Deutschland im neuen Internet bereits an der Spitze

Mit seinem Anteil von 13 Prozent an den zugeteilten neuen Anschlussnummern sei Deutschland hinter den USA mit 20 Prozent die Nummer 2 in dieser Technologie und liege noch vor Frankreich und Japan (je 11 Prozent), betonte Latif Ladid, Präsident des internationalen IPv6-Forums, auf der Tagung.

Rund 70 führende Fachleute aus dem In- und Ausland hatten zwei Tage lang in Potsdam darüber beraten, wie der Übergang auf die neue Internetgeneration gestaltet werden soll. Sie bietet mehr Sicherheit, höhere Leistung, leichtere Erweiterbarkeit und bessere Anpassbarkeit an neue Anforderungen. Der alte Standard IPv4 gilt seit 1981. Das Kürzel IP steht für „Internet-Protokoll“ und bezeichnet das Verfahren, mit dem sich Computer und Geräte im weltweiten Netz verknüpfen.

„Unser IPv6-Gipfel hat deutlich gemacht, dass die Vorbereitungen für die Umstellung schon weit gediehen sind“, berichtete Meinel. Von der Potsdamer Tagung sei ein ermutigender Impuls auf alle an dem Übergang Beteiligten ausgegangen. Die Veranstaltung habe zudem gezeigt, dass Deutschland gute Chancen habe, im technologischen Wettbewerb um das Internet der Zukunft mitzuhalten. Jetzt gehe es im Hinblick auf den dritten nationalen IT-Gipfel Ende November in Darmstadt darum, einen Fahrplan für die anstehenden Aktivitäten zum Übergang auf den modernen Internetstandard aufzustellen.

Zur Eröffnung der Potsdamer Tagung hatten sich EU-Kommissarin Viviane Reding und Internetpionier Dr. Vinton Cerf für eine schnelle Einführung der neuen Internetgeneration ausgesprochen. Cerf (64), der als einer der Väter des weltweiten Rechnernetzwerkes gilt und Vorstandsmitglied beim Suchmaschinen-Anbieter Google ist, appellierte an die Computernutzer, bei den Internetanbietern auf die zügige Einführung des neuen Technikstandards IPv6 zu drängen. Er schätzt, dass „irgendwann zwischen 2010 und 2011“ keine alten IPv4-Adressen mehr verfügbar sein dürften, um neue Router und Webserver ans Internet anzubinden.

Die für Informationsgesellschaft und Medien zuständige EU-Kommissarin Reding kündigte einen Aktionsplan der Europäischen Union zur beschleunigten Einführung der nächsten Internetgeneration an. Reding sagte, die Kommission werde den Mitgliedsstaaten Maßnahmen vorschlagen, um den entscheidenden Schritt in die neue Welt der Internetversion IPv6 bis zum Jahre 2010 zu schaffen. Detlef Eckert, Berater aus Redings Generaldirektion, berichtete, weltweit seien nur noch etwa 16 Prozent der alten IP-Adressen verfügbar. Dennoch böten bisher überhaupt nur rund 10 Prozent der internationalen Internetserviceanbieter und 30 Prozent der europäischen den neuen IPv6-Standard an. Ziel der EU-Kommission sei es, das bis Ende des Jahres 2010 rund 25 Prozent aller europäischen Anwender die Möglichkeit haben sollen, IPv6 zu nutzen und dabei auf die meisten ihrer gewohnten Dienste und Inhalte zugreifen zu können. „Dies wäre ein Riesenschritt“, betonte Eckert. Nach seinen Worten ist geplant, dass der EU-Ministerrat die Kommissions-Pläne Ende 2008 diskutiert und beschließt, um zu einem gemeinsamen Vorgehen aller Mitgliedsländer zu kommen.

Für die Bundesregierung bezeichnete der IT-Direktor des Bundesinnenministeriums, Martin Schallbruch, den neuen Internetstandard IPv6 als „schiere Notwendigkeit“. Darauf werde der Bund künftig bei der Beschaffung setzen. Erstmals werde das im Herbst zum Tragen kommen, wenn im Rahmen der Initiative „Deutschland Online Infrastruktur“ (DOI) gemeinsame Netzinfrakstrukturprojekte für Bund, Länder und Gemeinden ausgeschrieben würden. Dies sei als ein Signal der Regierung zu verstehen. Der Präsident des internationalen IPv6-Forums, Latif Ladid, begrüßte die Ankündigung der Bundesregierung, künftig auf die neue Internetgeneration IPv6 zu setzen. Auch EU-Kommissarin Reding hatte die deutsche Bundesregierung ausdrücklich für ihr Engagement gelobt. „Sie wird IPv6 auf den Weg bringen und ich freue mich auf die Zusammenarbeit“, sagte Reding.

Schallbruch riet der deutschen Wirtschaft, auf das neue Internet zu setzen: „Jedes Unternehmen ist gut beraten, sich die entsprechenden Vorteile zu sichern“, sagte er bei dem Gipfeltreffen im Hasso-Plattner-Institut. Die öffentliche Verwaltung in Deutschland investiert nach Schallbruchs Worten jährlich 2,4 Milliarden Euro in die Netzinfrastruktur.

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Hans-Joachim Allgaier idw

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