MHH-Forscher zeigt: Einfache Übungen haben große Wirkung

Mediziner findet neue Ansätze in der Therapie von Achillessehnenbeschwerden


Bei Lauf- und Fußballsportlern kommen chronische Achillessehnenprobleme genauso vor wie bei sportlich inaktiven Menschen höheren Alters. Sie gehen häufig mit starken Schmerzen einher und schränken die Bewegungsfähigkeit der Betroffenen im Alltag stark ein. Dr. Karsten Knobloch von der Unfallchirurgischen Klinik der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) hat nachgewiesen, dass bereits einfach tägliche Übungen ausreichen können, um die Achillessehnenschmerzen zu lindern. Erste Forschungsergebnisse hat jetzt das „American Journal of Sports Medicine“ veröffentlicht („Achilles Tendon and Paratendon Microcirculation in Midportion and Insertional Tendinopathy in Athletes“, Am J Sports Med 2006 34: 92-97).

In einer Studie mit 66 Patienten setzte Dr. Knobloch ein Laser-Doppler-System ein, um den Blutfluss in den winzigen Kapillargefäßen der verdickten und schmerzhaften Achillessehne zu bestimmen. Bei Patienten mit einer Entzündung der Achillessehne war ein um bis zu 50 Prozent erhöhter Blutfluss am Ort des Schmerzes nachzuweisen im Vergleich zur nicht geschädigten Sehne des anderen Beines, aber auch im Vergleich zu einer gesunden Kontrollgruppe. Dieser erhöhte Kapillarfluss war immer dort vorhanden, wo die Verdickung der Sehne nachzuweisen war: am Sehnenansatz oder auch im Verlauf der Achillessehne zwei bis sechs Zentimeter oberhalb der Ferse. 61 Teilnehmer absolvierten daraufhin zwölf Wochen lang täglich selbstständig ein exzentrisches Krafttraining ohne Hilfsmittel. Der Erfolg: Die Schmerzen konnten allein durch das Training signifikant um 44 Prozent gesenkt werden, der pathologisch erhöhte Kapillarfluss ging um bis zu 50 Prozent zurück.

„Für das exzentrische Krafttraining sind keine aufwendigen Geräte nötig“, sagt Dr. Knobloch, „für die Stärkung ihrer Achillessehne müssen die Betroffnen jedoch über mindestens zwölf Wochen täglich engagiert und gewissenhaft mitarbeiten.“ Die Übungen können an einer Treppenstufe durchgeführt werden. „Man stellt sich am besten barfuß auf die Zehenspitzen, hält diese Position für zwei Sekunden und senkt dann den Fuß unter die Horizontale, daher ist auch die Treppenstufe notwendig“, erklärt der Mediziner. Diese Übung muss man 15-mal wiederholen. Nach einer Pause von 30 Sekunden folgen 15 weitere Wiederholungen. „Um einen Effekt zu erzielen, muss der Patient täglich dreimal 15 Wiederholungen pro Seite durchführen, unter Umständen. auch mehr“, betont Dr. Knobloch. Das Training könne in der ersten Woche Schmerzen vor allem in der Wade wie bei einem Muskelkater auslösen, dennoch sollte man die Übungen durchhalten.

Bislang sind keine Achillessehnenrisse während dieser Übungen aufgetreten wie auch keine weiteren nachteiligen Nebenwirkungen. Das Training kann mit vielen Therapien problemlos kombiniert werden. Die verdickte Sehne verdünnt sich im Verlauf des Trainings messbar und die veränderte Mikrozirkulation erholt sich, interessanterweise auch auf der nicht betroffenen Seite, vielleicht sogar in einem präventiven Sinne.

Ansprechpartner für Medien

Stefan Zorn idw

Weitere Informationen:

http://www.mh-hannover.de/

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