Dresdner Forscher entdecken Zusammenhang zwischen Darmbakterien, Diabetes und Fettleibigkeit

Die Patienten litten an Diabetes Typ 2 sowie krankhafter Fettleibigkeit. Die Forschungsergebnisse zeigen, dass drei Monate nach der Operation Bakterienarten fehlen, während andere hinzugekommen sind. Dies bewirkt einen für den Gesamtorganismus deutlich verbesserten Stoffwechsel. Doch die Veränderung birgt langfristig möglicherweise neue Risiken.

Der menschliche Organismus beherbergt knapp 200 verschiedene Bakterienarten. Ohne ihre aktive Unterstützung wäre ein gesundes menschliches Leben nicht möglich. Die meisten dieser Mikroorganismen befinden sich im Darm. Die menschliche Darmflora ist jedoch unterschiedlich zusammengesetzt. Forscher unterscheiden zwischen drei verschiedenen Besiedlungsmustern: Bacteroides, Prevotella oder Ruminococcus. Erst 2011 wurde in Europa erforscht, dass der jeweilige Besiedlungs-Typ über die Nahrungsverwertung im Organismus entscheidet. So macht der Bacteroides-Typ aus dem Nahrungsbrei große Mengen Kohlehydrate für den weiteren Stoffwechsel verfügbar. Ein Mensch dieses Typs neigt eher zur Fettleibigkeit. Die beiden anderen Typen hingegen scheiden mehr unverdauten Zucker aus. Ihre Wirte bleiben eher schlank.

Hier knüpft die Forschung von Prof. Bornstein und seinem Team an. Hat die Zusammensetzung der Darmflora Einfluss darauf, ob ein Mensch an einer Stoffwechselstörung erkrankt oder nicht? Und was passiert mit der Darmflora, wenn der Körper durch einen sogenannten Roux-en-Y-Bypass zum Abnehmen gezwungen wird?

Im Fokus des Dresdner Forschungsprojekts standen Menschen, die sich einer Magen-Bypass-Operation unterzogen hatten, an Diabetes Typ 2 litten und einen BMI von mehr als 40 aufwiesen, also stark fettleibig waren. Die Darmflora der meisten Patienten gehörte vor der Operation dem Besiedlungs-Typ an, der Stoffwechselstörungen wie Diabetes und Fettleibigkeit begünstigt.

Drei Monate nach der Operation zeigte sich Erstaunliches: Die Darmflora der Menschen mit Magen-Bypass hatte sich verändert und zeigte jetzt einen neuen Besiedlungs-Typ. Prof. Bornstein: „Die Veränderung der bakteriellen Flora ist durch eine Reduzierung bestimmter Keime gekennzeichnet, während die Anzahl anderer Keime ansteigt. Aus dieser neuen Zusammensetzung resultiert eine deutliche Verbesserung der metabolischen Parameter.“ Ein Ergebnis, das vielen Menschen mit Diabetes Typ 2 und krankhafter Fettsucht Hoffnung bringt. Doch Grund für Euphorie besteht nach Ansicht der Forscher dennoch nicht. Die Langzeitergebnisse nach Magen-Darm-Operationen fehlen.

Für die Zukunft sind auf diesem neuen Forschungsgebiet aber weiterhin spannende Erkenntnisse zu erwarten. „Die verstärkt hinzugekommen Darmkeime der Probanden können möglicherweise Impulsgeber für neue Krankheiten sein“, so Prof. Bornstein im Vorfeld des am am 14. November 2012 stattfindenden Welt-Diabetes-Tag. Dies wollen die Dresdner nun weiter erforschen. Langfristiges Ziel von Professor Bornstein und seinem Team ist jedoch, therapeutische Ansätze für eine Darmflora zu entwickeln, die den menschlichen Körper unterstützt, gesund zu bleiben.

Kontakt
Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden
Medizinische Klinik und Poliklinik III
Prof. Dr. med. Stefan R. Bornstein
Tel.: +49 0351 458 5955
Fax: +49 0351 458 6398
E-Mail: stefan.bornstein@uniklinkum-dresden.de

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Holger Ostermeyer idw

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