Brust-Biopsie im Kernspintomographen

Direkt im Kernspintomographen können mit dem vom Forschungszentrum Karlsruhe und der Friedrich-Schiller-Universität Jena entwickelten Biopsie- und Therapiesystem Gewebeproben bei Brustkrebs-Verdacht entnommen werden.

Hochpräzises, computergesteuertes Biopsie- und Therapiesystem für Brustkrebs besteht ersten klinischen Einsatz

Die Diagnostik von Brustkrebs (Mammakarzinom) in der Frühphase hat sich durch die Einführung der Magnet-Resonanz-Mammographie erheblich verbessert. In enger Zusammenarbeit zwischen dem Forschungszentrum Karlsruhe und der Friedrich-Schiller-Universität Jena ist nun ein neuartiges Gerät entwickelt worden, welches direkt im starken Magnetfeld eines Kernspintomographen einen neu entdeckten Kleinsttumor computergestützt biopsieren und therapieren kann. Fernziel ist die Entdeckung und therapeutische Entfernung des Tumors in einem einzigen Untersuchungsgang. Erste klinische Versuche in der Universitätsklinik Jena verliefen erfolgreich.

Das Mammakarzinom stellt wegen seiner Häufigkeit und seiner hohen Sterblichkeitsrate ein großes medizinisches, psychologisches und gesundheitspolitisches Problem dar. In westlichen Ländern ist es die häufigste Krebsart bei Frauen und die häufigste Todesursache der Altersgruppe unter 50 Jahren, obwohl diese Tumoren relativ langsam wachsen und deshalb bei frühzeitiger Erkennung vor einer Metastasierung leicht entfernt werden könnten. Erst seit der Einführung der Magnet-Resonanz-Mammographie vor 17 Jahren hat sich die Früherkennung stark verbessert: Nun können die Tumoren schon ab etwa 3 mm Durchmesser mit der höchsten Genauigkeit aller bildgebenden Methoden nachgewiesen werden. Mit den Verbesserungen in der Diagnostik wurde nun auch die Therapie hin zu minimal-invasiven, ambulanten und patientenschonenden Verfahren weiterentwickelt.
Die technischen Anforderungen bei der Entwicklung von Geräten für den Einsatz in Kernspintomographen werden durch die dort herrschenden extrem hohen Magnetfelder (bis zu 3 Tesla, was dem 50.000-fachen des Erdmagnetfeldes entspricht) vorgegeben: Einerseits müssen die eingebrachten Geräte in diesen Feldern noch einsatzfähig sein, andererseits darf ihr Einsatz die exakten Bilder aus dem Tomographen nicht stören. Damit kommen für den Aufbau nur nicht magnetisierbare Materialien wie Kunststoffe, Keramiken oder Titan sowie spezielle Antriebe und Mess-Sensoren in Frage.
In einer Zusammenarbeit zwischen dem Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie der Friedrich-Schiller-Universität Jena und dem Institut für Medizintechnik und Biophysik des Forschungszentrums Karlsruhe wurde nun ein hochpräzises Biopsie- und Therapiesystem entwickelt, welches direkt im starken Magnetfeld eines Kernspintomographen einen neu entdeckten Kleinsttumor computergestützt biopsieren und therapieren kann. Das Fernziel dieser wissenschaftlichen Kooperation ist die Entdeckung und therapeutische Entfernung des Tumors in einem einzigen Untersuchungsgang, und zwar auf ambulantem Wege in nur 30 Minuten. Die Vorteile einer frühen Diagnostik und einer minimal-invasiven Therapie, z. B. durch Kryo- oder Lasertherapie, werden so kombiniert.
„Die Gewebeentnahme kann nach lokaler Betäubung der Einstichstelle mit einer Biopsienadel direkt im Tomographen erfolgen“, erläutert Dr. Harald Fischer, der das Projekt im Institut für Medizintechnik und Biophysik des Forschungszentrums Karlsruhe leitet. „Dabei kann die Lage der Biopsienadel jederzeit kontrolliert werden. Es ist also sichergestellt, dass die Gewebeprobe genau an der Verdachtsstelle entnommen wird.“
Nach verschiedenen Vorversuchen konnte das Verfahren im Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie der Friedrich-Schiller-Universität Jena erstmals an Patientinnen eingesetzt werden. Die durchgeführten Biopsien verliefen erfolgreich.
Das Gerät mit dem Namen ROBITOM (Robotic system for biopsy and interventional therapy of mammary lesions) soll nun so weiterentwickelt werden, dass in einem einzigen Behandlungsvorgang Diagnose, Biopsie und gegebenenfalls auch Therapie durchgeführt werden. Nach histologischer Bestätigung des Krebsverdachts durch die Biopsie kann sofort eine minimal-invasive Behandlung des Tumors erfolgen. Der gesamte Eingriff wird weniger als 30 Minuten dauern. Die Patientin kann sofort nach der ambulanten Diagnostik und Entfernung des Mammakarzinoms das Klinikum wieder verlassen. Die Behandlung wird damit nicht nur sicherer und kostengünstiger, sondern auch wesentlich schonender für die Patientinnen.
„Die Patientin der Zukunft kommt um 9 Uhr in die Klinik, erfährt 10 Minuten später, dass sie einen kleinen bösartigen Tumor hat, um 9.20 Uhr ist dieser Tumor biopsiert und um 9.30 Uhr durch minimal-invasive Methoden entfernt. Wenn sie nach Hause geht, hat sie erfahren, dass sie zwar einen Brustkrebs hatte, aber gleichzeitig die erfreuliche Nachricht bekommen, dass dieser Brustkrebs in einem frühen, heilbaren Stadium entfernt wurde“, so Professor Dr. Werner A. Kaiser, Leiter des Instituts für Diagnostische und Interventionelle Radiologie an der Universitätsklinik der Friedrich-Schiller-Universität Jena.

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Inge Arnold idw

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