Wie beeinflussen soziale Informationen Wahrnehmung und Verhalten?

Zwei Tiere sitzen sich an einem durchsichtigen Touchscreen gegenüber und können ihre Entscheidungen vom Verhalten ihres Gegenübers abhängig machen. Illustration: Igor Kagan

Wir Menschen – ebenso wie unsere nächsten Verwandten, die Affen – gehören zu den Lebewesen mit den höchsten kognitiven Fähigkeiten. Zugleich sind wir sehr sozial und leben in komplexen Gruppen.

Ob und wie die kognitiven Leistungen unseres Gehirns, wie Wahrnehmung, Aufmerksamkeit, Entscheidungsfindung und Bewegungsplanung, mit sozialen Interaktionen zusammenhängen, wird ein Wissenschaftlerteam aus Göttingen erforschen.

Die Neurowissenschaftler erhalten dafür von der Leibniz-Gemeinschaft insgesamt knapp eine Million Euro für einen Zeitraum von drei Jahren. Beteiligt sind neben dem Deutschen Primatenzentrum (Alexander Gail, Igor Kagan, Hansjörg Scherberger, Stefan Treue) auch die Universität und die Universitätsmedizin Göttingen (Michael Wibral, Melanie Wilke), das European Neuroscience Institute (Caspar Schwiedrzik) und das Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation (Fred Wolf).

Die kognitiven Funktionen des Gehirns entstanden in sozial lebenden Gemeinschaften, wie sie für Primaten, also Affen und Menschen, charakteristisch sind. Um diese Leistungen des Gehirns zu verstehen, ist es daher wichtig, auch den Aspekt der sozialen Interaktionen zu berücksichtigen.

Die Göttinger Neurowissenschaftler wollen dazu Fähigkeiten wie Wahrnehmung, Aufmerksamkeit, Entscheidungsfindung und Bewegungsplanung in einer interaktiven Umgebung erforschen. In diesen Studien werden Rhesusaffen darauf trainiert, an einem Bildschirm Aufgaben zu lösen.

Das Besondere bei diesem Forschungsprojekt: Zwei Tiere sitzen sich an einem durchsichtigen Touchscreen gegenüber, können also beobachten, was der andere tut. Die Forscher wollen so herausfinden, wie die Gegenwart und die Handlungen des Gegenübers die eigenen Entscheidungen beeinflussen. Dazu werden das Verhalten und die Fähigkeiten genau erfasst und es wird mit modernen elektrophysiologischen Methoden untersucht, wie und welche Nervenzellen und ihre Netzwerke im Gehirn zusammenarbeiten.

„Die Förderung durch die Leibniz-Gemeinschaft wird die im Leibniz-WissenschaftsCampus Primatenkognition initiierte Forschungsrichtung weiter vorantreiben, indem sie neuartige neurophysiologische und analytische Ansätze mit unserer einzigartigen dyadischen Interaktionsplattform kombiniert“, sagt Igor Kagan.

Die Leibniz-Gemeinschaft fördert mit dem Wettbewerbsprogramm „Leibniz-Kooperative Exzellenz“ besonders innovative Forschungsvorhaben, für deren Gelingen eine kooperative Vernetzung mehrerer Forschungseinrichtungen notwendig ist.

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