Digitale Fabrik – Leises Löschen

Rechenzentrum: Von Löschdüsen produzierter Lärm kann Festplatten irreparabel beschädigen. Bild Thomas Trutschel/Photothek/Getty Images

Verkabelungen und Server erhöhen das Brandrisiko in Rechenzentren und sind für etwa sechs Prozent der Infrastrukturausfälle verantwortlich. Viele potenzielle Zündquellen, wie heiße Rechner oder zu viele Kabel, aber auch die hohe Luftzirkulation für die Kühlung, sorgen dafür, dass sich ein Feuer schnell entzünden und ausbreiten kann.

Ein rasches Aufspüren und ein schnelles Löschen sind daher entscheidend. Wie in vielen Industrieanlagen oder Archiven wird auch in Rechenzentren dabei typischerweise nicht mit Wasser, sondern mit Gas gelöscht. Die Löschsysteme fluten den Raum innerhalb von Sekunden mit Gas.

Natürliche Gase wie Argon, Stickstoff oder Kohlendioxid verdrängen dabei den Sauerstoff. Alternativ wird dem Brandherd bei chemischen Löschgasen die Wärme (Energie) entzogen, um den Brand zu löschen.

Versuche von Siemens Corporate Technology haben ergeben, dass der Lärm aus Löschdüsen Festplatten irreparabel schädigt. Hierbei wird beim Löschen mit herkömmlichen Düsen wird eine Lautstärke von rund 130 Dezibel gemessen, das entspricht dem Lärm eines startenden Kampfjets.

In solchen Fällen haben Betreiber von Rechenzentren nach Löschvorgängen – meist vorübergehende – Ausfälle der Computerfestplatten beobachtet. Die Forschungen von Corporate Technology bestätigen: Bereits ab 110 Dezibel können Festplatten durch den hohen Schallpegel und die dadurch ausgelösten Vibrationen beschädigt werden.

Kleine Löschdüsen reduzieren Schallleistung

Siemens entwickelte auf Basis dieser Erkenntnisse zur Reduzierung des auftretenden Schallpegels schon vor Jahren eine neue Löschdüse. Die spezielle Düse namens Sinorix Silent Nozzle von Siemens Building Technologies ist so ausgelegt, dass der Geräuschpegel während des Löschvorgangs unter 100 Dezibel bleibt – dieser vergleichsweise niedrige Pegel ist für Festplatten ungefährlich.

Der Betreiber kann dabei mit der Löschdüse die Richtung des Gasausstoßes so wählen, dass die Festplatten von möglichst wenigen Schallwellen getroffen werden. Die Düse kann für die Naturgase Stickstoff und Argon eingesetzt werden und arbeitet dabei mit demselben Druck wie andere Düsen, etwa 60 bar, wenn die Löschgase Kohlendioxid, Stickstoff oder Argon austreten.

Die Siemens-Experten verkleinerten aber die Düsen und verteilten dafür mehrere in einer Reihe mit einem Abstand, der die Frequenz des entstehenden Tones erhöht. Dadurch reduziert sich die mechanische Leistung des auftretenden Schalls – die Löschdüse ist leiser und der Lärmpegel sinkt somit unter 100 Dezibel. Ein ähnliches Konzept für chemische Löschmittel wird derzeit entwickelt. Die Flutungszeiten sind dabei gleich wie bei herkömmlichen Düsen. Die neue, leise Löschdüse ist voll kompatibel zu Sinorix-Gaslöschanlagen und eignet sich zur Nachrüstung bestehender Systeme.

Experiment ergibt: Hohe Lautstärke verursacht Datenverlust

Die Studie bestätigte nun die Wirksamkeit dieser Düse unter realen Bedingungen. Siemens-Experten verglichen zunächst im hauseigenen Labor lautes und leises Löschen. Dabei verwendeten die Experten Audiodateien und beschallten 20 neuwertige Festplatten.

Anschließend wurden in einem Data Center Modul unter realen Bedingungen die Auswirkungen auf die IT-Speichersysteme überprüft. Das Ergebnis: Bei der hohen Lautstärke trat immer ein Datenverlust auf. Bei einer Lautstärke, die dem Lärm der Sinorix Silent Nozzle entspricht, stellten sie hingegen keinen Schaden fest.

http://www.siemens.com/innovation/de/home/pictures-of-the-future/industrie-und-a…

Media Contact

Dr. Norbert Aschenbrenner Siemens AG

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