Musikalische und mimische Emotionserkennung – Erste Forschungsergebnisse

„Nicht nur Studierende profitieren von diesem Wissenstransfer, sondern auch für das Forschungszentrum ergeben sich neue Impulse für Forschungsprojekte“, so Prof. Hans Volker Bolay, Geschäftsführender Vorstand des DZM. So werde eine im Jahr 2003 vom Forschungszentrum mit deutschen Probanden durchgeführte Pilotstudie über musikalische und mimische Emotionserkennung mittlerweile in mehreren internationalen studentischen Teilstudien weitergeführt.

„Der Wissenstransfer ist eine fundierte Basis für das wissenschaftliche und anwendungsorientierte Arbeiten unserer Studierenden, “ so Prof. Friedrich-Wilhelm Wilker, verantwortlich für die Masterstudiengänge in Musiktherapie der Fachhochschule Heidelberg. Studierende der Fakultät erheben beispielsweise im Rahmen ihrer Abschlussarbeiten Daten zu mimischer und emotionaler Emotionserkennung in Indonesien, Brasilien und Korea und vergleichen diese mit den deutschen Ergebnissen aus dem Jahr 2003. Die Auswertung der indonesischen Daten liegt bereits vor.

Der Vergleich der indonesischen mit den deutschen Ergebnissen zeigt sowohl Unterschiede beim Erkennen verschiedener Emotionen als auch bei der Gesamterkennungsrate. Während die indonesischen Probanden im Durchschnitt etwa die Hälfte der sechs dargestellten Gefühlszustände richtig bewerten, erkennen die deutschen Versuchspersonen mehr als dreiviertel der Emotionen. Beide Gruppen erkennen die Emotionen Trauer und Freude annähernd gleich gut und am besten von allen Basisemotionen insgesamt, gefolgt von Angst und Ekel. 75 Prozent der deutschen Probanden deuten die Emotion Überraschung richtig, 70 Prozent die Gefühlsregung Ärger. Bei den indonesischen Testpersonen liegen die Quoten jeweils bei 38 Prozent.

Auch die gewählte Testart zur Bestimmung der jeweiligen Gemütsbewegung beeinflusst die Erkennungsleistung der indonesischen Versuchsteilnehmer. Während die Probanden beim musikalischen Test etwas mehr als die Hälfte der Beispiele richtig erkennen, liegt die Quote beim visuellen Test bei fast 80 Prozent. Es zeigt sich allerdings auch, dass Versuchspersonen, die im mimischen Test gut abschneiden auch im musikalischen Test hohe Werte erreichen. Kein Unterschied zeigt sich in der Erkennungsleistung bei männlichen und weiblichen Probanden.

Der Vergleich mit den deutschen Daten zeigt, dass die deutschen Probanden in der musikalischen Emotionserkennung deutlich besser abschneiden.

Die Ergebnisse sprechen zunächst gegen die Annahme, dass Emotionen generell kulturübergreifend erkannt werden können. Um diese Hypothese zu überprüfen, werden die Untersuchungen zurzeit mit brasilianischen und koreanischen Probanden von Studierenden der Fakultät für Musiktherapie der Fachhochschule Heidelberg durchgeführt. Eine weitere Erhebung findet derzeit an der Universität Oslo statt. Genauere Ergebnisse sollen Ende des Jahres 2006 vorliegen.

Weitere Informationen:
Deutsches Zentrum für Musiktherapieforschung
(Viktor Dulger Institut) DZM e. V.
Ansprechpartnerin: Michaela Schneider M.A.
Telefon: + 49 (0) 62 21-83 38 60
Telefax: + 49 (0) 62 21-83 38 74
E-Mail: dzm@fh-heidelberg.de

Media Contact

Michaela Schneider M.A. idw

Weitere Informationen:

http://www.dzm.fh-heidelberg.de

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit

Dieser Fachbereich fasst die Vielzahl der medizinischen Fachrichtungen aus dem Bereich der Humanmedizin zusammen.

Unter anderem finden Sie hier Berichte aus den Teilbereichen: Anästhesiologie, Anatomie, Chirurgie, Humangenetik, Hygiene und Umweltmedizin, Innere Medizin, Neurologie, Pharmakologie, Physiologie, Urologie oder Zahnmedizin.

Zurück zur Startseite

Kommentare (0)

Schreiben Sie einen Kommentar

Neueste Beiträge

Funktionsweise von Adrenalin-bindendem Rezeptor entschlüsselt

Leipziger Biophysiker verfolgen Mechanismus der Signalübertragung im Körper nach. G-Protein-gekoppelte Rezeptoren (GPCR) sind im menschlichen Körper allgegenwärtig und an vielen komplexen Signalwegen beteiligt. Trotz ihrer Bedeutung für zahlreiche biologische Vorgänge…

Eine Alternative für die Manipulation von Quantenzuständen

Forschende der ETH Zürich haben gezeigt, dass man die Quantenzustände einzelner Elektronenspins durch Elektronenströme mit gleichmässig ausgerichteten Spins kontrollieren kann. Diese Methode könnte in Zukunft in elektronischen Schaltelementen eingesetzt werden….

Neue Einblicke in das Entstehen kleinster Wolkenpartikel in der Arktis

Ny-Ålesund (Spitzbergen). Mobile Messgeräte ermöglichen die Untersuchung von atmosphärischen Prozessen in höheren Luftschichten, die von klassischen Messstationen am Boden bisher nicht erfasst werden. Die luftgetragenen Flugsysteme leisten somit einen wichtigen…

Partner & Förderer