Neues Schrittmachersystem gegen Vorhofflimmern


Nach umfangreicher klinischer Erprobung erstmalige Implantation des neuen Herzschrittmachers AT500 nach Marktfreigabe

Mit Hilfe eines neuen Schrittmachersystems können Kardiologen des Universitätsklinikums der Otto – von – Guericke – Universität Magdeburg von nun an den am weitesten verbreiteten Herzrhythmusstörungen, Vorhofflimmern und Vorhofflattern, vorbeugen. Am gestrigen Tag wurde das Vorhoftherapiesystem AT500 zum ersten Mal nach der kürzlich erfolgten Marktfreigabe bei einer 66-jährigen Patientin aus Magdeburg implantiert. Durch die Kombination von Diagnostik, Prävention und Terminierung ist jetzt erstmalig eine umfassende Therapie der bisher unzureichend behandelbaren Herzrhythmusstörungen möglich.

Mit ungefähr 5,5 Mio. Betroffenen weltweit ist Vorhofflimmern die häufigste Herzrhythmusstörung. Jährlich werden 720.000 neue Fälle diagnostiziert. Beim Vorhofflimmern erhöht sich die Frequenz im Vorhof auf 300 bis 600 Schläge in der Minute, woraufhin die fühlbare Pulsfrequenz zwischen 50 und 200 Schlägen in der Minute schwanken kann.

„Die bisher zur Verfügung stehenden, in der Regel medikamentösen Behandlungsmöglich- keiten führen nur bei etwa der Hälfte der Patienten zu einer Beseitigung oder Besserung der Beschwerden und sind mit teilweise erheblichen Nebenwirkungen behaftet. Aus diesem Grunde stellt die jetzt erreichte Erweiterung des therapeutischen Spektrums eine entscheidende Verbesserung in der Behandlung dar,“ sagt Dr. Christoph Geller, Oberarzt der kardiologischen Klinik des Universitätsklinikums. Unter Umständen würde sich durch eine effektivere Behandlung der Rhythmusstörung nicht nur die ausgeprägte Symptomatik der Patienten, sondern auch ein Fortschreiten der Grunderkrankung des Herzens und die mit der Rhythmusstörung zusammenhängenden Risiken eines Schlaganfalls bessern lassen, so Geller.

Eine Besonderheit des Gerätes ist die zehnmal höhere Speicherkapazität als bei herkömmlichen Schrittmachern, womit den behandelnden Ärzten umfangreiche Informationen über die Entstehung der Rhythmusstörungen zur Verfügung stehen und somit eine individuell optimale Behandlungsstrategie erarbeitet werden kann.

Weltweit sind bisher mehr als 800 Patienten mit dem AT500 versorgt worden. In den bisher durchgeführten klinischen Studien konnte eine gute Wirksamkeit des Systems in der Verhinderung des Wiederauftretens der Rhythmusstörung und in der Beendigung einer aufgetretenen Rhythmusstörung gezeigt werden. Nach Angaben von Dr. Geller wird jedoch bei einem Teil der Patienten eine kombinierte Behandlung mit dem Schrittmachersystem und einer medikamentösen antiarrhythmischen Therapie sowie der Fortsetzung der blutverdünnenden Therapie erforderlich sein, um einen optimalen Therapieeffekt zu erreichen.

Ansprechpartner:
Dr. Christoph Geller
Oberarzt, Kardiologie
Otto – von – Guericke – Universität Magdeburg
Tel: 0391/6 71 32 15

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Kornelia Suske

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