Aggressivität der Krebs-Therapie reduzieren

Deutsche Krebshilfe fördert Lymphom-Studiengruppe

Die Deutsche Krebshilfe fördert mit 2,4 Millionen Euro erneut die „Deutsche Studiengruppe für Hochmaligne Non-Hodgkin-Lymphome“ (DSHNHL). Durch die Optimierung der Therapie konnte diese Studiengruppe erreichen, dass die Heilungsraten bei Patienten mit aggressiven Lymphomen heute deutlich besser sind. Die Krebskranken, die nach den Vorgaben dieser Studie behandelt werden, haben weltweit die besten Heilungschancen. „Jetzt ist unser nächstes Ziel, die Belastungen der Therapie zu senken und dadurch die Lebensqualität der Patienten zu verbessern“, erklärt Professor Dr. Michael Pfreundschuh, Direktor der Klinik für Innere Medizin I am Universitätsklinikum des Saarlandes und Leiter der DSHNHL. Bei Patienten mit ungünstiger Prognose wollen die Wissenschaftler in einer zweiten Studie die Heilungsraten weiter steigern.

Mehr als 12.500 Menschen erkranken jedes Jahr in Deutschland neu an einem Non-Hodgkin-Lymphom. Unter dieser Bezeichnung werden unterschiedliche Tumorerkrankungen des Lymphsystems zusammengefasst. In den letzten Jahrzehnten hat die Häufigkeit dieser Lymphome in Deutschland und anderen westlichen Ländern stetig zugenommen. Zu den möglichen Risikofaktoren gehören – neben steigendem Alter – das Rauchen, virale Infektionen und radioaktive Strahlung. Insbesondere die aggressiven Formen sind gefährlich, da sich die entarteten Lymphomzellen besonders schnell vermehren.

Die Studiengruppe unter der Leitung von Professor Pfreundschuh hat Protokolle zur Therapieoptimierung und Qualitätssicherung bei aggressiven Lymphomen entwickelt. „Dadurch konnten die Heilungsraten deutlich verbessert werden“, hebt der Studienleiter hervor. „Bei Patienten, die jünger als 60 Jahre sind und eine günstige Prognose haben, liegen die Heilungsraten heute sogar bei 100 Prozent.“ Daher sei es bei dieser Patientengruppe in der neuen Studie nun das Ziel, die Aggressivität der Behandlung zu verringern.

Im Rahmen der von der Deutschen Krebshilfe geförderten Studie prüfen die Ärzte deshalb, ob die Zahl der Chemotherapie-Zyklen bei diesen Patienten reduziert werden kann. „Dies bietet die beste Möglichkeit, die Nebenwirkungen zu verringern, ohne die Heilungsraten wesentlich zu verschlechtern“, erklärt Pfreundschuh. Dazu werden bei 622 Patienten zwei unterschiedliche Behandlungsarten angewendet: Ein Teil der Betroffenen erhält wie bisher üblich sechs Zyklen der so genannten CHOP-Chemotherapie. Die anderen Patienten bekommen dagegen nur vier Zyklen. Der Vorteil: Die Behandlung dauert nur noch 12 statt wie bisher 18 Wochen. „Zum einen ist das weniger belastend für die Patienten. Zum anderen können die Betroffenen schneller wieder ins normale Leben zurückkehren“, erläutert Pfreundschuh.

In der zweiten Studie der DSHNHL, die ebenfalls von der Deutschen Krebshilfe gefördert wird, geht es bei Patienten mit weniger günstiger Prognose darum, die Heilungsraten zu steigern und eine normale Lebenserwartung zu erreichen. Dazu prüfen die Ärzte bei 1.072 Patienten, ob sich die Behandlungsergebnisse verbessern lassen, wenn sie die Chemotherapie alle zwei Wochen statt wie bisher alle drei Wochen verabreichen. Gleichzeitig wird die Notwendigkeit einer zusätzlichen Strahlentherapie untersucht.

Die DSHNHL wurde 1993 gegründet und wird seit 1995 von der Deutschen Krebshilfe gefördert. Dieser Unterstützung ist es zu verdanken, dass die Studiengruppe heute international führend auf dem Gebiet aggressiver Lymphome ist. Die Studienzentrale befindet sich an der Universität des Saarlandes in Homburg. An den Studien der DSHNHL nehmen mittlerweile über 400 Kliniken und niedergelassene Onkologen aus ganz Deutschland sowie Zentren aus der Schweiz, Skandinavien und Tschechien teil.

Info-Kasten: Non-Hodgkin-Lymphome

Non-Hodgkin-Lymphome stellen eine uneinheitliche Gruppe verschiedener Lymphom-Typen dar, die aus entarteten Zellen des Lymphsystems entstehen. Grund für diese Heterogenität ist die große Anzahl verschiedener Lymphom- und Abwehrzellen im Körper, die zu unterschiedlichen Zeitpunkten ihrer Entwicklung entarten und zu einer Krebserkrankung führen können. Die Behandlung maligner Lymphome ist für die verschiedenen Erkrankungsformen unterschiedlich. Wichtig für eine optimal angepasste Therapie ist die Einteilung der Lymphome nach Krankheitsstadien, ihren feingeweblichen und molekularbiologischen Charakteristika sowie ihrer Bösartigkeit. Häufig werden verschiedene Therapieformen miteinander kombiniert. Dazu zählen vor allem die Strahlen- und Chemotherapie, die durch eine Immuntherapie oder Stammzelltransplantation ergänzt werden können.

Projekt-Nummern: 106369/106377

Ansprechpartner für Medien

Dr. med. Eva M. Kalbheim idw

Weitere Informationen:

http://www.krebshilfe.de

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