Jeder 14. Bundesbürger leidet an Krankheitsangst – Krebserkrankungen stehen bei Ängsten an erster Stelle

Psychologisches Institut bietet im Rahmen eines Forschungsprojekts umfassendes Behandlungskonzept für Betroffene mit Hypochondrie


Ungefähr 7 Prozent der deutschen Bevölkerung leiden an Krankheitsangst, in schwerer Ausprägung auch Hypochondrie genannt, ergaben Untersuchungen am Psychologischen Institut der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. „Die Betroffenen sind in Gedanken oft bei ihrem Körper“, erklärte Dr. Gaby Bleichhardt, stellvertretende Leiterin der Poliklinischen Institutsambulanz für Psychotherapie. „Sie prüfen häufig, ob es ihrem Körper gerade gut geht oder ob unangenehme Empfindungen auftreten. Sie gehen auch häufiger zum Arzt, um abklären zu lassen, ob sie gesund sind.“ Die Poliklinische Institutsambulanz bietet in Zusammenarbeit mit dem Psychologischen Institut Menschen mit Krankheitsangst seit Dezember 2004 ein umfassendes Behandlungskonzept an. Die ersten Erfahrungen zeigen nach Darstellung von Dr. Bleichhardt sehr positive Resultate.

Krankheitsangst oder Hypochondrie bezeichnet die Angst, unter einer oder mehreren Krankheiten zu leiden. Jeder Mensch hat mehr oder weniger Krankheitsangst. Menschen mit viel Krankheitsangst leiden unter einer ausgeprägten Angst oder Überzeugung, eine ernsthafte Krankheit zu haben. „Die meisten Betroffenen befürchten an Krebs erkrankt zu sein, wobei meistens eine ganz spezifische Krebsart, zum Beispiel Darmkrebs, genannt wird“, erläutert Dr. Bleichhardt. Auch andere schwere Erkrankungen, wie AIDS oder Alzheimer, sind Gegenstand der Krankheitsangst, außerdem treten „Modeerscheinungen“ wie die SARS-Ängste auf. Den Betroffenen fällt es dann oft schwer, sich von den Gedanken an diese Krankheit zu lösen. Viele fühlen sich von den Ängsten gefangen genommen.

Oft gelingt es nur durch wiederholte Arztbesuche, Suche in der Fachliteratur oder die Einbindung anderer Personen eine Erleichterung zu erfahren. Meist ist diese Erleichterung jedoch nicht von Dauer. Die Poliklinische Institutsambulanz bietet im Rahmen eines Forschungsprojekts Betroffenen mit Krankheitsangst ein umfassendes Behandlungsangebot, das ihnen helfen soll, sich von den Ängsten zu lösen. Bei dieser kognitiven Verhaltenstherapie wird versucht, sowohl Gedanken als auch Verhalten eine andere Richtung zu geben. Gedanken rund um die Krankheitsangst sollen bewusst gemacht und möglichst aufgelöst werden. Bei den Verhaltensänderungen wird beispielsweise versucht, die Betroffenen zu regelmäßigen Arztbesuchen anzuhalten, während sie gleichzeitig die ständige Selbstkontrolle des Körpers unterlassen. Betroffene, die sich für das Behandlungskonzept interessieren, können sich mit Fragen oder für ein klärendes Vorgespräch an Dr. Bleichhardt wenden.

Kontakt und Informationen:
Dr. Gaby Bleichhardt
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Psychologisches Institut
Abteilung Klinische Psychologie und Psychotherapie
Tel. 06131 39-23707
Fax 06131 39-24623
E-Mail: bleichha@uni-mainz.de

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Petra Giegerich idw

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