"Polarstern" auf dem Weg zum Nordpol

Das Forschungsschiff „Polarstern“ verlässt am Dienstag, dem 19. Juni Bremerhaven, um in den folgenden vier Monaten Wissenschaftler bis in die direkte Nähe des Nordpols zu bringen. Gemeinsam mit „Healy“, dem modernen US-amerikanischen Forschungseisbrecher, der seine erste Arktisexpedition unternimmt, wird „Polarstern“ Informationen über den am wenigsten erforschten mittel-ozeanischen Rücken der Welt sammeln.

Die kommende Expedition der „Polarstern“ in die Gewässer der Arktis wird am Dienstag, dem 19. Juni ihren Anfang nehmen. Das Forschungsschiff wird mit 50 Wissenschaftlern und einer Besatzung von 45 Personen den Heimathafen Bremerhaven verlassen. Bei der in zwei Fahrtabschnitte geteilten, fast viermonatigen Reise, wird das Schiff die Forscher im ersten Teil der Expedition in die meereisbedeckten Gebiete vor der Ostküste Grönlands und in der Framstraße zwischen Grönland und Spitzbergen bringen. Während das Schiff die letzten Julitage in Tromsø, Norwegen verbringen wird, wechselt die gesamte Besatzung, um am 31. Juli Richtung Nordpol in See zu stechen. In Tromsø wird es auch zur ersten Begegnung mit dem US-amerikanischen Forschungseisbrecher „Healy“ kommen, für den die gemeinsame Arktisexpedition zugleich die Jungfernfahrt darstellt. Der Umfang der Zusammenarbeit zwischen amerikanischen und deutschen Polarforschern auf dieser Expedition übertrifft sämtliche bisher durchgeführten, internationalen Kooperationen in diesen nördlichen Breiten.

Staatssekretär besucht „Polarstern“ Bevor das Schiff in Bremerhaven ablegt, wird Herr Dr. Uwe Thomas, Staatssekretär am Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) auf der „Polarstern“ zu Gast sein, um sich über die aktuellen Forschungsprojekte und die anstehende Expedition zu informieren. Das BMBF ist Eigentümer der von der Stiftung Alfred-Wegener-Institut betriebenen „Polarstern“ und somit maßgeblich für die Forschungsaktivitäten in den Polarregionen verantwortlich.

Langzeituntersuchungen in der Grönlandsee und der Framstraße Seit 1982 hält sich die „Polarstern“ jedes Jahr für mehrere Wochen in der Grönlandsee auf, die im Norden durch die Framstraße zwischen Grönland und Spitzbergen begrenzt wird. Der Framstraße widmen die Wissenschaftler besondere Aufmerksamkeit, da sie die einzige tiefe Verbindung zwischen dem Nordpolarmeer und dem Europäischen Nordmeer ist, und somit für den Wasseraustausch zwischen diesen gewaltigen Wasserkörpern eine entscheidende Rolle spielt. Die wiederholte Untersuchung der ozeanischen Bedingungen in dieser Region erlaubt es, diese Prozesse zu erfassen und damit die Grundlage für großräumige Strömungsmodelle zu legen, die für die Klimaforschung benötigt werden. Besonders gespannt sind die Wissenschaftler darauf, ob die Temperatur in der Tiefe der Grönlandsee weiter zugenommen hat, oder ob die winterliche Wassermassenumwälzung nach vielen Jahren wieder einmal bis in große Tiefe vorgedrungen ist, was in den 80er-Jahren regelmäßig erfolgte. Ein umfangreiches, vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördertes Programm zur Untersuchung der arktischen Tiefsee (ARKTIEF) umfasst ozeanographische, geologische und biologische Arbeiten. Schwerpunkte sind die Erforschung des komplexen Nahrungsnetzes der im Wasser schwebenden Organismen und der Lebewesen der Tiefsee. Diese Arbeiten finden am Kontinentalabhang von Ostgrönland und im „Hausgarten“ des AWI in der Framstraße statt. Auch Seevögel und Meeressäuger sollen beobachtet werden. Der wissenschaftliche Fahrtleiter wird Dr. Eberhard Fahrbach vom AWI sein.

Geheimnisvoller Meeresboden Der zweite Fahrtabschnitt ab Tromsø, der deutsche und amerikanische Wissenschaftler in die unmittelbare Nähe des geographischen Nordpols bringen wird, dient der Erkundung des Gakkel-Rückens – eines kaum erforschten ozeanischen Rückens im Nordpolarmeer. Das große Interesse der Forscher liegt darin begründet, dass dieser ozeanische Rücken mit etwa einem Zentimeter pro Jahr der sich am langsamsten spreizende Rücken der Erde ist. Nach Einschätzung der Wissenschaftler steigt der Erdmantel, die Schicht der Erde, die unmittelbar unter der Erdkruste liegt und aus flüssigem Magma besteht, unter dem Gakkel-Rücken nur sehr langsam auf. Vermutlich kühlt er dabei so sehr ab, dass es nicht zur Bildung von Erdkruste im üblichen Sinne kommt, sondern dass in diesem Fall Mantelgestein direkt am Meeresboden zu finden ist. Solche Gesteine sind sonst auf der Erdoberfläche extrem rar. Die Lokalisierung und Beprobung solcher Gesteine ist eines der Hauptziele der Forschungsfahrt. Sie würden einzigartige Einblicke in die Beschaffenheit des Erdmantels erlauben, einen Teil der Erde, der sonst kaum erforscht werden kann. Auf dem zehnwöchigen Fahrtabschnitt werden die Besatzungen der „Healy“ und der „Polarstern“ kontinuierlich zusammenarbeiten. Der wissenschaftliche Fahrtleiter wird Prof. Dr. Jörn Thiede, Direktor des AWI sein. Die Expedition endet am 7. Oktober in Bremerhaven.

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Dipl.-Ing. Margarete Pauls idw

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