Ein Scanner für Erbschäden

Der XPD-Scanner (grün) im engen Kontakt mit einer Schadstelle (rot) auf der DNA-Doppelhelix. Der geschädigte Strang liegt in einer tiefen Furche des Proteins, sodass ein eisenhaltiger Fühler (Fe) die Schadstelle berührt, wodurch die Fortbewegung des Proteins entlang der DNA gestoppt wird. (Bild: UZH)<br>

Ein an der Reparatur beteiligtes Eiweiss funktioniert dabei wie ein Scanner, der das Erbgut dauernd nach Schäden absucht. Forschende am Institut für Veterinärpharmakologie und -toxikologie der Universität Zürich sehen in dieser Schadenserkennung neue Möglichkeiten, um die humane Krebstherapie zu verbessern.

Unsere DNA wird ständig durch UV-Licht, Giftstoffe oder Stoffwechselprozesse angegriffen. Proteine und Enzyme reparieren die geschädigte DNA laufend. Unerkannte und somit nicht reparierte Schäden des Erbmaterials beschleunigen das Altern, führen zu Krebs sowie Erbkrankheiten. Dass das Protein XPD eine wesentliche Rolle einnimmt, um die DNA-Schadstellen zu finden, hat das Team um den Veterinärpharmakologen und -toxikologen Hanspeter Nägeli entdeckt.

Eiweiss XPD als Scanner

Die Erbinformation wird auf den ungefähr drei Milliarden Basenpaaren Adenin/Thymin bzw. Cytosin/Guanin in der fadenförmigen DNA-Doppelhelix aufgehoben. Die Forschenden zeigen, dass das Protein XPD wie ein Scanner funktioniert, der entlang der DNA-Doppelhelix gleitet und so die Basen nach Schäden absucht. Sobald ein eisenhaltiger Fühler des sich fortbewegenden Proteins auf Schäden trifft, wird es gestoppt, wodurch Schadstellen für die Reparatur markiert werden. Neben der DNA-Reparatur ist XPD auch an der Zellteilung und der Genexpression beteiligt und somit eines der vielseitigsten Zellproteine.

Grundlage für mögliche Therapien

Die DNA-Reparatur schützt das gesunde Körpergewebe vor Schädigungen des Erbgutes, vermindert aber die Wirkung vieler Chemotherapeutika gegen Krebs. «Durch die Schadenserkennung mittels XPD eröffnen sich neue Möglichkeiten, um je nach Bedarf und Zielgewebe die DNA-Reparatur zu stimulieren oder zu unterdrücken», erklärt Hanspeter Nägeli. Die Ergebnisse könnten somit bei der Entwicklung neuer Behandlungen von Krebskrankheiten helfen.

Literatur:
Nadine Mathieu, Nina Kaczmarek, Peter Rüthemann, Andreas Luch, Hanspeter Naegeli. DNA quality control by a lesion sensor pocket of the xeroderma pigmentosum group D helicase subunit of TFIIH. Current Biology. January 24, 2013. doi: 10.1016/
Kontakt:
Prof. Dr. Hanspeter Nägeli
Institut für Veterinärpharmakologie und -toxikologie
Universität Zürich
Tel. +41 44 635 87 63
E-Mail: naegelih@vetpharm.uzh.ch

Media Contact

Nathalie Huber Universität Zürich

Weitere Informationen:

http://www.uzh.ch

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie

Der innovations-report bietet im Bereich der "Life Sciences" Berichte und Artikel über Anwendungen und wissenschaftliche Erkenntnisse der modernen Biologie, der Chemie und der Humanmedizin.

Unter anderem finden Sie Wissenswertes aus den Teilbereichen: Bakteriologie, Biochemie, Bionik, Bioinformatik, Biophysik, Biotechnologie, Genetik, Geobotanik, Humanbiologie, Meeresbiologie, Mikrobiologie, Molekularbiologie, Zellbiologie, Zoologie, Bioanorganische Chemie, Mikrochemie und Umweltchemie.

Zurück zur Startseite

Kommentare (0)

Schreib Kommentar

Neueste Beiträge

10. Workshop „Laserbearbeitung von Glaswerkstoffen“

Bereits zum zehnten Mal richten die Bayerisches Laserzentrum GmbH (blz) und das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) am 2. und 3. Dezember 2020 den gemeinsamen Workshop zur Laserbearbeitung von Glaswerkstoffen…

IAB-Arbeitsmarktbarometer bleibt stabil

Das IAB-Arbeitsmarktbarometer ist im Oktober um 0,1 Punkte auf 100,2 Punkte gestiegen. Nach den deutlichen Anstiegen aus den vergangenen Monaten hat sich der Frühindikator des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung…

Malaria: Versteckspiel in der Trockenzeit

Heidelberger DZIF-Wissenschaftlerin findet heraus, wie der Malariaparasit lange Trockenzeiten ohne seine Überträgermücken überlebt / Publikation in „Nature medicine“. Die Malariaerreger, Parasiten der Gattung Plasmodium, brauchen die Anophelesmücke, um in den…

By continuing to use the site, you agree to the use of cookies. more information

The cookie settings on this website are set to "allow cookies" to give you the best browsing experience possible. If you continue to use this website without changing your cookie settings or you click "Accept" below then you are consenting to this.

Close