Bahn frei für die erste europäische Forschungsstrategie zu neurodegenerativen Krankheiten

Derzeit werden lediglich 15% der öffentlichen Forschungsmittel in der EU auf europäischer Ebene verwaltet, die restlichen 85% werden durch zahlreiche nationale Programme verteilt. Obwohl viele dieser nationalen Systeme zahlreiche Gemeinsamkeiten aufweisen, werden sie untereinander kaum koordiniert.

Das Ziel der gemeinsamen Programmplanung ist die Vernetzung nationaler Systeme, die sich mit Problemen von europäischer oder globaler Bedeutung befassen. Die Programme werden damit Ressourcen bündeln und so Doppelarbeit verringern und Forschung effizienter machen. Die Teilnahme der Länder an den Programmen geschieht auf absolut freiwilliger Basis; die Rolle der Europäischen Kommission besteht darin, Maßnahmen zu erleichtern und zu koordinieren.

Alzheimer und andere neurodegenerative Erkrankungen bilden den Schwerpunkt der ersten gemeinsamen Programminitiative, für die sich schon 24 europäische Länder zusammengefunden haben. Die Behandlung von neurodegenerativen Erkrankungen kostet die europäischen Gesundheitssysteme bereits rund 72 Mrd. Euro jährlich. Die wenigen existierenden Behandlungsmöglichkeiten für diese Krankheiten zielen eher auf die Symptome ab, aber nicht auf die zugrunde liegende Ursachen. Viele dieser Leiden stehen mit dem Alter im Zusammenhang, und der Anteil der europäischen Bevölkerung über 65 Jahre wird bis 2030 voraussichtlich auf 25% anwachsen (heute liegt er bei 16%). Die Krankheitsfälle sowie die soziale und finanzielle Belastung, die durch ihre Behandlung entsteht, dürften somit in den kommenden Jahren ansteigen.

Die JPND-Initiative hat sich vorgenommen, in kurzer Zeit unser Verständnis der Ursachen neurodegenerativer Erkrankungen zu erweitern. Ärzte sollen mit Werkzeugen für eine frühzeitige Diagnose und Behandlung dieser Krankheiten ausgestattet werden und auch die medizinischen und sozialen Pflegesysteme sollen sowohl für die Patienten als auch für ihre Betreuer verbessert werden. Der JPND-Verwaltungsrat hat bereits seine Arbeit aufgenommen und das wissenschaftliche Beratungsgremium, das aus 15 Experten auf den Gebieten der Grundlagenforschung, der klinischen und Sozial-/Gesundheitssystemforschung besteht, wird zum ersten Mal in Stockholm tagen.

Das wissenschaftliche Beratungsgremium wird in der schwedischen Hauptstadt mit den Arbeiten zur Vorbereitung der kurz-, mittel- und langfristigen Forschungsagenden beginnen und einen Vorsitzenden oder eine Vorsitzende sowie dessen/deren Stellvertreter wählen. Der Vorsitzende des Verwaltungsrates, Professor Philippe Amouyel von der Universitätsklinik Lille, Frankreich, hofft, dass seine Kollegen im wissenschaftlichen Beirat bis Ende 2010 eine kleine Zahl von wichtigen Themen vorlegen werden. Die vollständige Forschungsagenda sollte dann 2011 fertig sein.

Professor Amouyel stellt sich die Agenda wie eine Speisekarte vor: die an der JPND-Initiative teilnehmenden Länder werden sich Themen aussuchen, die für sie von Interesse sind, und entscheiden, wie ihre Aktivitäten in diesem Bereich am besten koordiniert werden. „Sobald eine Priorität bestimmt und ausgewählt wurde, besteht die erste Aufgaben in einer Bestandsaufnahme“, sagte Professor Amouyel CORDIS-Nachrichten gegenüber.

In einigen Fällen können bestehende Initiativen eingebunden werden, während andere Themen vielleicht die Gründung neuer Initiativen erfordern. Aufforderungen zur Einreichung von Vorschlägen können gemeinsam veröffentlicht werden und Professor Amouyel glaubt, dass einige Länder bereit sein könnten, Forscher aus anderen Ländern zu finanzieren. „Alles ist offen und möglich“, sagte er.

„Der Erfolg beruht auf der gemeinsamen Auffassung, dass die Bündelung von Wissen, Infrastrukturen, Förderangeboten sowie die Schaffung einer kritischen Masse mit einheitlichen, interdisziplinären Konzepten die besten wissenschaftlichen Ziele und Antworten hervorbringen werden“, fügte er hinzu. „Dadurch werden wir die Forschungsinvestitionen im Bereich der neurodegenerativen Erkrankungen in Europa optimieren.“

„Dank dieses gemeinsamen Programms werden die besten europäischen Medizinforscher zusammenarbeiten und ihre Ressourcen zusammenführen, um Millionen von Menschen zu helfen, die unter Alzheimer und anderen neurodegenerativen Erkrankungen leiden“, kommentierte EU-Kommissarin für Forschung, Innovation und Wissenschaft Máire Geoghegan-Quinn.

„Durch effizientere Forschung und die Vermeidung von Doppelarbeit wird das gemeinsame Programm die Aussichten auf echte Fortschritte bei der Verhütung und Behandlung dieser Krankheiten erhöhen. Die daraus gewonnenen Erfahrungen werden dann in die Forschungsarbeiten in anderen Bereichen einfließen.“

Die JPND-Initiative wird als eine Art Pilotprojekt für die gemeinsame Programmplanung angesehen. Weitere Initiativen sind bereits geplant und Professor Amouyel erklärte, dass er und sein Team schon mit Leuten in Verbindung stehen, die an anderen gemeinsamen Programminitiativen arbeiten. „Wir geben jetzt schon Informationen zu Arbeitsmethoden, zur Organisation und zur Themenbestimmung weiter“, bemerkte er.

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