Industrie 4.0: Die Zukunft liegt in den Wolken

Produzieren mit dem Industrie-Cockpit: Abläufe und Anlagen werden unternehmensweit in einem flexiblen Prozessnetz verknüpft - so können sie in ihrer Gesamtheit überwacht und jederzeit angepasst werden. Lupe© Fraunhofer IPK

Industrie 4.0 steht nicht nur für die digitale Vernetzung von Unternehmen, sondern auch für die Weiterentwicklung des sogenannten „Computer Integrated Manufacturing“ – also der Verbindung von Maschine und Computer –, die in den 1980er-Jahren eingeführt wurde. Diese automatisierten Steuerungssysteme basieren in der Regel auf einer elektronischen Hardware, die an der Maschine selber sitzt und speziell für diese entwickelt wurde.

Das neue Verbundprojekt pICASSO, eine Kooperation vom TU-Institut Werkzeugmaschinen und Fabrikbetrieb (IWF), vom Fraunhofer-Institut für Produktionsanlagen und Konstruktionstechnik (IPK) sowie von sieben weiteren Partnern aus Forschung und Industrie, will jetzt einen Schritt weitergehen und die Maschinensteuerung durch den Einsatz von Cloud-Technologie komplett von der Hardware entkoppeln. Ziel von pICASSO ist es, diese Steuerung flexibel über Softwarelösungen zu regeln.

„Im Prinzip werden die herkömmlichen, auf eine bestimmte Maschine spezialisierten Steuerungssysteme virtualisiert, das heißt in einer neuen Softwarestruktur von der eigentlichen Hardware, der Maschine, entkoppelt und in eine firmeneigene Cloud überführt“, erläutert Prof. Dr.-Ing. Jörg Krüger, Leiter des Fachgebiets Industrielle Automatisierungstechnik an der TU Berlin sowie des Geschäftsfelds Automatisierungstechnik des Fraunhofer IPK.

„Als Folge brauchen die einzelnen Maschinen oder Roboter nur noch eine ganz allgemeine Rechnerstruktur, die für die verschiedensten Steuerungsvarianten einsetzbar sein kann. Die ganz spezielle Intelligenz für die ganz spezielle Maschinen- oder Robotersteuerung kommt über eine Steuerungssoftware. Das einzelne Unternehmen benötigt dann moderne Server mit Mehrkernprozessoren, die eine private, unternehmenseigene Cloud generieren. In dieser Cloud sind die verschiedenen Softwarelösungen für die einzelnen Steuerungsprozesse hinterlegt.“

Die Steuerung über die firmeneigene Cloud hat gleich mehrere Vorteile: „Sie bietet deutlich mehr Sicherheit als verschiedene dezentrale Steuerungssysteme bei gleichzeitig höherer Flexibilität. Über den Cloud-immanenten Mechanismus „Rapid Elasticity“ können einzelne Rechnerkerne in Sekundenbruchteilen zwischen so verschiedenen Steuerungsprozessen wie dem einer Fräsmaschine oder eines Roboterarms hin- und herschalten – je nach Bedarf. Rechnerleistung muss also nicht mehr vorgehalten werden und kann damit deutlich effizienter ausgenutzt werden.“

Ein weiterer Vorteil der cloudbasierten Steuerung: Sie kann auch auf älteren, hochwertigen Maschinen nach- oder aufgerüstet werden, bei denen die Mechanik nach wie vor funktioniert – für deren Steuerung aber keine Ersatzteile oder auch keine Updates mehr produziert werden.

Jörg Krüger: „Der Einsatz von Cloud-Technologien in der Produktionssteuerung wird zu einem grundlegenden Wandel in der IT-Struktur von der Fabrik der Zukunft führen. Aufgrund der geringen Investitionskosten und der hohen Flexibilität in der Nutzung sind das Entwicklungen, die auch für die mittelständische Industrie hochinteressant sind.“

http://www.projekt-picasso.de/projekt

Weitere Informationen erteilt Ihnen gern:
Prof. Dr.-Ing. Jörg Krüger
Fachgebiet Industrielle Automatisierungstechnik
Tel.: 030/314-25188
E-Mail: joerg.krueger@tu-berlin.de

Media Contact

Stefanie Terp idw - Informationsdienst Wissenschaft

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie

Neuerungen und Entwicklungen auf den Gebieten der Informations- und Datenverarbeitung sowie der dafür benötigten Hardware finden Sie hier zusammengefasst.

Unter anderem erhalten Sie Informationen aus den Teilbereichen: IT-Dienstleistungen, IT-Architektur, IT-Management und Telekommunikation.

Zurück zur Startseite

Kommentare (0)

Schreib Kommentar

Neueste Beiträge

Live-Webinar 10.12.: Fraunhofer IPA vs. Corona

Aktuelle Anwendungsfälle aus der angewandten Forschung Die Corona-Pandemie stellt die Gesellschaft vor große Herausforderungen, denn es gilt, die Bevölkerung und den Wohlstand optimal zu schützen. Expertinnen und Experten von Fraunhofer…

Und der Haifisch, der hat Zähne

Besonderheit im Zahnschmelz von Haifischzähnen entdeckt Haifischzähne müssen während ihrer kurzen Verweildauer auf den Punkt funktionieren: Der Port-Jackson-Stierkopfhai ernährt sich von harten Beutetieren wie Seeigeln und Muscheln. Seine Zähne müssen…

Quantenphotonik für abhörsichere Kanäle und extrem genaue Sensoren

Yes, we quant! Forscherinnen und Forscher am Fraunhofer IZM wollen die Quantenphysik aus den Lehrbüchern in die Realität bringen. Mit Hilfe von optischen Glas-integrierten Wellenleitern entwickeln sie eine universelle Plattform,…

By continuing to use the site, you agree to the use of cookies. more information

The cookie settings on this website are set to "allow cookies" to give you the best browsing experience possible. If you continue to use this website without changing your cookie settings or you click "Accept" below then you are consenting to this.

Close