Von der Wissenschaft zur Anwendung: Stifterverband zeichnet moderne Katalysatorforschung aus

Wirtschaft und Umwelt profitieren von den Arbeiten der Preisträger Prof. Dr. Ferdi Schüth und hte Aktiengesellschaft

Für seine innovativen Arbeiten zur Entwicklung von industrierelevanten Hochdurchsatzverfahren in der Katalyseforschung wurde Prof. Dr. Ferdi Schüth, Direktor am Max-Planck-Institut für Kohlenforschung, Mülheim/Ruhr, zusammen mit dem Vorstand der Firma hte mit dem Wissenschaftspreis des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft ausgezeichnet. Der Präsident des Stifterverbandes, Dr. Arend Oetker, überreichte den Preis am 22. Januar 2002 anlässlich eines Max-Planck-Forums in München.

Der Stifterverband vergibt den mit 50 000 € dotierten Preis seit 1998 für die erfolgreiche Verbindung von Grundlagenforschung und industrieller Anwendung. Die Verwendung des Preisgeldes ist an Forschungsaufgaben gebunden. In der Entscheidung der Kommission wurde besonders hervorgehoben, dass die grundlegenden Forschungsarbeiten von Professor Schüth von der Firma hte (the high throughput experimentation company) in Heidelberg nicht nur bereits wirtschaftlich erfolgreich umgesetzt werden konnten, sondern auch einen wichtigen Beitrag zum Umweltschutz leisten.

Katalysator-Substanzen in winzigen Mengen steuern mehr als 90 Prozent aller modernen Prozesse in der chemischen Industrie. Verbesserungen an bekannten Katalysatoren oder die Entdeckung neuer, effizienterer Katalysatoren führen in der Regel zu erheblichen Rohstoff- und Energieeinsparungen. Die Anwendungen erstrecken sich von chemischen Produktionsprozessen über die Nutzung neuer Energieträger bis hin zur Abgasreinigung in Fahrzeugen und Kraftwerken.

Von den Preisträgern wurde eine umfassende Methodologie und Technologieplattform erarbeitet und zu Patenten angemeldet. Durch hochparallelisiertes und automatisiertes Arbeiten wird die Arbeit so effizient gestaltet, dass der Durchsatz an getesteten Materialien um den Faktor 100 und mehr gesteigert werden kann. Durch die ausgezeichnete technische Anschlussfähigkeit kann die Methodologie ohne größere Adaption in die bisherige Katalyseforschung eingebunden werden. Die Tauglichkeit des technologischen Ansatzes ist unter anderem durch langfristige Forschungskooperationsverträge mit weltweit in der technischen Katalyse führenden Unternehmen indiziert; erste neuartige Katalysatormaterialien wurde bereits entdeckt.

Die Firma hte Aktiengesellschaft wurde 1999 nach nur drei Jahren akademischer Forschung von den Preisträgern gegründet, um die entwickelten Verfahren kommerziell zu nutzen. Mittlerweile beschäftigt hte 50 Mitarbeiter, die 2000 einen Jahresumsatz von rund 5 Mio. Euro erwirtschafteten. Zudem sind eine Reihe von Zulieferern eingebunden und dadurch weitere Arbeitsplätze geschaffen oder gesichert.

Die entwickelte Technologie steht für den vorbildlichen Transfer akademischer Forschungsergebnisse in die industrielle Praxis und entspricht somit dem Geist des Innovationspreises des Stifterverbandes in hervorragender Weise.

Der Wissenschaftspreis des Stifterbandes wurde erstmals 1998 verliehen. Preisträger waren Prof. Dr. Gregor Morfill, Direktor am Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik, für neue Anwendungen der Messwert-Analyse (1998), Prof. Dr. Peter Gruss und Prof. Dr. Herbert Jäckle, beide Direktoren am Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie in Göttingen, für ihre Forschung auf dem Gebiet der Biotechnologie (1999), sowie Prof. Dr. Joseph Straus, Direktor am Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Patent-, Urheber- und Wettbewerbsrecht für seine Forschung auf dem Gebiet des Patentschutzes gentechnischer Erfindungen (2000).

Anlässlich der Preisverleihung fand am 22. Januar 2002 um 19 Uhr im Max-Planck-Haus am Hofgarten, München, ein Max-Planck-Forum mit dem Titel: „Zwischen Labor und Börse – Wie viel Wirtschaft verträgt die Wissenschaft?“ statt..

Die Diskussion wurde von BR-Alpha, dem Bildungskanal des Bayerischen Rundfunks, aufgezeichnet und am 23. März 2002 um 22.30 Uhr in der Reihe „Denkzeit“ gesendet.

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Dr. Bernd Wirsing Presseinformation

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