Wirkstoff-Taxi für besondere Fahrgäste

Die Teilnehmer des deutsch-japanischen Mini-Symposiums im Treppenhaus des Instituts für Pharmazie. (Foto: Marcus Gutmann) Foto: Marcus Gutmann

Die meisten Wirkstoffe, die für medizinische Anwendungen neu entwickelt werden, sind schlecht in Wasser löslich. Das ist problematisch – schließlich müssen die Stoffe beispielsweise aus einer Tablette in die wässrige Umgebung des Körpers übergehen können, um dort ihre Wirkung zu entfalten.

Um die Wasserlöslichkeit von Wirkstoffen zu verbessern, ist eine bestimmte Klasse pharmazeutischer Hilfsstoffe besonders interessant, die Cyclodextrine. Sie werden aus pflanzlicher Stärke gewonnen, sind biologisch abbaubar und in der Regel nicht toxisch.

Wirkstoffe in Zylinder einpassen

Cyclodextrine sehen wie ein Ring oder kurzer Zylinder aus, in den sich Wirkstoffe genau mit dem Teil einpassen lassen, der für die schlechte Löslichkeit in Wasser verantwortlich ist. Nach außen hin ist der „Cyclodextrin-Zylinder“ gut in Wasser löslich. So kann er – wie ein Taxi, dessen Sitze für ganz spezielle Fahrgäste modelliert sind – Wirkstoffe im Körper transportieren und an ihren Wirkorten freisetzen.

Für die pharmazeutisch-chemische Analytik sind Cyclodextrine ebenfalls interessant: Die Einlagerung in die Zylinder ist so spezifisch, dass selbst Moleküle, die einander stark ähneln, dort unterschiedlich fest gebunden werden. Daher kann man Oberflächen, die mit Cyclodextrinen besetzt sind, zur Trennung sehr ähnlicher Moleküle verwenden.

Mini-Symposium in Würzburg

Diese beiden Aspekte der Cyclodextrine wurden Anfang Dezember 2015 bei einem deutsch-japanischen Mini-Symposium am Lehrstuhl für Pharmazeutische Technologie und Biopharmazie der Universität Würzburg diskutiert. Gefördert wurde das Treffen vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD).

Lehrstuhlinhaber Professor Lorenz Meinel kooperiert in Sachen Cyclodextrine eng mit Pharmazeuten von der Hoshi-Universität in Tokyo (Japan). Die Pharmazie in Würzburg ist für die Komplexierungen der Wirkstoffe zuständig, die Experten in Tokyo beschäftigen sich mit der Modellierung am Computer. Bei dem Treffen stimmten die Partner ihre gemeinsame Forschungsarbeit ab und legten die weitere Strategie fest.

Kontakt

Prof. Dr. Dr. Lorenz Meinel, Lehrstuhl für Pharmazeutische Technologie und Biopharmazie, Universität Würzburg, T (0931) 31-83765, lorenz.meinel@uni-wuerzburg.de

http://www.presse.uni-wuerzburg.de Pressestelle der Uni Würzburg

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