Schavan: "Mit Genomforschung zu individueller Krebstherapie"

Eine maßgeschneiderte Behandlung für jeden Krebspatienten, um unwirksame oder übermäßige Therapien und unerwünschte Nebenwirkungen zu vermeiden, das ist das vorrangige Ziel heutiger Krebsforschung. Eine wichtige Grundlage dafür ist das Wissen über die genetischen Ursachen der Krebsentstehung.

Weltweit arbeiten Wissenschaftler im „Internationalen Krebs Genom Konsortium“ (ICGC) daran, die Genome von 50 Krebsarten zu entschlüsseln. Mit den bundesweiten Forschungsverbünden zu den wichtigen Krebsarten Prostatakrebs und Maligne Lymphome werden sich nun zwei weitere deutsche Projekte am Internationalen Krebs Genom Konsortium beteiligen.

Das gab das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) am Dienstag in Berlin bekannt. Es fördert die Verbünde bis 2015 mit insgesamt 15 Millionen Euro.

Das Internationale Krebs Genom Konsortium ist das größte und ehrgeizigste biomedizinische Forschungsprojekt seit dem Humangenomprojekt, bei dem es gelang, das Genom des Menschen vollständig zu entschlüsseln. „Mit diesem globalen Großprojekt wird die Grundlage für eine personalisierte Krebsmedizin gelegt. Die weltweite Beteiligung, der Einsatz modernster Technologien sowie die rasche Nutzung von qualitativ hochwertigen Daten wird zu Erkenntnissen führen, die den Patienten unmittelbar nutzen“, sagte Bundesforschungsministerin Annette Schavan.

Im Rahmen des ICGC werden die Genome von mehr als 25.000 Tumorproben und ebenso vielen Vergleichsproben umfassend analysiert. Die Ergebnisse werden Krebsforschern weltweit schnell und qualitätsgesichert für wissenschaftliche Analysen zur Verfügung gestellt. „Mit unserer Teilnahme bündeln wir erneut nationale Kompetenzen onkologischer Forschungsgruppen und bauen die internationale Wettbewerbsfähigkeit der modernen medizinischen Genomforschung in Deutschland deutlich sichtbar aus“, betonte die Bundesforschungsministerin.

Bereits seit Anfang 2010 ermöglicht eine Zusammenarbeit des BMBF mit der Deutschen Krebshilfe eine aktive Teilnahme Deutschlands am ICGC. Beide Partner stellen für einen Zeitraum von fünf Jahren insgesamt 15 Millionen Euro zur Verfügung, um kindliche Gehirntumoren mit einer besonders hohen Sterblichkeit zu untersuchen. Mit zwei weiteren international renommierten Konsortien wird die deutsche ICGC-Beteiligung nun maßgeblich verstärkt.

Die neuen ICGC-Forschungsverbünde im Einzelnen:

Prostatakrebs
Mit 64.000 neuen Fällen pro Jahr allein in Deutschland ist Prostatakrebs der häufigste Tumor bei Männern; 15.000 Männer sterben hierzulande jährlich an dieser bösartigen Erkrankung. Mit der Zunahme der Lebenserwartung werden diese Zahlen in den kommenden Jahren noch dramatisch steigen. Daher werden neue und bessere diagnostische Verfahren für Prostatakrebs dringend benötigt. Der neue ICGC-Forschungsverbund wird vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) und dem Universitätsklinikum und der Martini-Klinik in Hamburg-Eppendorf (UKE) koordiniert. Ziel ist es, in den kommenden fünf Jahren die vollständigen Genome von Prostatatumoren von Männern unter 50 Jahren sowie von Kontrollgeweben zu entziffern. Die Forscher möchten mit dieser Mammutaufgabe eine Karte aller genetischen Veränderungen beim Prostatakrebs erstellen. „Wir setzen große Hoffnung darauf, mit dem ICGC-Projekt neue Möglichkeiten für die Diagnose und für neue Therapieansätze von Prostatakrebs zu finden“, erklärt Dr. Holger Sültmann vom DKFZ, der Sprecher des Verbundes. „Mit den seit vielen Jahren 0″ vor allem mit Förderung durch das BMBF 0″ etablierten Kooperationen der Projektpartner haben wir hervorragende Voraussetzungen hierfür geschaffen.“
Maligne Lymphome
Maligne Non-Hodgkin-Lymphome (NHL) betreffen das Lymphsystem und gehören zu den häufigen Krebserkrankungen sowohl im Kindes- als auch im Erwachsenenalter. Für das Jahr 2010 werden in Deutschland etwa 13.400 Neuerkrankungen erwartet. In den vergangenen Jahren konnten beachtliche Einblicke in die Biologie dieser Tumoren gewonnen werden, an denen deutsche Wissenschaftler oft maßgeblich beteiligt waren. „In Deutschland besitzt die Erforschung der molekularen Mechanismen der Lymphomentstehung sowie die Anwendung biologischer Marker für eine verbesserte Diagnostik, Klassifikation und Therapieplanung eine lange Tradition“, erklärt der Koordinator des ICGC-Verbundes, Professor Reiner Siebert aus Kiel, wo bereits 1974 die sogenannte „Kiel-Klassifikation der Lymphome“ entwickelt wurde. „Deshalb existieren in Deutschland ideale Voraussetzungen für dieses ICGC-Projekt.“

In dem neuen Forschungsverbund haben sich die sechs deutschen Referenzzentren für Hämatopathologie mit ihren Gewebesammlungen, die großen deutschlandweiten Studiengruppen zur Behandlung von Keimzentrums-B-Zell-Lymphomen im Kindes- (NHL-BFM) und Erwachsenenalter (GLSG, EuMCL, DSHNHL, NLLLN) sowie international ausgewiesene Wissenschaftler im Bereich der Genetik von Krebserkrankungen zusammengeschlossen. Sie wollen tumorspezifische Genveränderungen bei Keimzentrums-B-Zell-Lymphomen identifizieren. Die systematische Datensammlung innerhalb des ICGC-Verbundes stellt den Ausgangspunkt dar, um in zukünftigen unabhängigen Untersuchungen auch die klinische Bedeutung wiederkehrender Genveränderungen in Therapiestudien zu analysieren.

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