Kampf gegen das Virus der Ringelröteln

Knapp drei Viertel aller Deutschen hatten schon einmal mit ihm Kontakt, und dennoch gibt es den Forschern noch viele Rätsel auf: Das Parvovirus B19, das typischerweise die Ringelröteln hervorruft – unter Umständen aber verbunden mit lebensbedrohlichen Komplikationen. Ein internationaler Forschungsverbund, finanziell gefördert von der Europäischen Union, möchte nun unter anderem die Infektionswege des Erregers aufklären und neue Therapiemöglichkeiten entwickeln. Auch Virologen der Universität Bonn sind beteiligt; die Bonner Mediziner werden mit 440.000 Mark unterstützt.

Das Parvovirus B19 hütet seine Geheimnisse gut: Da es sich nicht in Zellkultur züchten lässt, wissen die Mediziner nur wenig über die detaillierten Infektionsabläufe; außerdem lässt sich die Infektion bislang nur in wenigen Laboratorien zuverlässig diagnostizieren – tragisch beispielsweise deshalb, weil eine Gefahr der Ansteckung über Bluttransfusionen bestehen kann. Zudem fehlen bislang ausreichende Therapiemöglichkeiten sowie eine prophylaktische Impfung.

Ziel der Arbeiten der Bonner Arbeitsgruppe unter Leitung der Privatdozentin Dr. Anna Maria Eis-Hübinger, Virologin am Institut für Medizinische Mikrobiologie und Immunologie des Universitätsklinikums Bonn, ist die Ermittlung der genauen Infektionsdosis – wichtig beispielsweise, um das Übertragungsrisiko durch Blut- und Plasmapräparate abschätzen zu können. Die Bearbeitung des Teilprojekts erfolgt in Kooperation mit Dr. Hans Herrmann Brackmann vom Institut für Experimentelle Hämatologie und Transfusionsmedizin. Die Bonner Forscher wollen außerdem neue Verfahren erproben, mit denen sich das Virus im Labor besser identifizieren lässt und verschiedene Virus-Stämme unterschieden werden können.

Das Parvovirus B19 wurde im Jahr 1975 zufällig in der Blutprobe eines ansonsten gesunden Blutspenders mit der Codenummer B19 entdeckt. Es vermehrt sich in Vorläuferzellen der roten Blutkörperchen und zerstört sie; dabei kommt es zur Abnahme der roten Blutzellen (Anämie), die bei vorbelasteten Personen lebensbedrohliche Ausmaße annehmen kann. Die Virusvermehrung ist höchst effizient: pro Milliliter Blut treten Konzentrationen bis zu 1000 Milliarden Viruspartikel auf – so viel wie bei keinem anderen Virus. Mitunter beobachten die Mediziner nach einer Infektion chronische Gelenkbeschwerden, die über Monate bis Jahre bestehen und schmerzhaft sein können, oder schwere, z. T. transplantationsbedürftige Leber- und Herzmuskelentzündungen. Eine gefürchtete Situation ist die Infektion in der Schwangerschaft, die in 10 bis 15 Prozent der Fälle zum Tod des ungeborenen Kindes führt. In einzelnen Fällen kann allerdings durch Transfusion roter Blutkörperchen auf das Ungeborene die Erkrankung therapiert werden. Aktuelle Untersuchungen zeigen zudem, dass etwa 7% der Knochenmarkstransplantierten an einer B19-Infektion sterben.

Weitere Informationen: PD Dr. Anna Maria Eis-Hübinger, Institut für Medizinische Mikrobiologie und Immunologie der Universität Bonn, Telefon: 0228/287-5881, Telefax: 0228/287-4433, E-Mail:  [email protected]

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Dr. Andreas Archut idw

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