Abwehr-Spezialisten aus dem Meer: Neue Verbündete im Kampf gegen Krebs und Infektionskrankheiten

Die Untersuchung von rund 600 bis dahin unerforschten Pilzisolaten aus den Tiefen des Meeres – das ist die beachtliche Ausbeute des dreijährigen Forschungsprojektes „Wirkstoffe aus marinen Pilzen“, an dem Wissenschaftler des Hans-Knöll-Institutes für Naturstoff-Forschung unter Leitung von Prof. Dr. Susanne Grabley und Dr. Isabel Sattler maßgeblich beteiligt waren.

Zusammen mit Kollegen aus anderen Forschungseinrichtungen und der Biotechnologie-Firma BRAIN AG hoffen die Jenaer Wissenschaftler, in den Meeresbewohnern neue Verbündete im Kampf gegen Infektionskrankheiten oder Krebs zu finden.

Wenn es um Abwehr und Bekämpfung geht, sind viele der marinen Mikroorganismen wahre Spezialisten: Sie haben im Rahmen ihrer Anpassung an zum Teil extreme Lebensräume eine Vielzahl von hochwirksamen Substanzen entwickelt, um sich Feinde und Nahrungskonkurrenten vom Leib zu halten. Ebenso wie andere Lebewesen aus der Tiefe, wie zum Beispiel Meeresschwämme, Schnecken oder Manteltiere, gelten die marinen Pilze deshalb als eine interessante Quelle für neue pharmakologisch wirksame Substanzen.

Das Ergebnis des Projektes, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung mit rund 1,3 Millionen Euro gefördert wurde, ist vielversprechend. Die Experten des HKI konnten bereits 120 Reinsubstanzen aus den verschiedenen Pilzen gewinnen und chemisch charakterisieren. Einige davon werden nun zum Patent angemeldet, da sie in entsprechenden Tests sehr interessante Wirkungen gegen Krebszellen oder Krankheitserreger gezeigt haben.

Naturstoff-Forscher sind bei ihre Suche nach neuen Wirkstoffen in den vergangenen Jahren immer öfter „abgetaucht“. Allein von 1969 bis 1999 wurden 300 Patente auf bioaktive Substanzen aus marinen Organismen angemeldet, weiterhin werden hunderte neue Wirkstoffe in jedem Jahr entdeckt. Bisher konzentrierten sich die Wissenschaftler dabei auf tropische Meere mit ihrem besonderen Artenreichtum. Doch die Forscher vom Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven bewiesen im Rahmen des nun zu Ende gegangenen Projektes mit ihrem Forschungsschiff „Polarstern“, dass auch in nördlichen Gewässern einiges zu holen ist.

Das Forschungsprojekt ist für Prof. Grabley, Leiterin der Abteilung Molekulare Naturstoff-Forschung am HKI, ein sehr gutes Beispiel dafür, wie die speziellen Fähigkeiten von akademischen Einrichtungen und Unternehmen sinnvoll gebündelt werden können. Diese Zusammenarbeit wird auch weiterhin zur Klärung noch offener Fragen beitragen: Ein Teil der im Rahmen des Projektes gefundenen Substanzen wird Pharmaunternehmen über den HKI-Naturstoff-Pool zur Verfügung stehen. In dieser von den Jenaer Wissenschaftlern geführten Sammlung sind bisher insgesamt mehr als 6000 Substanzen erfasst, die von mehr als 80 insbesondere akademischen Arbeitsgruppen weltweit gefunden wurden. Der Naturstoff-Pool wird von Industriepartnern, dem Hans-Knöll-Institut selbst und akademischen Partnern für die Suche nach neuen Wirkprinzipien genutzt.

Ansprechpartnerin:

Prof. Dr. Susanne Grabley
Abteilung Molekulare Naturstoff-Forschung
Tel.: 03641-656677
Fax: 03641-656679
E-Mail: sgrabley@pmail.hki-jena.de

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Susanne Liedtke idw

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