Telemedizin – kostengünstig und überall verfügbar

Die TeleInViVo-Workstation


Projekt TeleInViVo gewinnt europäischen Technologie-Preis

Forscher entschlüsseln das menschlichen Genom mit Hilfe von Hochleistungsrechnern. Die Neuen Medien verändern Ausbildung und Arbeitsplatz in rasantem Tempo. Digitale Zielfotos entscheiden bei Olympischen Spielen über Goldmedaillen und Mikrochips steuern Computer, Fräsen, Autoelektronik oder moderne Haushaltsgeräte. Von den Naturwissenschaften bis zum Anlagenbau – für viele Wirtschaftssektoren ist die Informationstechnologie (IT) zur treibenden Kraft und zum Motor für Innovationen geworden.

Die Technologien der Informationsgesellschaft zu fördern, Innovationen und Existenzgründung zu initiieren – dieses Ziel verfolgt der »European Information Society Technology Prize«, kurz IST Prize. Zu den Gewinnern dieses höchsten europäischen Technologiepreises, auch »Oscar der Informationstechnologie« genannt, gehört 2001 das Telemedizin-Projekt »TeleInViVo«, das von dem Fraunhofer-Institut für Graphische Datenverarbeitung IGD initiiert und geleitet wurde.

»TeleInViVo« verbindet Mobilität und innovative, leistungsfähige Informations- und Kommunikations-Techniken: Die interdisziplinäre Forschergruppe entwickelte eine transportable telemedizinische Arbeitsstation, die Tele-Konsultationen ermöglicht. Die Station ist mobil, die Konsultation geschieht damit kostengünstig und autark, denn sie kann von jedem Ort der Erde aus über beliebige Telekommunikationswege erfolgen. Ein Arzt kann mit dem Gerät die Daten eines Patienten – Ultraschall oder Radiologie – scannen und über tausende Kilometer zu einem Experten senden. Die beiden Mediziner können dann die dreidimensionalen Bilddaten betrachten und über Diagnose und mögliche Behandlungsmethoden online diskutieren, denn verschiedene Kommunikationshilfen sind in das System integriert. Die integrierte Wavelet-Datenkompression ermöglicht es, den Datensatz verlustfrei zu komprimieren. Dadurch sind die visualisierten Patienteninformationen schnell und unkompliziert via Internet, ISDN oder sogar analogem Modem oder auch Satellit übertragbar. Befunde, Bilder und spezifisches Fachwissen stehen somit dem behandelnden Arzt oder dem medizinischen Assistenten sehr schnell zur Verfügung. Das kann Leben retten.
»Tele-Konsultationen mit Experten verbessern die Sicherheit der Diagnose. Für die Patienten entfällt der oftmals lange Weg zum Spezialisten. Gemildert wird außerdem die Isolation von Menschen, die z.B. auf Inseln oder entlegenen Gegenden leben und deren medizinische Versorgung sie oftmals zu ’Bürgern 2. Klasse’ macht«, betont Prof. Georgios Sakas vom Fraunhofer IGD, der Leiter des TeleInViVo-Projektes. Die Bewohner entlegener, dünnbesiedelter Gebiete oder Inseln müssen in Zukunft nicht mehr auf professionelle medizinische Versorgung verzichten. Pilotprojekte auf den Azoren und den Kanarischen Inseln verliefen bereits sehr erfolgreich. In Kooperation mit der UNESCO wurden weitere Projekte in Uganda und Kasachstan erfolgreich durchgeführt. Sinnvoll ist der Einsatz des TeleInViVo-Systems in Krisengebieten. Inzwischen haben hunderte von Telekonsultationen, die erfolgreich durchgeführt wurden, die Nützlichkeit des Systems eindrucksvoll bestätigt. Die Ergebnisse sind bereits bei medizinischen Konferenzen publiziert worden.

Das Fraunhofer IGD in Darmstadt hatte die Leitung des TeleInViVo-Projektes. In der technischen Realisierung haben das Zentrum für Graphische Datenverarbeitung (ZGDV) und das Centro de Computação Gráfica (CCG) in Coimbra, Portugal; DSC Dr. Staerk Computer GmbH in Langen und PIE Medical in Maastricht, Holland mitgewirkt. Die medizinische Validierung wurde durchgeführt von: Hospitais da Universidade de Coimbra, Portugal; Hospital de Ponta Delgada auf den Azoren, Portugal; CATAI auf Teneriffa, Spanien und UNESCO in Paris, Frankreich.

Detaillierte Informationen zum TeleInViVo-Projekt sowie Links zu den Konsortialpartnern und Partnerkliniken finden Sie unter:

http://www.igd.fhg.de/teleinvivo


Mit dem IST-Prize zeichnet das »European Council of Applied Sciences and Engineering« (Euro-CASE) – in dem 26 europäische Länder vertreten sind – bahnbrechende, innovative Entwicklungen und Anwendungen in der Informations-Technologie aus. Der Preis, gesponsert und unterstützt von der Europaeischen Kommission, wird zum sechsten Mal verliehen. Die Jury aus namhaften europäischen Experten setzt für die »IT-Oscars« hohe Maßstäbe an: Gefordert sind neben technischer Spitzenqualität und innovativem Gehalt auch der potentielle Marktwert und die Möglichkeit, neue Arbeitsplätze zu schaffen. Zu den Gewinnern der Vorjahre zählen Firmen wie Intershop, Teles und Nokia. Das Telemedizin-Projekt »TeleInViVo« ist eines der 20 prämierten Anwendungen aus Vorschlägen, die über 200 Firmen und Institutionen aus 26 Ländern eingereicht haben. Unter den 20 Gewinnern wählt die Jury in einer zweiten Stufe drei Projekte aus, die am 7. November in Nizza aus der Hand von EU-Kommisar Erki Liikanenden den »Grossen Preis für ein Europa der Informationstechnologie« erhalten. Die drei Preisträger erhalten je 200 000 Euro.

Detaillierte Informationen zu dem IST-Prize und den Gewinnern finden Sie unter:

http://www.it-prize.org


Ansprechpartner:
Fraunhofer-Institut für Graphische Datenverarbeitung IGD
Unternehmenskommunikation
Bernad Lukacin
Phone: +49 (0) 6151/155-146
Fax: +49 (0) 6151/155-446
Email: Bernad.Lukacin@igd.fhg.de

Weitere Informationen finden Sie im WWW:

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Bernad Lukacin idw

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