Kinder stärken Ehen

Ausgedehnte Partnersuche und Ehe auf Probe wirken wie Filter für unpassende Partnerschaften. Aber sie können nicht kompensieren, wie der Verzicht auf Kinder, fehlende religiöse Bindungen, weibliche Erwerbstätigkeit und nicht zuletzt voreheliche Mißerfolge die Ehe verändert. Kinder, die leiblich sind und nach der Eheschließung auf die Welt kommen, üben dagegen den stärksten Effekt auf die Stabilität der Ehe aus. Zu diesen Ergebnissen gelangt Dr. Jörg Otto Hellwig in einer Untersuchung, die er am Institut für Angewandte Sozialforschung der Universität zu Köln erstellt hat. Die Studie basiert auf der wiederholten Befragung von ca. 2.000 ehemaligen Gymnasiasten des Jahrgangs 1955 in den Jahren 1969, 1985 und 1997.

Immer häufiger wird die Ehe im gemeinsamen Haushalt ohne Trauschein geprobt. Passt die Verbindung, so wird die Ehe nachgeholt; scheitert die Partnerschaft endet sie in einer Trennung vor einer Eheschließung.

Von aufgelösten vorehelichen Partnerschaften können – so Dr. Hellwig – zwei widersprüchliche Wirkungen auf die Ehestabilität ausgehen. Einerseits werden voreheliche Partnerschaften zumindest teilweise für die Suche nach einem geeigneten Ehepartner genutzt. Die Erfahrung im Umgang mit solchen Partnerschaften wächst mit der Zahl vorehelicher Gemeinschaften und die Vorstellung von einem geeigneten Partner wird geschärft. Eigentlich sollte erwartet werden, daß durch solche vorehelichen Erfahrungen der Sucherfolg erhöht und dieser Vorteil vorehelicher Erfahrungen die Ehestabilität erhöhen sollte. Andererseits zeigt sich aber, daß die Barrieren einer Scheidung durch voreheliche Trennungserfahrungen gesenkt werden; denn die Auflösung einer Lebensgemeinschaft stellt einen Mißerfolg dar, da die Suche nach einem geeigneten Partner ergebnislos blieb. Demgegenüber bedeutet die Trennung von Partnerschaft ohne gemeinsamen Haushalt zwar eine Enttäuschung, sie werden aber nicht als Mißerfolg empfunden. Sie haben daher auch keinen starken negativen Effekt auf die Stabilität einer Ehe.

Religiöse Bindungen, Elternschaft und das Heiratsalter reduzieren das Scheidungsrisiko. Kinder steigern den Gewinn einer Ehe und erhöhen die Stabilität, weil der Gewinn nach einer Scheidung erheblich reduziert wird. Die Geburt von Kindern vor der Eheschließung erhöht allerdings das Scheidungsrisiko, weil die Partnersuche durch die Geburt unterbrochen wird. Voreheliche Kinder aus einer früheren Partnerschaft stellen häufig sogar eine Belastung für die aktuelle Partnerschaft dar.

Auch die Erwerbstätigkeit wirkt sich auf die Ehestabiltät aus. So erhöht die finanzielle Unabhängigkeit eines eigenen Erwerbs bei Frauen das Scheidungsrisiko. Sie ist das Indiz für einen Haushalt ohne Arbeitsteilung. Der Verzicht auf den Gewinn durch die Arbeitsteilung in der Ehe steigert das Scheidungsrisiko. Weiterhin ist zu beobachten, daß ein Hochschulabschluß die Neigung zur Scheidung bei den Männern reduziert, bei den Frauen dagegen anhebt. Die Studie zeigt weiterhin, daß Frauen, die den erreichten Lebenserfolg allein sich selbst zuschreiben, ein höheres Scheidungsrisiko aufweisen als Frauen, die den eigenen Erfolg auch anderen Menschen verdanken. Diese ’Ich-Zentrierung’ wirkt sich bei Frauen negativ und bei Männern dagegen nicht nachteilig auf die Ehestabilität aus. Dem Eheglück des Mannes steht eine egoistische Berufsorientierung weit weniger im Weg als den Frauen. Männer, die die Ellbogen im Beruf einsetzen, profitieren von diesen auch in der Partnerschaft; die weiblichen Ellbogen treffen demgegenüber im Beruf die Konkurrenz, aber im Privatleben die Frauen selbst. Diese Frauen haben es – so der Kölner Sozialforscher – dafür allerdings leichter, auf eigenen Füßen zu stehen und können eine Scheidung besser realisieren.

Die Zunahme der Scheidungsquote ist letztlich darauf zurückzuführen, daß Faktoren, wie die Kinderzahl oder religiöse Bindungen, die die Ehestabilität erhöhen, zunehmend schwinden und Faktoren, die die Ehestabilität reduzieren, wie die Kindergeburt vor der Ehe und die weibliche Erwerbsquote, dagegen an Bedeutung gewinnen. Was der Verzicht auf Kinder, fehlende religiöse Bindungen, weibliche Erwerbstätigkeit und nicht zuletzt voreheliche Mißerfolge – so Dr. Hellwig – in der Ehe ausgelöst haben, können von der ausgedehnten Partnersuche und der Ehe auf Probe nicht kompensiert werden.

Verantwortlich: Dr. Wolfgang Mathias

Für Rückfragen steht Ihnen Dr. Jörg Otto Hellwig unter der Telefonnummer 0221/470-6608, der Fax-Nummer 0221/470-5169 und der Email-Adresse hellwig@wiso.uni-koeln.de zur Verfügung.
Unsere Presseinformationen finden Sie auch im World Wide Web (http://www.uni-koeln.de/organe/presse/pi/index.html).

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Gabriele Rutzen

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