Digitale Infrastrukturen von morgen: Mehr als nur Breitbandausbau

IKT-Basisinfrastrukturen und -Dienste werden in Zukunft mit völlig neuen Anforderungen konfrontiert werden. Foto: © robu_s / Fotolia

Gemeinsam mit den Referenten aus Anwender- und Anbieterindustrie sowie der Wissenschaft identifizierten die Teilnehmer in branchenübergreifenden Diskussionen insgesamt fünf Kernthemen, die für den erfolgreichen Wandel der digitalen Basisinfrastrukturen entscheidend sind. Diese erweitern die bisherigen Breitband-Ziele der Bundesregierung, definiert im Wesentlichen durch Festnetzbandbreite der Privathaushalte, substantiell:

1. Cybersecurity als „conditio sine qua non“ digitaler Infrastrukturen

Digitale Wertschöpfung ist zwingend auf verlässliche Sicherheit, garantierte Identitäten (ganz wesentlich auch von „Dingen“ im Internet der Dinge), Schutz der Daten etc. entlang der gesamten Wertschöpfungskette angewiesen. Dafür sind angemessene IT-Sicherheitskonzepte, -architekturen und -Prüfverfahren für alle Anwendungsfelder von vorneherein zu planen und zu implementieren. Profundes und gezieltes Risikomanagement wird hier immer wichtiger.

2. Die künftigen Anforderungen digitaler, besonders industrieller Wertschöpfung reichen weit über die Möglichkeiten konventioneller Netze hinaus

Anwendungen für Endkunden und für die Industrie werden zukünftig immer unterschiedlicher werden: Je nach Branche sind symmetrische Bandbreiten bis in den Gbps-Bereich, Verzögerungszeiten von wenigen Millisekunden, garantierte Verbindungsqualität, ausgeprägte Modularität und Flexibilität, definierte Schnittstellen entsprechend den branchenspezifischen Anforderungen, jahrzehntelange Verfügbarkeit von Technologien etc. für den Erfolg digitaler Transformation von industrieller Wertschöpfung unerlässlich. Dabei gibt es differenzierte Anforderungen hinsichtlich der räumlichen Verfügbarkeit. Um diese heterogenen Anforderungen zu erfüllen, benötigen wir über die heutige Endkunden-Orientierung hinausgehende, an den unterschiedlichen Erfordernissen unserer Wirtschaft, orientierte konkrete Ziele.

3. Wandel des Infrastrukturverständnisses

Leistungsfähige digitale Basisinfrastrukturen sind für unsere Wirtschaft und ihre Digitalisierung ebenso wichtig wie z.B. Strom, Gas, Wasser, Abwasser, und Verkehrsanbindung. Ihr Mehrwert für unsere Gesellschaft reicht deshalb weit über den betriebswirtschaftlichen Wert, z.B. für den Betreiber von öffentlichen Netzen hinaus. Angesichts der Baukosten müssen daher Kernelemente der digitalen Basisinfrastruktur, z.B. Glasfaserleitungen und Standorte für neue Mobilfunkstationen, bei der Planung neuer Infrastrukturvorhaben von vorneherein mit einbezogen werden. Dies gilt soweit irgend möglich auch für die Modernisierung bestehender Infrastrukturen. Technologisch gesehen sind alle Wirtschaftsstandorte und Funkstationen mit Glasfaser anzuschließen und ist durch Verfügbarkeit geeigneter Frequenzen für 5G, besonders auch unterhalb von 1 GHz – der weitgehend flächendeckende mobile Zugang zu digitalen Infrastrukturen sicherzustellen.

4. Ländliche Gegenden als Herausforderung

Vor allem ländliche Gegenden stellen eine Herausforderung bei der Versorgung mit leistungsfähigen digitalen Basisdiensten und beim Ausbau breitbandiger Netze dar, da die Kosten häufig so hoch sind, dass bei marktüblichen Preisen kein profitabler Ausbau und Betrieb möglich sind. Es müssen Alternativen und Konsequenzen für Planung, Finanzierung sowie den Betrieb von Netzen erarbeitet werden, wie etwa die Trennung von Infrastruktur und Dienst. Dabei sollten Rechtsrahmen und Regulierung pragmatische Lösungen unterstützen und den volkswirtschaftlich nicht zielführenden Aufbau von parallelen gleichartigen Infrastrukturen verhindern.

5. Digitale Infrastrukturen als Wegbereiter für die erfolgreiche digitale Transformation

Auf Basis von digitalen Infrastrukturen entstehen neue Wertschöpfungsnetzwerke über Länder- und Unternehmensgrenzen hinweg. Damit diese einwandfrei funktionieren können, bedarf es neuer Geschäftsmodelle und vielfältiger Schnittstellen und Standards, die die künftigen Möglichkeiten von IKT-Basisinfrastrukturen mit den spezifischen Notwendigkeiten der beteiligten Branchen zusammenbringen. Dies erfordert branchenübergreifende Kooperationen und es müssen die jeweiligen nationalen und internationalen Rechtsrahmen angepasst und Standards zumindest europaweit eingeführt werden.

Chancen erkennen und aktiv werden

Sigurd Schuster, Nokia Solutions and Networks und Leiter des Arbeitskreises „Digitale Infrastrukturen und Dienste“ des MÜNCHNER KREIS, appellierte daran, relevante Stakeholder dort abzuholen, wo sie augenblicklich stehen, und sie vom Nutzen digitaler Basisinfrastrukturen zu überzeugen. „Nur, wenn ein Bürgermeister weiß, was eine effiziente Internet-Infrastruktur auch für die künftige Wirtschaftskraft seiner Gemeinde bringt, wird er den Anschluss seiner Kommune an das Breitbandnetz vorantreiben“, führte Schuster an. Letztendlich ist der entscheidende Faktor nicht die technische Machbarkeit, sondern der tatkräftige Wille von Gesellschaft, Politik und Wirtschaft zum Ausbau der digitalen Infrastruktur, so der Tenor des Schlusspodiums.

Über den MÜNCHNER KREIS

Der MÜNCHNER KREIS möchte die digitalisierte Wissens- und Informationsgesellschaft durch seine Arbeit aktiv mitgestalten. Als gemeinnützige, internationale Vereinigung an der Nahtstelle zwischen Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Gesellschaft bietet der MÜNCHNER KREIS eine unabhängige Plattform, die gleichermaßen Hersteller, Dienstleister und alle Anwenderbranchen wie Automotive, Energie etc. anspricht. Mit einer Vielzahl unterschiedlicher Aktivitäten setzt er sich konstruktiv mit den Chancen und Herausforderungen der Digitalisierung auseinander, um Orientierung in der digitalen Transformation zu geben.

www.muenchner-kreis.de 

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