Software spürt Meinungen und Stimmungen auf

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des EU-Projekts FIRST haben einen Prototypen für eine Software entwickelt, die Stimmungen von Finanzmarktakteuren aus Kommunikation in sozialen Medien und Netzwerken wie zum Beispiel Twitter oder Facebook nahezu in Echtzeit extrahieren und analysieren kann. An dem Projekt sind unter anderem die Forscher der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Göttingen Prof. Dr. Jan Muntermann und Irina Alic beteiligt.

Die an Finanzmärkten beobachtbaren Kursschwankungen hängen entscheidend vom Verhalten der Marktakteure ab. Die Meinungen, Stimmungen und Gefühle dieser Akteure werden deshalb zunehmend als wertvolle Informationsquelle angesehen, um finanzmarktrelevante Geschehnisse zeitnah bewerten zu können. Die Herausforderung besteht darin, aus der enormen Flut an heterogenen und unbeständigen Datenquellen in sozialen Netzwerken, korrekte und verlässliche Informationen herauszufiltern.

Ziel des Forschungsprojektes ist deshalb die Entwicklung von Softwarelösungen zur systematischen Analyse unstrukturierter Daten sowie zur Extraktion relevanter Informationen, um finanzwirtschaftliche Entscheidungen zu unterstützen.

Ein besonderes Augenmerk legen unter anderem auch die Göttinger Forscher aktuell auf mögliche Problemfelder wie Reputationsrisiken oder Marktmanipulationen. „Wir entwickeln beispielsweise Vorhersagemodelle, die Falschmeldungen identifizieren. Der Anwender bekommt hierdurch eine Einschätzung, ob bestimmte Meldungen unter Manipulationsverdacht stehen“, sagt Prof. Muntermann.

Wie gerade die weltweite Finanzkrise zeigte, kann der mit Reputationsrisiken verbundene Vertrauensverlust eine Bedrohung für die Stabilität der globalen Finanzmärkte darstellen. Mögliche Manipulationen zielen hingegen beispielsweise auf die Verbreitung besonders positiver, aber falscher, Informationen, um die Nachfrage nach einem bestimmten Finanzinstrument künstlich zu steigern und so dessen Preis zu manipulieren. Die Projektergebnisse lassen sich so auch im Rahmen der Handelsüberwachung und der Finanzmarktregulierung nutzen.

Das EU-Forschungsprojekt FIRST ist im Oktober 2010 gestartet und auf eine Dauer von drei Jahren angelegt. Neben der Universität Göttingen sind insgesamt acht Partner aus Wissenschaft und Wirtschaft aus Deutschland, Italien, Slowenien und Spanien daran beteiligt. Dem Projekt steht ein Gesamtbudget in Höhe von knapp 4,6 Millionen Euro zur Verfügung. Weitere Informationen zum Projekt und Videos sind im Internet unter http://project-first.eu/ und http://videolectures.net/first/ zu finden.

Kontaktadresse:
Prof. Dr. Jan Muntermann
Georg-August-Universität Göttingen – Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät
Professur für Electronic Finance und Digitale Märkte
Platz der Göttinger Sieben 5, 37073 Göttingen, Telefon (0551) 39-20042
E-Mail: muntermann@wiwi.uni-goettingen.de

Media Contact

Thomas Richter idw

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie

Neuerungen und Entwicklungen auf den Gebieten der Informations- und Datenverarbeitung sowie der dafür benötigten Hardware finden Sie hier zusammengefasst.

Unter anderem erhalten Sie Informationen aus den Teilbereichen: IT-Dienstleistungen, IT-Architektur, IT-Management und Telekommunikation.

Zurück zur Startseite

Kommentare (0)

Schreib Kommentar

Neueste Beiträge

Miteinander im Wasser leben

Internationales Genom-Projekt zu aquatischen Arten in Symbiose startet Nicht nur an Land auch unter Wasser gibt es Organismen, die in Symbiose, einer sehr speziellen Partnerschaft leben, wo der eine auf…

Der Ring um das Schwarze Loch in M 87* funkelt

2019 veröffentlichte die Event Horizon Telescope Kollaboration das erste Bild eines Schwarzen Lochs und enthüllte damit M 87* – das supermassereiche Objekt im Zentrum der Galaxie Messier 87. Das EHT-Team…

Überflutungs-Risiken: Genauere Daten dank Covid-19

Momentan entwickelte GPS-Verfahren erlauben es, Höhenänderungen der Erdoberfläche regelmäßig zu messen. Eine Studie der Universität Bonn belegt nun, dass sich während der Pandemie die Qualität der Messdaten zumindest an manchen…

By continuing to use the site, you agree to the use of cookies. more information

The cookie settings on this website are set to "allow cookies" to give you the best browsing experience possible. If you continue to use this website without changing your cookie settings or you click "Accept" below then you are consenting to this.

Close