Deutschlands leistungsstärkster Supercomputer für das Forschungszentrum Jülich

Ihre Unterschrift unter das Vertragswerk setzten (2.v.l.n.r.): Francis Kuhlen (IBM), Prof. Dr. Joachim Treusch, Prof. Dr. Richard Wagner (beide Forschungszentrum Jülich) und Dr. Ulla Thiel (IBM); links: Michael Woydich (IBM). Über den Vertragsabschluss freuen sich (dahinter stehend v.l.n.r.) Gerd Michelsen, Dietmar Erwin, Betty Vincken, Prof. Dr. Friedel Hoßfeld und Dr. Burkhard Mertens (Forschungszentrum Jülich). <br> <br>Foto: Forschungszentrum Jülich <br>

Jülich/Armonk. – Das Forschungszentrum Jülich und IBM haben einen Vertrag über die Lieferung und Installation eines IBM-Supercomputers im Zentralinstitut für Angewandte Mathematik (ZAM) unterzeichnet. Der neue Supercomputer basiert auf IBM POWER4-Mikroprozessor-Technologie und wird eine Spitzenleistung von 5,8 TFLOPS (5,8 Tausend Milliarden Berechnungen pro Sekunde) erreichen.

Im praktischen Einsatz wird der Computer den Wissenschaftlern des Forschungszentrums Jülich und des John von Neumann-Instituts für Computing (NIC), einem der nationalen Supercomputer-Zentren, mehr als das Dreizehnfache der gegenwärtig verfügbaren Leistung zur Verfügung stellen. Der neue Supercomputer wird im Sommer 2003 in einem neuen Gebäude installiert und die gegenwärtigen Systeme ersetzen.

„Mit dem neuen System wird das ZAM erneut den schnellsten Supercomputer in Deutschland betreiben und weltweit seine führende Position in ausgewählten Bereichen des High Performance Computing (HPC) ausbauen. Dies ermöglicht dem ZAM, seiner Rolle als Pionier im High Performance Computing in Deutschland gerecht zu werden und als Kompetenzzentrum für wissenschaftliches Höchstleistungsrechnen für Wissenschaft und Forschung, Lehre und Ausbildung, Industrie und Wirtschaft weiter an Attraktivität zu gewinnen“, sagt Professor Friedel Hoßfeld, langjähriger Direktor des ZAM am Forschungszentrum Jülich GmbH.

Der neue Supercomputer wird vom Forschungszentrum Jülich und vom NIC zur Lösung wissenschaftlicher Problemstellungen in Physik, Chemie, Lebenswissenschaften und Umweltforschung eingesetzt.

Die Festkörperforschung ist ein herausragendes Beispiel für die breite Palette wissenschaftlicher Gebiete, in denen am Forschungszentrum Jülich gearbeitet wird. Dieses Gebiet schließt die Analyse von Nano-Magneten ein, das sind komplexe magnetische Strukturen in Molekül- und Atomgröße. Da magneto-elektronische Systeme fortlaufend weiter miniaturisiert werden, wird dieses Forschungsgebiet zunehmend bedeutender. Unter Zuhilfenahme massiv-paralleler Berechnungsmethoden, die am Forschungszentrum Jülich entwickelt wurden, sind neue magnetische Zustände entdeckt worden, die mit konventionellen Modellen nicht erklärt werden können.

„Der neue Supercomputer wird es ermöglichen, Modelle einer Größenordnung zu berechnen, wie sie bisher nicht in einem zeitlich vertretbaren Rahmen berechnet werden konnten. Deswegen leistet der Supercomputer einen unverzichtbaren Beitrag zur Lösung komplexer wissenschaftlicher Probleme“ sagt Dr. Ulla Thiel, Direktorin Scientific & Technical Computing, IBM Europa.

Das ZAM und das IBM Deutschland Entwicklungslabor Böblingen arbeiten darüber hinaus zusammen, um eine optimale Einbindung des neuen HPC-Systems in das UNICORE-Grid zu erreichen. Diese Grid-Technologie verbindet bereits die nationalen Supercomputer-Zentren in Deutschland. Die Schaffung europaweiter Verbindungen ist in Vorbereitung und wird den neuen IBM Supercomputer mit einschließen.

Über das Forschungszentrum Jülich
Das Forschungszentrum Jülich ist eines der 15 Helmholtz-Zentren in Deutschland. 4200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter widmen sich in einer der größten Forschungseinrichtungen in Europa der Erforschung aktueller gesellschaftsrelevanter Themen. In Jülich arbeiten Wissenschaftler der Disziplinen Physik, Chemie, Biologie, Medizin und Ingenieurwissenschaften in den Bereichen Materie, Energie, Information, Leben und Umwelt eng zusammen. Langfristige, grundlagenorientierte Beiträge zu Naturwissenschaft und Technik werden ebenso erarbeitet wie konkrete technologische Anwendungen für die Industrie.

Über das John von Neumann-Institut für Computing
Das John von Neumann-Institut für Computing (NIC) ist eines der nationalen Höchstleistungrechenzentren; es stellt Supercomputer-Leistung für Projekte aus Wissenschaft, Forschung und Industrie zur Verfügung. Die Höchstleistungsrechner für das NIC werden zusammen mit der notwendigen Infrastruktur (Datenspeicher, Netzwerke, Software) vom Zentralinstitut für Angewandte Mathematik (ZAM) in Jülich betrieben. Supercomputer-orientierte Forschung und Entwicklung auf ausgewählten Gebieten der Physik und anderer Naturwissenschaften wird durch NIC-Forschungsgruppen durchgeführt. Derzeit sind Gruppen für Elementarteilchenphysik und Komplexe Systeme eingerichtet. Das NIC ist aktiv in der Aus- und Weiterbildung im Höchstleistungsrechnen durch Symposien, Workshops, Sommerschulen, Seminare und Kurse.

Um die hohe Leistungsfähigkeit moderner Supercomputer-Hardware beim Lösen wissenschaftlich-technischer Fragestellungen voll ausnutzen zu können, ist es unverzichtbar, geeignete Algorithmen und Methoden zu entwickeln und einzusetzen, effiziente numerischer und nichtnumerischer Verfahren zu nutzen, diese in parallele Programme umzusetzen und die Ergebnisse so darzustellen, dass sie der menschlichen Wahrnehmungsfähigkeit angepasst sind. Für diese hoch interdisziplinären Aufgabe bietet das NIC seit vielen Jahren eine leistungsfähige Struktur, die die vielen Wissenschaftler in den deutschlandweiten Projekten, die NIC-Forschungsgruppen, die Mathematiker und Informatiker im ZAM zu einem Kompetenznetzwerk verbindet.

Über IBM
IBM ist einer der weltweit größten Anbieter im Bereich Informationstechnologie (Hardware, Software und Services) und weltweit einer der führenden Anbieter in HPC-Lösungen. Das Unternehmen beschäftigt weltweit rund 310.000 Mitarbeiter und ist in über 160 Ländern aktiv. IBM und Partner bieten ihren Kunden die komplette Produktpalette an fortschrittlicher Informationstechnologie an: Von der Hardware, Software über Dienstleistungen und komplexen Anwendungslösungen bis hin zu Outsourcing-Projekten und Weiterbildungsangeboten. 

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Peter Schäfer idw

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