Wissenschafter klonen SIM-Karten in Minuten

Elektromagnetische Abstrahlung hebelt Verschlüsselung aus

Wissenschafter des Computerkonzerns IBM haben eine Methode zum Klonen von SIM-Karten von Handys vorgestellt. Dabei benutzten die Angreifer die Hintertür und verwendeten für ihre „Partitioning Attack“ die elektromagnetische Abstrahlung der Karte, um deren Verschlüsselung innerhalb von Minuten zu überwinden. IBM hat gleichzeitig auch eine Methode vorgestellt, die SIM-Karten vor dieser Angriffsmethode schützen soll.

Die Partioning Attack fällt unter die „Side Channel“-Angriffe, die sich Funkabstrahlung von Monitoren oder Tastaturen benutzen, um die Verschlüsselung zu überwinden. Die IBM-Forscher überwachten für ihre Methode den Stromverbrauch und elektromagnetische Abstrahlung des Chips. In der Regel benötigten sie sieben Durchgänge, um den gesamten 128-bit Schlüssel der SIM-Karte herauszufinden. Die SIM-Karten benutzen den COMP128-Algorithmus, der lange Tabellen benötigt. Bei der Verwendung dieser Tabellen werden allerdings sensitive Informationen über die Side-Channels abgestrahlt. Bisher benötigte die schnellste Methode für die Überwindung der COMP128 Verschlüsselung auf einer SIM-Karte 150.000 Durchgänge. Dieser Vorgang dauert in der Regel acht Stunden.

„Zurzeit werden GSM-Handys mit Tool-Kits für zusätzliche Funktionen wie Mobile-Banking oder Aktienhandel aufgerüstet. Dabei werden persönliche Informationen auf der SIM-Karte des Handys gespeichert. Wenn diese Tool-Kits nicht sorgfältig gegen Angriffe geschützt werden, können Hacker alle Daten auf der Karte kopieren und die Position des Handy-Besitzers einnehmen“, erklärte Charles Palmer, Department Group Manager bei IBM Research.

Zum Schutz rät IBM Handy-Benutzern ihre Handys nicht aus der Hand zu geben. Herstellern von SIM-Karten schlagen die Wissenschaftler von IBM vor, die lange Tabelle durch eine kleinere, zufällig erzeugte zu ersetzen. Da die Methode wenig Speicher benötigt, kann sie auch bei SIM-Karten umgesetzt werden.

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Dominik Schebach pte.monitor

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