Neuer Ansatz für zielgerichtete Krebs-Immuntherapie

Krebs-Immuntherapien machen sich die Fähigkeit des Immunsystems zunutze, Krebszellen anzugreifen: Sie entfesseln die Killerfunktion sogenannter T-Zellen, die daraufhin die Krebszellen zerstören.

Allerdings haben Tumore wiederum ihre eigenen Mechanismen, diese Angriffe lahmzulegen. Trotz grosser Fortschritte bei den Immuntherapien gibt es eine Vielzahl an Krebspatienten und -patientinnen, deren Tumore sich als resistent erweisen. Auch können Immuntherapien zu schweren Nebenwirkungen führen.

Forschende um Prof. Dr. Alfred Zippelius von der Universität Basel und dem Universitätsspital Basel haben gemeinsam mit Kollegen einen neuen Ansatz für eine Krebs-Immuntherapie entwickelt, die zielgerichtet und effizient den Tumor angreift.

Davon berichteten sie kürzlich im Fachblatt «Journal for ImmunoTherapy of Cancer». An der Studie waren auch Forschende des Roche Innovation Center Zürich und des Kantonsspitals Baselland beteiligt.

Lokal fokussierte Wirkung

Der Ansatz setzt auf ein Molekül, das T-Zellen stimuliert – allerdings nur, wenn sie sich dabei in unmittelbarer Nähe des Tumors befinden. Dieser lokal begrenzte Effekt beruht darauf, dass der Wirkstoff nur in Kombination mit einem vom Tumor ausgeschütteten Eiweiss an T-Zellen bindet und sie aktiviert.

«Nur wenn der Wirkstoff an die T-Zellen bindet, verstärkt er ihre Killerfunktion », erklärt Dr. Marta Trüb, Mitarbeiterin in der Arbeitsgruppe von Zippelius und Co-Erstautorin der Studie.

Der «Schalter» auf den T-Zellen, den der Wirkstoff in Kombination mit dem Tumorprotein aktiviert, heisst 4-1BB. Dieser T-Zell-Rezeptor wurde bereits früher als vielversprechendes Ziel für Immuntherapien erkannt. Jedoch scheiterten bisherige Therapieansätze wegen starker Nebenwirkungen. «Mit diesem neuen Ansatz fokussiert sich die Wirkung auf den Tumor und schont den Rest des Körpers», erklärt Trüb.

In Versuchen mit Tumoren, die aus Patientinnen und Patienten mit Lungen- und Eierstockkrebs isoliert worden waren, erzielten die Forschenden vielversprechende Ergebnisse:

Die mit dem neuen Ansatz stimulierten T-Zellen teilten sich häufiger und schütteten Botenstoffe aus, welche den Angriff auf die Krebszellen unterstützten. Die Forschenden hoffen aufgrund ihrer Resultate, dass der neue Ansatz künftig auch in klinischen Studien getestet werden kann.

Prof. Dr. Alfred Zippelius, Universität Basel / Universitätsspital Basel, Tel. +41 79 397 64 46, E-Mail: alfred.zippelius@unibas.ch

Marta Trüb, Franziska Uhlenbrock, Christina Claus, Petra Herzig, Martin Thelen, Vaios Karanikas, Marina Bacac, Maria Amann, Rosemarie Albrecht, Claudia Ferrara-Koller, Daniela Thommen, Sacha Rothschield, Spasenija Savic Prince, Kirsten D Mertz, Gieri Cathomas, Robert Rosenberg, Viola Heinzelmann-Schwarz, Mark Wiese, Didier Lardinois, Pablo Umana, Christian Klein, Heinz Laubli, Abhishek S Kashyap, Alfred Zippelius
Fibroblast activation protein-targeted-4-1BB ligand agonist amplifies effector functions of intratumoral T cells in human cancer
Journal for ImmunoTherapy of Cancer (2020), doi: 10.1136/jitc-2019-000238

Media Contact

Dr. Angelika Jacobs Universität Basel

Weitere Informationen:

http://www.unibas.ch

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit

Dieser Fachbereich fasst die Vielzahl der medizinischen Fachrichtungen aus dem Bereich der Humanmedizin zusammen.

Unter anderem finden Sie hier Berichte aus den Teilbereichen: Anästhesiologie, Anatomie, Chirurgie, Humangenetik, Hygiene und Umweltmedizin, Innere Medizin, Neurologie, Pharmakologie, Physiologie, Urologie oder Zahnmedizin.

Zurück zur Startseite

Kommentare (0)

Schreiben Sie einen Kommentar

Neueste Beiträge

Im Roboterlabor zu nachhaltigem Treibstoff

Dank einer neuen automatisierten Forschungsinfrastruktur können Chemiker:innen an der ETH Zürich Katalysatoren schneller entwickeln. Künstliche Intelligenz hilft ihnen dabei. Als erstes Demonstrationsprojekt suchten die Forschenden nach besseren Katalysatoren zur Herstellung…

Perowskit-Solarzellen: Vakuumverfahren kann zur Marktreife führen

Weltweit arbeiten Forschung und Industrie an der Kommerzialisierung der Perowskit-Photovoltaik. In den meisten Forschungslaboren stehen lösungsmittelbasierte Herstellungsverfahren im Fokus, da diese vielseitig und einfach anzuwenden sind. Etablierte Photovoltaikfirmen setzen heute…

Von der Kunst, die reale Welt in Zahlen abzubilden

Mathematiker der Uni Ulm entwickeln „Digitale Zwillinge“. Sie schlagen eine Brücke zwischen der physischen und der digitalen Welt: sogenannte „Digitale Zwillinge“. Das sind virtuelle Modelle von Objekten, aber auch von…

Partner & Förderer