Blutfettsenker bei Knochenschwund?


Weltweit etwa 100 Millionen Menschen leiden an Knochenschwund. Besonders betroffen von dem als Osteoporose bezeichneten Krankheitsbild sind Frauen jenseits der Wechseljahre. Eine neue Behandlungsmöglichkeit untersuchen derzeit Frauenärzte am Universitätsklinikum Münster. Im Rahmen einer bundesweiten multizentrischen Studie gehen sie der Frage nach, ob bestimmte, häufig verschriebene Blutfettsenker, die eigentlich im Kampf gegen den Infarkt eingesetzt werden, auch bei Osteoporose zu empfehlen sind. Frauen im Alter zwischen 55 und 75 Jahren, die noch nicht gegen Knochenschwund behandelt werden und an der Studie teilnehmen möchten, sollten sich unter Tel. 0251/83 4 8269 mit der Universitäts-Frauenklinik Münster in Verbindung setzen.

„Erste Untersuchungsergebnisse lassen hoffen, dass die Medikamente unter anderem knochenbildend wirken“, betont Prof. Dr. Ludwig Kiesel, kommissarischer Direktor der Frauenklinik. Fragen hinsichtlich der genauen Wirksamkeit und der Dosierung, so Kiesel, müssten jetzt in einer kontrollierten Studie geklärt werden. Eine Gruppe der Frauen, die an dieser Studie teilnehmen, wird also nur ein Scheinmedikament bekommen. Alle Frauen erhalten aber eine Basistherapie.

Die Entdeckung des positiven Einflusses der Blutfettsenker auf die Knochenbildung war ein Zufall: Ein Forscherteam in Texas hatte 30.000 Wirkstoffe untersucht, um ein Gen zu aktivieren, das die Knochenbildung ankurbelt. Dabei zeigte sich im Labor, dass die sogenannten Statine, die heute zur Therapie hoher Cholesterinspiegel eingesetzt werden, knochenbildende Zellen anregen. Versuche mit Ratten und Mäusen zeigten, dass Statine bei ihnen das Knochenwachstum fördern.

Nach der Veröffentlichung dieser Ergebnisse im US-Fachblatt „Science“ wurde die Wirkung der Blutfettsenker auf menschliche Knochen in zwei klinischen Studien überprüft. Untersuchungen bei britischen Frauen nach den Wechseljahren, die Blutfettsenker erhielten, haben gezeigt, dass die Knochendichte bei ihnen klar erhöht war.

Eine Osteoporose zeichnet sich dadurch aus, dass die Knochen Mineralien wie Phosphor und Kalzium verlieren und das knöcherne
Gerüst schwindet. Die Knochen werden porös und brüchig. Zur Vorbeugung gegen Osteoporose wird betroffenen Frauen oft Östrogen verschrieben, da ohne dieses Hormon jährlich bis zu drei Prozent der Knochenmasse schwindet. Generell empfohlen werden Gymnastik und kalziumreiche Kost und als Basistherapie Kalzium und Vitamin D3. Um den Knochenschwund zu stoppen, werden derzeit meistens Biphosphate eingesetzt. Mit den Blutfettsenkern könnte sich eine vielversprechende neue Behandlungsmöglichkeit auftun.

Media Contact

Jutta Reising idw

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit

Dieser Fachbereich fasst die Vielzahl der medizinischen Fachrichtungen aus dem Bereich der Humanmedizin zusammen.

Unter anderem finden Sie hier Berichte aus den Teilbereichen: Anästhesiologie, Anatomie, Chirurgie, Humangenetik, Hygiene und Umweltmedizin, Innere Medizin, Neurologie, Pharmakologie, Physiologie, Urologie oder Zahnmedizin.

Zurück zur Startseite

Kommentare (0)

Schreib Kommentar

Neueste Beiträge

Die ungewisse Zukunft der Ozeane

Studie analysiert die Reaktion von Planktongemeinschaften auf erhöhtes Kohlendioxid Marine Nahrungsnetze und biogeochemische Kreisläufe reagieren sehr empfindlich auf die Zunahme von Kohlendioxid (CO2) – jedoch sind die Auswirkungen weitaus komplexer…

Neues Standardwerkzeug für die Mikrobiologie

Land Thüringen fördert neues System zur Raman-Spektroskopie an der Universität Jena Zu erfahren, was passiert, wenn Mikroorganismen untereinander oder mit höher entwickelten Lebewesen interagieren, kann für Menschen sehr wertvoll sein….

Hoher Schutzstatus zweier neu entdeckter Salamanderarten in Ecuador wünschenswert

Zwei neue Salamanderarten gehören seit Anfang Oktober 2020 zur Fauna Ecuadors welche aufgrund der dort fortschreitenden Lebensraumzerstörung bereits bedroht sind. Der Fund ist einem internationalen Team aus Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern…

By continuing to use the site, you agree to the use of cookies. more information

The cookie settings on this website are set to "allow cookies" to give you the best browsing experience possible. If you continue to use this website without changing your cookie settings or you click "Accept" below then you are consenting to this.

Close