Bessere Schmerzbekämpfung durch ultraschallgestützte Techniken

Effektive Schmerzbekämpfung: Ultraschallgestützte Regionalanästhesie eröffnet neue Möglichkeiten

Für zahlreiche Menschen gehören Schmerzen nach einem operativen Eingriffen zu den größten Ängsten vor einer Operation. Große Schmerzen können aber auch bei der Genesung hinderlich sein. Ultraschall könnte künftig häufiger in der Schmerzbekämpfung zum Einsatz kommen. Ein vielversprechendes Anwendungsgebiet ist nach Auskunft der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM) die periphere Regionalanästhesie, eine Variante der örtlichen Betäubung.

Eine begleitende Ultraschalluntersuchung könnte sie für den Arzt leichter durchführbar und für den Patienten besser verträglich machen.

Die Regionalanästhesie ist eine Nervenblockade. Der Narkosearzt spritzt ein Betäubungsmittel in die direkte Umgebung von Nervenfasern, die einen Arm oder Teile des Beins versorgen. Bei vielen Eingriffen ist die Regionalanästhesie eine Alternative zur Vollnarkose. Sie wird aber auch zunehmend zur Schmerzbehandlung eingesetzt, erläutert Dr. med. Hans-Peter Weskott, Vorstand der DEGUM. Ohne Unterstützung durch Ultraschall ist diese Form der Betäubung schwierig durchzuführen. Der Arzt konnte sich nur an sicht- oder tastbaren anatomischen Merkmalen orientieren, bevor er die Nadel unter Umständen mehrere Zentimeter tief in Hals, Achsel, Leiste oder Kniekehle einführte.

Heute verwenden die Ärzte Elektrostimulationsgeräte. Muskelzuckungen zeigen, dass sich die Nadel in der Nähe des Nervs befindet. „Der Arzt weiß aber nicht, ob die Spitze vor, neben oder hinter der Faser liegt“, erläutert Weskott. Mit modernen Ultraschallgeräten wird die Nervenfaser erstmals für den Arzt sichtbar. Wie bei einem Stromkabel können Leitungsdraht, also die Nervenfaser und Isolierschicht, und die Nervenhaut, unterschieden werden. In deren Umgebung injiziert der Arzt das Betäubungsmittel. Weskott: „Nervenfaser oder Nervenhaut selbst sollte er nach Möglichkeit nicht verletzen.“

Auf dem Monitor kann der Arzt verfolgen, wie sich die Nadel dem Nerv nähert. Das Verletzungsrisiko von Blutgefäßen oder der Lungenspitze wird dadurch gesenkt. In der Entwicklung befinden sich laut Dr. Weskott außerdem Kanülen, deren Spitzen für den Ultraschall speziell markiert sind. Sie werden die Orientierung noch weiter erleichtern. Schon jetzt kann der Arzt nach der Injektion beobachten, wie sich das Narkosemittel in der Umgebung des Nerven ausbreitet. „Die Wirkung der Betäubung wird dadurch besser vorhersehbar“, sagt Dr. Weskott.

Dennoch ist Geschicklichkeit erforderlich. Die Punktion erfolgt freihändig. Während der Arzt mit der einen Hand die Nadel vorschiebt, muss er mit der anderen Hand die Ultraschallsonde führen und sich gleichzeitig auf dem Bildschirm orientieren. Dr. med. Hans-Peter Weskott: „Wie alle Ultraschalluntersuchungen muss diese Technik trainiert werden. Die DEGUM bietet deshalb eine zertifizierte Fortbildung in mehreren Stufen an, in der die Ärzte sich langsam verbessern können. Unser Mehr-Stufen-Konzept stellt sicher, dass die Untersuchung von gut ausgebildeten Ärzten durchgeführt wird.“

Quelle:
U.Schwemmer, C.K. Markus, J. Brederlau, F. Schuster, A. Redel. N Roewer
Einsatz von Ultraschall zur Durchführung peripherer Nervenblockaden
Ultraschall in der Medizin – European Journal of Ultrasound 2009; 30: 6-24
Ihr Pressekontakt für Rückfragen:
Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM)
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