EU-Projekt „TWO!EARS“: Das menschliche Hören mit Robotern erforschen

Nicht nur akustische Signale wertet das System aus

Das Robotersystem, das im Rahmen des EU-Projekts „TWO!EARS“ entsteht, wertet nicht nur akustische Signale aus. Zusätzlich wollen die Forscher auch optische Information sowie die koordinative Eigenwahrnehmung berücksichtigen. So soll das System Hörszenen in einer ähnlichen Weise beschreiben können, wie es ein menschlicher Zuhörer täte. Und zwar nicht nur hinsichtlich Empfindungen wie Lautstärke, Klangfarbe und räumlicher Ausdehnung von Geräuschquellen, sondern auch bezüglich der Bedeutung, die den Szenen zugewiesen wird. Zum Beispiel, ob das Gehörte von einer fremden oder vertrauten Stimme stammt.

Erster Test erfolgreich

Computersimulationen haben gezeigt, dass die kürzlich fertig gestellte Software-Architektur prinzipiell funktioniert. In dem simulierten Szenario konnte das System eine einzelne Schallquelle im freien Feld lokalisieren. Zu diesem Zweck führte es falls nötig auch Kopfdrehungen durch. In Zukunft soll das bislang virtuelle System in einem realen Roboter umgesetzt werden. „TWO!EARS wird voraussichtlich deutliche Auswirkungen auf die künftige Entwicklung der Informations- und Kommunikationstechnik haben, und zwar immer dann, wenn das Wissen über und die Kontrolle von klanglicher Erfahrung relevant ist“, sagt Prof. Dr. Dorothea Kolossa, die die Projektaktivitäten des Instituts für Kommunikationsakustik der RUB leitet. Die Algorithmen könnten zum Beispiel dazu dienen, Hörgeräte zu verbessern, die in Umgebungen mit vielen Sprechern Einsatz finden.

Hören: mehr als nur akustische Signale auswerten

Bisherige Modelle des Hörens beruhen vorwiegend auf der Auswertung der Schallsignale an den beiden Ohren. Aber das Vorwissen über die Welt beeinflusst, was wir wahrnehmen. Das „TWO!EARS“-System bezieht diese Einflüsse mit ein und erlaubt somit eine bessere Vorhersage des menschlichen Zuhörens. Es beruht auf einem Konzept des Bochumer Professors Jens Blauert.

Projekt „TWO!EARS“

Die EU fördert das Projekt „TWO!EARS“ mit drei Millionen Euro für drei Jahre. Der Bochumer Alumnus Prof. Dr.-Ing. Alexander Raake von der TU Berlin hat die Gesamtkoordination für das Projekt übernommen. Projektpartner sind neben der Ruhr-Universität Bochum die Technischen Universitäten Berlin, Eindhoven und Kopenhagen, die Universitäten Pierre et Marie Curie Paris, Rostock und Sheffield, sowie das CNRS Toulouse und das Rensselaer Polytechnic Institute in Troy, NY.

Weitere Informationen

Prof. Dr.-Ing. Dorothea Kolossa, Digitale Signalverarbeitung, Fakultät für Elektrotechnik und Informationstechnik, Tel. 0234/32- 28965, E-Mail: dorothea.kolossa@rub.de

Prof. Dr.-Ing. Alexander Raake, TU Berlin, T-Labs, Assessment of IP-based Applications, Tel. 030/83535-8462, E-Mail: alexander.raake@tu-berlin.de

Media Contact

Dr. Julia Weiler idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Informationen:

http://www.ruhr-uni-bochum.de/

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Energie und Elektrotechnik

Dieser Fachbereich umfasst die Erzeugung, Übertragung und Umformung von Energie, die Effizienz von Energieerzeugung, Energieumwandlung, Energietransport und letztlich die Energienutzung.

Der innovations-report bietet Ihnen hierzu interessante Berichte und Artikel, unter anderem zu den Teilbereichen: Windenergie, Brennstoffzellen, Sonnenenergie, Erdwärme, Erdöl, Gas, Atomtechnik, Alternative Energie, Energieeinsparung, Fusionstechnologie, Wasserstofftechnik und Supraleittechnik.

Zurück zur Startseite

Kommentare (0)

Schreiben Sie einen Kommentar

Neueste Beiträge

Defekte in Halbleitern auf Atomebene aufspüren

Neuer Messaufbau Leipziger Forschender steht ab 2023 zur Verfügung. Moderne Solarzellen arbeiten mit Dünnschichten aus Halbleitern, die Sonnenlicht in elektrische Energie umwandeln. Der Schlüssel, um ihre Effizienz noch weiter zu…

Quantenoptik im Glas

Rostocker Forschende kommen den Geheimnissen von roten, grünen und blauen Quarks-Teilchen auf die Schliche. Forschenden der Universität Rostock ist es gelungen, in einem unscheinbaren Stück Glas einen Schaltkreis für Licht…

Wolken weniger klimaempfindlich als angenommen

Daten aus Flugkampagne: Passat-Kumuluswolken finden sich auf rund 20 Prozent der Erdkugel und kühlen den Planeten. Bisher wurde erwartet, dass diese Wolken durch die Erderwärmung weniger werden und damit den…

Partner & Förderer