Hörschäden durch Chemotherapie

Mediziner wollen Risiko für krebskranke Kinder verringern

Viele Krebsarten bei Kindern behandeln Mediziner mit dem Chemotherapeutikum Cisplatin. Doch die Therapie mit Cisplatin kann das Hörorgan der kleinen Patienten schädigen. Da aber nicht alle Kinder unter dieser Nebenwirkung leiden, wollen Wissenschaftler von der Universität Münster jetzt herausfinden, welche Faktoren die Ausprägung einer bleibenden Hörschädigung begünstigen. Sie überprüfen dabei mögliche Risikofaktoren wie Alter und Ernährungszustand. Anschließend sollen Ansätze für eine gehörschonendere Behandlung mit Cisplatin entwickelt werden. Die Deutsche Krebshilfe fördert das dreijährige Projekt mit knapp 170.000 Mark.

Jährlich erkranken 1.750 Jungen und Mädchen unter 15 Jahren an Krebs. 70 Prozent der kleinen Patienten können geheilt werden. Leiden sie an einem Neuroblastom oder an einem Knochen-, Keimzell- oder Hirntumor, werden die Kinder meist mit dem Chemotherapeutikum Cisplatin behandelt. Cisplatin gehört in die Gruppe der alkylierenden Substanzen, die die Bausteine der Erbsubstanz so verändern, dass die DNA auseinanderbricht. Die Folge der irreparablen Schäden: Die Tumorzellen starten ihr Selbstmordprogramm und gehen zugrunde.

Doch diese Therapie wird oftmals von einer unangenehmen Nebenwirkung begleitet, die von Dauer sein kann: Viele der kleinen Patienten leiden während und nach der Behandlung unter Schwerhörigkeit. Mit steigender Gesamtdosis von Cisplatin nimmt das Risiko, eine Hörstörung zu erleiden, zu. Aber warum hören nach dieser Therapie nicht alle Kinder schlecht? Es gibt Hinweise darauf, dass erbliche Faktoren für die unterschiedliche Empfindlichkeit der Patienten verantwortlich sind. Wissenschaftler von der Klinik und Poliklinik für Kinderheilkunde – Pädiatrische Hämatologie und Onkologie – und der Klinik und Poliklinik für Phoniatrie und Pädaudiologie der Universität Münster wollen jetzt unter der Leitung von Dr. Claudia Lanvers und Dr. Markus Hahn weitere Faktoren identifizieren, die das Risiko für einen Hörschaden erhöhen.

Die Spezialisten überprüfen die Funktion des Gehörs von krebskranken Kindern, die nach unterschiedlichen Schemata mit Cisplatin behandelt werden. Zu definierten Zeitpunkten vor, während und nach der Therapie untersuchen sie die Funktion des Innenohres. Gleichzeitig werden im Blut die Cisplatin-Konzentrationen gemessen und zu den Veränderungen der Hörfunktion in Beziehung gesetzt. Die Wissenschaftler überprüfen außerdem, ob ein Zusammenhang besteht zwischen Alter, Geschlecht, Ernährungszustand, Körpertemperatur, Pigmentierung sowie therapiebegleitender Medikamente und der Auslösung der Hörstörung. Projektleiterin Dr. Lanvers: „Wenn es uns gelingt, Faktoren zu identifizieren, die mit einer Cisplatin-bedingten Schwerhörigkeit im Zusammenhang stehen, können wir zukünftig vor der Behandlung für jeden der kleinen Patienten ein persönliches Risikoprofil erstellen.“

Damit die Forscher auf ein erhöhtes Risiko der Kinder reagieren können, versuchen sie Kriterien für eine gehörschonendere Therapie zu entwickeln. Dabei suchen sie hauptsächlich nach geeigneten Dosierungen von Cisplatin. „Unser Anliegen ist es natürlich, die Therapieerfolge – bei geringerer Belastung des Gehörs – beizubehalten“, so Lanvers.

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Ansprechpartner für Medien

Dr. med. Eva M. Kalbheim-Gapp Deutsche Krebshilfe

Weitere Informationen:

http://www.krebshilfe.de/

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