MHH präsentiert ersten Patienten mit neuem Mittelohrimplantat

Im Rahmen des 13. CI-Kongresses „Individuelle Therapie mit Cochlea-Implantaten und implantierbaren Hörgeräten“ der Klinik für Hals-, Nasen-, Ohrenheilkunde der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) hat zum ersten Mal ein Patient über seine Erfahrungen mit einem so genannten DACS (Direct Acoustic Cochlear Simulator) berichtet.

Jürgen Hofmann ist einer von mittlerweile 13 Patienten, die dieses implantierbare Hörgerät erhalten haben. „Ich bin froh, endlich wieder richtig hören zu können. Es war frustrierend, dass mir jahrelang keiner helfen konnte“, sagte der 49jährige Nordhorner.

Ende 2009 wurde in der HNO-Klinik erstmals dieses weltweit neue Mittelohrimplantat implantiert. Von ihr profitieren Patienten mit einer mittel- bis hochgradigen kombinierten Schwerhörigkeit. Diese Patienten leiden an einer Schalleitungsstörung im Mittelohr und unter einer Schwerhörigkeit im Innenohr.

Bislang gab es für diese Art der Hörstörung keine adäquate Versorgungsmöglichkeit. Für ein Cochlea-Implantat ist das Gehör dieser Patienten noch zu gut; ein Hörgerät, das die Lautstärke erhöht, bringt ebenfalls keine Hörverbesserung, denn der Schall wird vom Mittelohr – dem Sitz der drei Gehörknöchelchen Hammer, Amboss und Steigbügel – nicht optimal weitergeleitet.

„Dieses Mittelohrimplantat ist ein weiterer Meilenstein in der Hörsystemversorgung“, erläuterte Professor Dr. Thomas Lenarz, Direktor der HNO-Klinik und des HörZentrums Hannover (HZH) „Schon jetzt gibt es kaum noch Hörstörungen, die wir nicht beheben oder zumindest mildern können“.

Von außen sieht das DACS-Hörsystem aus wie ein Hörgerät, der externe Audioprozessor liegt ebenfalls hinter dem Ohr. „Das eigentliche Implantat überbrückt das Mittelohr und stimuliert rein mechanisch das Innenohr über eine sogenannte Stapesprothese. Angetrieben wird diese Prothese von einem kleinen elektromagnetischen Wandler“, erklärt Dr. Hamidreza Mojallal, DACS-Experte am HZH. „Beim Cochlea-Implantat erfolgt die Weiterleitung der akustischen Signale auf elektronischem Weg.“

Beim diesjährigen CI-Kongress kommen an drei Tagen Betroffene und Vertreter der Hörsystemversorgung zusammen, um sich über neueste Entwicklungen und Möglichkeiten für Patienten mit Hörstörungen auszutauschen. Die HNO-Klinik und das HZH präsentieren auf diesem jährlich stattfindenden Kongress seine international führende Kompetenz als weltweit größtes CI-Zentrum.

Der Kongress findet vom 5. bis 7. Mai ab 8 Uhr im großen Hörsaal im Erdgeschoss des International Neuroscience Institute (INI) in der Rudolf-Pichlmayr-Str. 4 statt. Eine DACS-Live-Operation wird am 6. Mai von 9.30 bis 11 Uhr aus dem OP der HNO-Klinik in den großen Hörsaal des INI übertragen.

Weitere Informationen erhalten Sie bei Bettina Dörr, Öffentlichkeitsarbeit HNO-Klinik und HörZentrum Hannover, unter Telefon (0511) 532-6846.

Media Contact

Stefan Zorn idw

Weitere Informationen:

http://www.mh-hannover.de/

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