Sarkome: Signalmolekül „FGFR“ als neuer Ansatz für die Therapie?

Werden die myxoiden Liposarkomzellen (MLS 402) mit steigenden Mengen eines Wirkstoffes behandelt, der die FGFR-Signale hemmt, wachsen sie langsamer und sterben schließlich ab.<br><br>Quelle: AG PD Dr. Merkelbach-Bruse: Helen Künstlinger<br>

Die Therapie dieser Tumoren beschränkt sich neben der operativen Entfernung fast ausschließlich auf klassische Chemo- und Strahlentherapie. Zielgerichtete Therapien mit spezifischen Angriffspunkten in den Tumorzellen stehen kaum zur Verfügung.

Das wollen Forscher vom Institut für Pathologie der Universität Köln ändern. Die Forscher sehen in den so genannten Fibroblastenwachstumsfaktor-Rezeptoren („FGFR“), einer Familie von Signalmolekülen, einen geeigneten Anknüpfungspunkt zur Entwicklung neuer Behandlungsstrategien.

Die FGFR-Moleküle sitzen auf der Oberfläche von Tumorzellen und senden starke Signale für das Wachstum und Überleben der Zellen aus. Es gibt Medikamente, die ganz spezifisch die Funktion der FGFR unterbinden können und so die Tumorzellen langsamer wachsen oder sogar sterben lassen. In anderen Krebserkrankungen, wie zum Beispiel. dem Lungenkrebs, werden diese Medikamente bereits erfolgreich in der Therapie genutzt.
Nun überprüfen die Kölner Forscher, ob sich eine solche, gegen die FGFR gerichtete Therapie auch in Weichgewebssarkomen anwenden lässt.

Zu den häufigsten Weichgewebssarkomen gehören die Liposarkome. Das sind Fettgewebstumoren, bei denen die Tumorzellen zumeist ganz charakteristische Veränderungen in ihrem Erbgut aufweisen. In einer Gruppe von Fettgewebstumoren, den so genannten myxoiden („schleimigen“) Liposarkomen, kommen zwei eigentlich weit voneinander entfernt liegende Gene in unmittelbare Nachbarschaft. Als Folge dieser genetischen Veränderung wird ein krankhaftes Eiweißmolekül gebildet, das für die Entstehung der Tumoren verantwortlich ist.

Für diese Art von Tumoren konnten die Kölner Forscher zeigen, dass die FGFR tatsächlich eine Rolle für das Überleben der Tumorzellen spielen. Werden die Tumorzellen mit Wirkstoffen behandelt, die die Signale der FGFR hemmen, so wachsen diese mit steigender Wirkstoffmenge langsamer und sterben schließlich ab. Dieser Effekt wird nun in einem von der Wilhelm Sander-Stiftung geförderten Projekt weiter untersucht. Dabei sollen zum einen die molekularen Vorgänge in den myxoiden Liposarkomen genauer aufgeklärt werden, sowie zum anderen überprüft werden, ob eine Übertragung auf andere Gruppen von Weichgewebssarkomen möglich ist.

Es kommen neue Wirkstoffe, die zurzeit in klinischen Studien getestet werden, zum Einsatz. Ziel ist es, die folgenden Fragen zu beantworten: Werden FGFR in verschiedenen Gruppen von Weichgewebssarkomen vermehrt gebildet oder sind sie durch genetische Veränderungen stärker aktiviert? Lassen sich Tumorzellen auch dieser anderen Sarkomgruppen durch die Hemmung der FGFR-Signale in ihrem Wachstum verlangsamen oder sogar abtöten? Durch welche molekularen Vorgänge werden diese Effekte vermittelt?

Auf der Basis eines besseren Verständnisses von Weichgewebssarkomen werden so neue Konzepte für die Behandlung, Diagnosestellung und Prognoseabschätzung entwickelt. Diese zielgerichteten Ansätze erlauben dann eine individualisierte Tumortherapie.

Die Wilhelm Sander-Stiftung fördert dieses Forschungsprojekt mit rund 100.000 Euro.

Stiftungszweck ist die Förderung der medizinischen Forschung, insbesondere von Projekten im Rahmen der Krebsbekämpfung. Seit Gründung der Stiftung wurden insgesamt über 190 Mio. Euro für die Forschungsförderung in Deutschland und der Schweiz bewilligt. Die Stiftung geht aus dem Nachlass des gleichnamigen Unternehmers hervor, der 1973 verstorben ist.

Kontakt:
PD Dr. rer.nat. Sabine Merkelbach-Bruse und Prof. Dr. med. Reinhard Büttner
Institut für Pathologie, Universitätsklinikum Köln, Kerpener Str. 62, 50924 Köln
Tel.: 0221-478-6369 bzw. -6320, Fax: 0221-478-6183 bzw. -6360
Email: Sabine.Merkelbach-Bruse@uk-koeln.de bzw. Reinhard.Buettner@uk-koeln.de

Ansprechpartner für Medien

Sylvia Kloberdanz idw

Weitere Informationen:

http://www.wilhelm-sander-stiftung.de

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit

Dieser Fachbereich fasst die Vielzahl der medizinischen Fachrichtungen aus dem Bereich der Humanmedizin zusammen.

Unter anderem finden Sie hier Berichte aus den Teilbereichen: Anästhesiologie, Anatomie, Chirurgie, Humangenetik, Hygiene und Umweltmedizin, Innere Medizin, Neurologie, Pharmakologie, Physiologie, Urologie oder Zahnmedizin.

Zurück zur Startseite

Kommentare (0)

Schreib Kommentar

Neueste Beiträge

Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Neues Computermodell verbessert Therapie

Mithilfe mathematischer Bildverarbeitung haben Wissenschafter der Forschungskooperation BioTechMed-Graz einen Weg gefunden, digitale Zwillinge von menschlichen Herzen zu erstellen. Die Methode eröffnet völlig neue Möglichkeiten in der klinischen Diagnostik. Obwohl die…

Teamarbeit im Molekül

Chemiker der Universität Jena erschließen Synergieeffekt von Gallium. Sie haben eine Verbindung hergestellt, die durch zwei Gallium-Atome in der Lage ist, die Bindung zwischen Fluor und Kohlenstoff zu spalten. Gemeinsam…

Kristallstrukturen in Super-Zeitlupe

Göttinger Physiker filmen Phasenübergang mit extrem hoher Auflösung Laserstrahlen können genutzt werden, um die Eigenschaften von Materialien gezielt zu verändern. Dieses Prinzip ermöglicht heute weitverbreitete Technologien wie die wiederbeschreibbare DVD….

Partner & Förderer

Indem Sie die Website weiterhin nutzen, stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. mehr Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind so eingestellt, dass sie "Cookies zulassen", um Ihnen das bestmögliche Surferlebnis zu bieten. Wenn Sie diese Website weiterhin nutzen, ohne Ihre Cookie-Einstellungen zu ändern, oder wenn Sie unten auf "Akzeptieren" klicken, erklären Sie sich damit einverstanden.

schließen