Freiberger Wissenschaftler entdecken lebendes tropisches Korallenriff vor Iraks Küste

Oktokoralle Manella mit unterschiedlichen Schlangensternen TU Bergakademie Freiberg / Dr. Thomas Pohl

Bei wissenschaftlichen Tauchexpeditionen sind die Forscher durch Zufall auf das unbekannte Riff im Arabischen Golf im Mündungsgebiet vom Shatt Al Arabe (Euphrat und Tigris) gestoßen.

Bislang galt es als unwahrscheinlich, dass sich Korallen unter den extremen Bedingungen dieser Meeresregion ansiedeln könnten. Die Forscher berichten über ihre Ergebnisse in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift Scientific Reports (Nature Publishing Group).

Obwohl Korallenökosysteme in den Küstenregionen der meisten Länder des Arabischen Golfs (Bahrain, Iran, Kuwait, Oman, Katar, Saudi-Arabien und in den Vereinigten Arabischen Emiraten) vorkommen, waren vor der nur 58 Kilometer langen Küste des Irak bisher keine Korallenriffe bekannt.

„Aufgrund der starken Trübung der Küstengewässer durch die Zuflüsse von Euphrat und Tigris konnten die Korallenriffe auch nicht mit Hilfe von Satelliten geortet werden“, erklärt Hydrogeologie Prof. Broder Merkel, Leiter des Scientific Diving Centers (wissenschaftliches Tauchzentrum) und Prorektor für Forschung an der Bergakademie.

Das Forscherteam des Freiberger Wissenschaftlichen Tauchzentrums war zu Ausbildungszwecken mit den Kollegen der irakischen Universität Basrah in den Jahren 2012 und 2013 in den irakischen Küstengewässern unterwegs.

Dabei stießen die Wissenschaftler zufällig auf das tropische Korallenriff, das sich über eine Ausdehnung von vier mal sieben Kilometern erstreckt, und welches sie während mehrerer Tauchexpeditionen untersuchten.

„Der Fund war eine Sensation für uns alle“, sagt Prof. Hermann Ehrlich, Heisenberg-Professor für Biomineralogie und Extreme Biomimetik, „denn tropische Korallenriffe sind ein äußerst sensibles Ökosystem. Sie entstehen normalerweise in klaren Gewässern, deren Temperatur selten unter 20°C absinkt.

Hier dagegen gibt es Temperaturschwankungen zwischen 14 und 34 Grad Celsius.“ Das untersuchte Gebiet dagegen sei durch starke Trübung, hohe Strömungsraten sowie große Temperatur- und Salzgehaltschwankungen im Jahresverlauf gekennzeichnet. Bei ersten Untersuchungen der Korallen zeigten sich bereits entsprechende Unterschiede zu anderen Riffen in der Region: Vier der identifizierten Korallengruppen gehören zu den besonders langsam wachsenden Arten, die massiv und robust genug sind, um sich unter den rauen Umgebungsbedingungen entwickeln und überleben zu können.

Weitere Untersuchungen sind im Frühjahr und Herbst dieses Jahres geplant, um die Korallenökosysteme unter den besonderen Klima- und Umweltbedingungen besser zu verstehen. Vor dem Hintergrund des globalen Klimawandels könnte dies nach Ansicht der Forscher wertvolle Erkenntnisse darüber liefern, wie sich marine Ökosysteme an extreme Bedingungen anpassen. Angesichts der intensiven Öl- und Gasförderung in der Golfregion benötige das Riff dazu jedoch zunächst dringend Schutz, schreiben die Wissenschaftler in ihrer Studie.

Link zum Original-Beitrag mit Fotos und Bewegtbild: http://www.nature.com/srep/2014/140306/srep04250/full/srep04250.html

Weitere Informationen unter:
http://tu-freiberg.de/presse/aktuelles/aktuelles_detail.html?Datensatz=1921

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Madlen Domaschke idw - Informationsdienst Wissenschaft

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