Livestream-Genuss für Multiscreen-Anwendungen

Mit der Entwicklungsplattform FAMIUM lassen sich Livestream-Videos synchron auf mehreren Geräten abspielen. © Fraunhofer FOKUS<br>

Vom verpassten Fernsehbeitrag bis zum Konzertmitschnitt der Lieblingsband: Das Internet ist eine Fundgrube für Videos oder Multimedia-Inhalte aller Art. Meist werden diese als Stream wiedergegeben – also nicht auf dem Rechner gespeichert, sondern direkt über den Browser in Echtzeit abgespielt.

Der Haken an der Sache: Verschlechtert sich die zur Verfügung stehende Bitrate, leidet die Übertragungsqualität. Ruckelnde Videos oder Unterbrechungen stellen dann die Geduld des Anwenders auf die Probe. Verhindern lässt sich das nur, wenn man die Videoqualität der aktuell verfügbaren Bitrate anpasst.

Einzelne Sequenzen haben dann zwar eine schlechtere Qualität, aber die Wiedergabe bleibt flüssig. Für ein solches adaptives Streaming benötigen die Daten jedoch ein bestimmtes Format: den ISO-Standard MPEG DASH (Dynamic Adaptive Streaming over HTTP), der seit 2012 verfügbar ist.

Forscher des Fraunhofer-Instituts für Offene Kommunikationssysteme FOKUS in Berlin bauen auf der Grundlage dieser Technologie auf, um beim adaptiven Streaming ganz neue Anwendungen zu schaffen. Mit ihrer Entwicklungsplattform FAMIUM wird es möglich, Livestream-Videos synchron auf mehreren Geräten abzuspielen. »FAMIUM ist zum einen ein Player, der MPEG DASH-Videos im Browser abspielen kann. Das funktioniert bislang zwar nur mit Google Chrome und Internet Explorer 11 unter Windows 8.1, längerfristig sollten aber auch andere Browser den Player unterstützen.

Als zweite Komponente kommen weitere Funktionalitäten wie unser Multiscreen-Framework dazu«, erklärt Stefan Kaiser, Wissenschaftler am FOKUS. Zum Teil konnten die Forscher dabei auf bestehende Technologien zurückgreifen: So basiert FAMIUM auf einem Open Source Player des DASH Industry-Forums, wenngleich ihn das Projektteam an der ein oder anderen Stelle noch optimiert hat. Das Multiscreen-Framework wurde dagegen komplett am FOKUS entwickelt.

Videos synchron auf TV, Tablet und Handy abspielen

Mit der Plattform lassen sich unterschiedlichste Anwendungen realisieren. So ist es etwa möglich, ein Mobiltelefon mit dem Fernseher zu verbinden: Das Handy erkennt dann automatisch einen Fernsehapparat im Raum und Medieninhalte lassen sich auf beide Geräte verteilen. Während man also etwa auf dem Fernsehapparat ein Video abspielt, erscheinen auf dem Handy-Display Zusatzinformationen. »Wir haben beispielsweise ein Szenario umgesetzt, um ein Formel-1-Rennen auf zwei Bildschirmen zu verfolgen. Während auf dem Fernseher das normale Rennen läuft, liefert ein zweiter Bildschirm – etwa ein Tablet – Perspektiven aus dem Cockpit«, so Kaiser. FAMIUM sorgt dafür, dass die Inhalte synchron wiedergegeben und Steuerungsbefehle an beiden Geräten umgesetzt werden. Unterbricht der User zum Beispiel auf dem Tablet das Video, stoppt der Fernseher ebenfalls.

Anbieter oder Vermarkter von Medieninhalten können mit Hilfe von FAMIUM ihr Werbemanagement flexibel steuern. Möglich ist sowohl eine dynamische Werbeschaltung – das bedeutet, die Werbung wird während der Wiedergabe spontan geschaltet – als auch eine statische. Dabei lassen sich festgelegte Zeitpunkte definieren, zu denen Werbung eingeblendet werden soll. Um Inhalte zu verschlüsseln und nur einer bestimmten Zielgruppe zugänglich zu machen, etwa bei kostenpflichtigen Angeboten, kann ein Digital Rights Management (DRM) integriert werden.

Als die Berliner Forscher vor etwa einem Jahr das Projekt begannen, standen ihnen noch kaum geeignete Medieninhalte zur Verfügung. »Uns blieb letztlich nichts anderes übrig, als selbst entsprechenden Content zu generieren. Wir haben daher einen DASH Transcoder entwickelt, der Medien in das MPEG DASH-Format transkodiert«, erinnert sich Kaiser. Heute kommt der Transcoder zum Einsatz, um etwa das aktuelle Fernsehprogramm live über den Browser abspielen zu können.

Auf der diesjährigen IFA (Halle 11.1, Stand 21) und IBC (Halle 8, Stand B80) im September können sich Besucher über die umfangreichen Möglichkeiten von FAMIUM informieren. Kaiser hat dabei nicht nur den Entertainment-Sektor im Blick: »Auch im Business-Bereich könnte die Plattform wertvolle Dienste leisten, etwa beim kollaborativen Arbeiten im Team«, so der Wissenschaftler.

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Stefan Kaiser Fraunhofer Forschung Kompakt

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