Maschinendaten nutzen – mit Augen und Ohren

Professor Dr. Volker Lohweg (r., Institutsleiter inIT), Christoph-Alexander Holst (l., inIT) und Kristian Röckemann (Projektleiter OWITA GmbH) präsentieren das in Lemgo entwickelte Messsystem CENTRUM INDUSTRIAL IT (CIIT)

„Viele Köche mögen vielleicht den Brei verderben, das gilt jedoch nicht für die automatische Zustandsüberwachung komplexer Maschinen und Anlagen“, erklärt Professor Dr. Volker Lohweg, Institutsleiter am inIT und Experte auf dem Gebiet der Sensor- und Informationsfusion.

„Das Einbeziehen vieler verschiedener Datenquellen, darunter neben Sensoren und Aktoren auch Prozessdaten, die aus den Datenbanken der ERP- und MES-Systeme der Anlagenbetreiber stammen, ist unerlässlich, um den Ist-Zustand moderner technischer Systeme zu erfassen“.

Dabei machen sich die Forscherinnen und Forscher des inIT gezielt eigentlich überflüssige Daten zu Nutze – die sogenannten Redundanzen, die aufgrund des Einsatzes vieler verschiedener Datenquellen anfallen.

Redundanzen werden dahingehend gewinnbringend verwendet, um Konflikte in den Aussagen der einzelnen Datenquellen, beispielsweise in verschiedenen Maschinen entlang einer Produktionsanlage, zu bestimmen und zu reduzieren.

Konflikte sind ein Zeichen dafür, dass die Aussagen einer oder mehrerer Datenquellen nicht mit den Aussagen der restlichen übereinstimmen. Die Ursachen hierfür sind vielfältig und können zum Beispiel auf eine falsche Parametrierung oder den Defekt verschiedener Sensoren hinweisen.

Ein aktuelles Forschungsvorhaben am inIT aus dem Bereich der Sensor- und Informationsfusion ist das Projekt „ReWork“. Angesiedelt im Bereich der Fertigung von Bauteilen für die Luftfahrt, werden im Projekt Lösungsansätze entwickelt, die Produktionsabläufe optimieren und dabei besonders den Ausschuss bei Reparaturen bei Flugzeugflügeln und anderen Bauteilen reduzieren sollen.

„Die Herstellung von Flugzeugbauteilen ist hoch komplex und erfordert höchste Genauigkeit und Präzision, um Materialschäden oder -brüche während des Fliegens und somit Katastrophen zu vermeiden“, erklärt Lohweg. Die Qualitätskontrolle von industriell nachbearbeiteten Bauteilen ist dabei unerlässlich, jedoch mit derzeit verfügbaren Techniken, wie der Ultraschallprüftechnik oder der Röntgeninspektion, nicht effektiv umzusetzen.

Am inIT wurde daher mit dem Partner OWITA GmbH ein neuartiges Verfahren zur automatisierten Qualitätskontrolle entwickelt. Mittels eines bildgebenden Verfahrens erzeugen Sensoren auf den zu prüfenden Flugzeugteilen eine Art Netz wellenförmiger Signale („Lamb Waves“) und vermessen Reparaturstellen auf den Bauteilen.

Die Auswertung der Messsignale erfolgt automatisch durch computergesteuerte Algorithmen, die die übermittelten Sensorinformationen nutzen, um die Qualität der Nachbearbeitung zu beurteilen und zu überwachen sowie letztlich an den Anwender weiterzugeben.

„Die Sensor- und Informationsfusion sorgt für eine Steigerung der Prozesssicherheit und optimiert die einzelnen Schritte entlang der Prozesskette ganzheitlich“, fasst Lohweg die Vorteile des Projektes zusammen.

Über das inIT:

Das Institut für industrielle Informationstechnik (inIT) der Technischen Hochschule OWL in Lemgo ist eine der führenden Forschungseinrichtungen auf dem Gebiet der industriellen Informationstechnik und beschäftigt derzeit mehr als 70 Mitarbeiter.
Im inIT werden Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) mit den hohen Anforderungen der Automatisierungstechnik in Einklang gebracht. Industrielle Kommunikation, industrielle Bildverarbeitung und Mustererkennung, verteilte Echtzeit-Software, Computerintelligenz und Mensch-Technik-Interaktion bilden die fünf Kompetenzbereiche des Institutes. Geforscht wird unter dem Dach des Forschungs- und Entwicklungszentrum CENTRUM INDUSTRIAL IT (CIIT) auf dem Innovation Campus Lemgo. Das inIT ist eine der führenden Forschungseinrichtungen im BMBF-Spitzencluster „Intelligente Technische Systeme OstWestfalenLippe – it's OWL“.

  www.init-owl.de

Media Contact

Luise Webel CENTRUM INDUSTRIAL IT (CIIT)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie

Neuerungen und Entwicklungen auf den Gebieten der Informations- und Datenverarbeitung sowie der dafür benötigten Hardware finden Sie hier zusammengefasst.

Unter anderem erhalten Sie Informationen aus den Teilbereichen: IT-Dienstleistungen, IT-Architektur, IT-Management und Telekommunikation.

Zurück zur Startseite

Kommentare (0)

Schreiben Sie einen Kommentar

Neueste Beiträge

Viele Fragen und endlich eine Antwort

Zwei Physiker der Uni Siegen erhalten gemeinsam mit einem Kollegen aus China für eine wegweisende Arbeit den Paul-Ehrenfest-Preis. Mit dem Preis wird jedes Jahr die weltweit beste Publikation im Bereich…

Ein neues Modell für mikromechanische Sensoren

Die Eigenschaften von Flüssigkeiten oder Gasen lassen sich mit winzigen schwingenden Plättchen messen. An der TU Wien entwickelte man dafür nun eine Berechnungsmethode. Mikromechanische Sensoren verbinden zwei verschiedene Welten miteinander:…

Digitale ICTM Conference 2022

Klimaziele im Turbomaschinenbau durch Digitalisierung erreichen. Hersteller und Zulieferer von Triebwerken und stationären Turbomaschinen haben erkannt, dass sich die vorrangigen Ziele der Ressourcenschonung und Senkung von Emissionen nur dann noch…

Partner & Förderer