Bauchspeicheldrüsenkrebs

Forscher erstellen molekularen Fingerabdruck von Tumorsubtypen
Universität Göttingen

Ansprechen auf die Therapie verbessern durch molekularen Fingerabdruck von Tumorsubtypen.

Wissenschaftler der Universitätsmedizin Göttingen haben einen Ansatz gefunden, der die Wirkung der Therapie bei einer Untergruppe des Bauchspeicheldrüsenkrebses verbessern könnte. Nun wollen sie den „molekularen Fingerabdruck“ dieses Subtyps näher untersuchen und genau charakterisieren. So könnten die entsprechenden Patienten zukünftig eine maßgeschneiderte Therapie erhalten.

Bauchspeicheldrüsenkrebs, auch Pankreaskarzinom genannt, ist äußerst aggressiv und spricht häufig nicht auf konventionelle Therapien an. Die Deutsche Krebshilfe fördert das Projekt mit rund 400.000 Euro.

Im Fokus der Untersuchungen steht ein sogenannter epigenetischer Regulator. Diese Moleküle steuern, welche Abschnitte der Erbsubstanz – also welche Gene — abgelesen werden können. In den Genen ist festgeschrieben, wie jede einzelne Körperzelle aufgebaut ist und welche Aufgaben sie erfüllt. „Eine Fehlregulation beim Ablesen der Erbsubstanz kann dazu führen, dass Tumoren entstehen“, so Projektleiterin Professorin Dr. Elisabeth Heßmann, Klinik für Gastroenterologie, gastrointestinale Onkologie und Endokrinologie der Universitätsmedizin Göttingen.

In Laborversuchen haben Heßmann und ihr Team bereits herausgefunden, dass der epigenetische Regulator EZH2 beim Bauchspeicheldrüsenkrebs das Gen Gata6 hemmt. Das führt dazu, dass sich der Tumor zu einem aggressiven Subtyp entwickelt, der deutlich schlechter auf verfügbare Therapien anspricht. Dieser Vorgang ist aber umkehrbar: Hemmten die Forscher EZH2, blieb Gata6 aktiv und die Tumorzellen wechselten wieder zu einem weniger aggressiven Subtyp, der sensibler auf die Chemotherapie reagiert. „Wenn wir Patienten also mit einem EZH2-Hemmstoff behandeln, könnten wir das Therapieansprechen verbessern und das Tumorwachstum verlangsamen“, so die Hoffnung von Heßmann.

Bei manchen Patienten scheint Gata6 aber unabhängig von EZH2 zu agieren. Sie haben von einer EZH2-Hemmung keinen Vorteil. „Wir vermuten, dass vor allem jene Patienten profitieren, die hohe EZH2- und niedrige Gata6-Level aufweisen.“ Ziel der Forscher ist es nun, einen molekularen Fingerabdruck derjenigen Tumorzellen zu erstellen, die auf eine EZH2-Hemmung ansprechen. Dies wäre Voraussetzung für eine maßgeschneiderte Behandlung des Pankreaskarzinoms mit EZH2 Inhibitoren.

„Die personalisierte Medizin nimmt in der Krebstherapie eine immer größere Bedeutung ein. Ihr Ziel ist es, jeden Patienten individuell zu behandeln. Dafür müssen wir die vielen verschiedenen Tumoren bis ins kleinste Detail kennen und verstehen. Insbesondere beim Bauchspeicheldrüsenkrebs besteht noch erheblicher Forschungsbedarf“, so Gerd Nettekoven, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Krebshilfe. „Um die Krebstherapie zu verbessern, sind daher solche innovativen Forschungsansätze wie die der Göttinger Wissenschaftler ganz wichtig.“

Projektnummer: 70114087

Interviewpartner auf Anfrage!

Wissenschaftliche Ansprechpartner:

Univ. Prof. Dr. med. Elisabeth Heßmann
Universitätsmedizin Göttingen
Klinik für Gastroenterologie, gastrointestinale Onkologie und Endokrinologie
Robert-Koch-Straße 40
37075 Göttingen

http://www.krebshilfe.de

http://www.uni-goettingen.de

Media Contact

Christiana Tschoepe Pressestelle
Deutsche Krebshilfe

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit

Dieser Fachbereich fasst die Vielzahl der medizinischen Fachrichtungen aus dem Bereich der Humanmedizin zusammen.

Unter anderem finden Sie hier Berichte aus den Teilbereichen: Anästhesiologie, Anatomie, Chirurgie, Humangenetik, Hygiene und Umweltmedizin, Innere Medizin, Neurologie, Pharmakologie, Physiologie, Urologie oder Zahnmedizin.

Zurück zur Startseite

Kommentare (0)

Schreiben Sie einen Kommentar

Neueste Beiträge

Entdeckung wirft neues Licht auf Legierungen

Neuzugang im Molekülzoo: Eine Forschungsgruppe aus der Marburger Chemie hat herausgefunden, wie Cluster-Verbindungen aus drei Typen von Metallatomen zustande kommen. Dabei entdeckte das Team, dass ein exotisches Nebenprodukt entsteht, das…

Bunt, klein, überall

Flensburger Phänomenta und IOW laden zur Finissage der Mikroplastik-Wanderausstellung ein. Wie kommt Mikroplastik in die Ostsee und wie erforscht man das? Damit beschäftigt sich die Ausstellung „Bunt, klein, überall. Mikroplastik…

Mit optischer Pinzette den Lebenszyklus der Zelle erfühlen

Forschungsteam beobachtet veränderte Strukturen im Inneren. Menschen sind eine Ansammlung von Billionen lebender Zellen, die alle aus einer einzigen befruchteten Eizelle hervorgegangen sind. Die Zellteilung ist eine der grundlegendsten Prozesse…

Partner & Förderer