökce leitet Arbeitsgruppe „Systems Neuroscience – Cell Diversity“.

Sein Ziel sind neue Ansätze zur Untersuchung des Nervensystems, um die kognitive Gesundheit während des Alterns zu erhalten und die Neurodegeneration zu verhindern: Prof. Dr. Özgün Gökce leitet neuerdings die Forschungsgruppe „Systems Neuroscience – Cell Diversity“ an der Klinik für Neurodegenerative des Universitätsklinikum Bonn (UKB). In einer Zeit rascher technologischer Durchbrüche wollen er und sein Team innovative Instrumente entwickeln und einsetzen, um die Grundprinzipien des Nervensystems sowohl im gesunden als auch im kranken Zustand zu entschlüsseln.

Der Neurobiologe ist auch Mitglied des Exzellenzclusters ImmunoSensation2 der Universität Bonn. Bis vor kurzem hat er eine Forschungsgruppe an der LMU München geleitet, die sich auf bioinformatikgestützte Strategien zur Erforschung der Hirnalterung konzentrierte.

„Unsere Aufgabe ist es, die dem Alterungsprozess zugrundeliegenden zellulären Reaktionen zu erforschen und die molekularen Mechanismen zu entschlüsseln, die neurodegenerativen und neuroentwicklungsbedingten Störungen zugrunde liegen“, sagt Prof. Gökce. Um diese Ziele zu erreichen, entwickelt und integriert sein Team modernste Technologien, darunter Einzelzell-RNA-Sequenzierung (scRNA-seq), räumliche Transkriptomik (ST), Elektronenmikroskopie und Algorithmen für maschinelles Lernen, um ein umfassendes und ganzheitliches Verständnis dieser kritischen biologischen Prozesse zu erlangen.

Räumliche Transkriptomik-korrelierte Elektronenmikroskopie bei Hirnverletzungen

Als Reaktion auf eine Verletzung verändern die Zellen des umliegenden Gewebes ihre Strukturen und ihre Genexpressionsaktivitäten. Obwohl diese beiden Parameter eng miteinander verwoben sind, wurden sie bisher aufgrund technischer Beschränkungen nur getrennt voneinander beobachtet. Prof. Gökce hat nun einen Weg gefunden, die transkriptionellen und ultrastrukturellen Reaktionen auf eine Verletzung gleichzeitig zu überwachen, indem er die räumliche Transkriptomik-korrelierte Elektronenmikroskopie verwendet. „Wir wollen mit Hilfe dieser neuen Technik besser verstehen, wie einzelne Zellen als Reaktion auf eine Verletzung sowohl ihre Struktur als auch ihre Genaktivität verändern“, sagt Prof. Gökce. Den Durchbruch hat der Neurowissenschaftler mit der Kombination von zwei bestehenden Techniken erreicht: Multiplexed Error-Robust Fluorescence In Situ Hybridization (MERFISH), das aktive Gene in jeder Zelle identifiziert, und Elektronenmikroskopie, die uns einen hochauflösenden Blick auf die Struktur einer Zelle ermöglicht. Die Ergebnisse wurden kürzlich in Nature Communications veröffentlicht.

Am Standort Bonn ist Prof. Gökce bestrebt, modernste Technologien wie die eben beschriebene Räumliche Transkriptomik-korrelierte Elektronenmikroskopie zu entwickeln und einzusetzen, um die komplexen biologischen Prozesse, die dem Altern und der Neurodegeneration zugrunde liegen, zu entschlüsseln.

Veröffentlichung
Androvic, P., Schifferer, M., Perez Anderson, K. et al. Spatial Transcriptomics-correlated Electron Microscopy maps transcriptional and ultrastructural responses to brain injury. Nat Commun 14, 4115 (2023). https://doi.org/10.1038/s41467-023-39447-9
https://www.nature.com/articles/s41467-023-39447-9

Pressekontakt:
Dr. Inka Väth
stellv. Pressesprecherin am Universitätsklinikum Bonn (UKB)
Stabsstelle Kommunikation und Medien am Universitätsklinikum Bonn
Telefon: (+49) 228 287-10596
E-Mail: inka.vaeth@ukbonn.de

Zum Universitätsklinikum Bonn: Im UKB werden pro Jahr etwa 500.000 Patient*innen betreut, es sind ca. 9.000 Mitarbeiter*innen beschäftigt und die Bilanzsumme beträgt 1,6 Mrd. Euro. Neben den über 3.300 Medizin- und Zahnmedizin-Studierenden werden pro Jahr weitere 585 Personen in zahlreichen Gesundheitsberufen ausgebildet. Das UKB steht im Wissenschafts-Ranking sowie in der Focus-Klinikliste auf Platz 1 unter den Universitätsklinika (UK) in NRW und weist den dritthöchsten Case Mix Index (Fallschweregrad) in Deutschland auf. Das F.A.Z.-Institut hat das UKB 2022 und 2023 als Deutschland begehrtesten Arbeitgeber und Ausbildungs-Champion unter den öffentlichen Krankenhäusern in Deutschland ausgezeichnet.

Originalpublikation:

Androvic, P., Schifferer, M., Perez Anderson, K. et al. Spatial Transcriptomics-correlated Electron Microscopy maps transcriptional and ultrastructural responses to brain injury. Nat Commun 14, 4115 (2023). DOI: 10.1038/s41467-023-39447-9

Weitere Informationen:

https://www.nature.com/articles/s41467-023-39447-9

http://www.ukbonn.de

Media Contact

Dr. Inka Väth Kommunikation und Medien
Universitätsklinikum Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit

Dieser Fachbereich fasst die Vielzahl der medizinischen Fachrichtungen aus dem Bereich der Humanmedizin zusammen.

Unter anderem finden Sie hier Berichte aus den Teilbereichen: Anästhesiologie, Anatomie, Chirurgie, Humangenetik, Hygiene und Umweltmedizin, Innere Medizin, Neurologie, Pharmakologie, Physiologie, Urologie oder Zahnmedizin.

Zurück zur Startseite

Kommentare (0)

Schreiben Sie einen Kommentar

Neueste Beiträge

Funktionsweise von Adrenalin-bindendem Rezeptor entschlüsselt

Leipziger Biophysiker verfolgen Mechanismus der Signalübertragung im Körper nach. G-Protein-gekoppelte Rezeptoren (GPCR) sind im menschlichen Körper allgegenwärtig und an vielen komplexen Signalwegen beteiligt. Trotz ihrer Bedeutung für zahlreiche biologische Vorgänge…

Eine Alternative für die Manipulation von Quantenzuständen

Forschende der ETH Zürich haben gezeigt, dass man die Quantenzustände einzelner Elektronenspins durch Elektronenströme mit gleichmässig ausgerichteten Spins kontrollieren kann. Diese Methode könnte in Zukunft in elektronischen Schaltelementen eingesetzt werden….

Neue Einblicke in das Entstehen kleinster Wolkenpartikel in der Arktis

Ny-Ålesund (Spitzbergen). Mobile Messgeräte ermöglichen die Untersuchung von atmosphärischen Prozessen in höheren Luftschichten, die von klassischen Messstationen am Boden bisher nicht erfasst werden. Die luftgetragenen Flugsysteme leisten somit einen wichtigen…

Partner & Förderer