Meeresschluchten als Biodiversitäts-Hotspots

Unterwasser-Canyons sind seit längerem dafür bekannt, dass sie für zahlreiche Lebewesen ein Zuhause sind. Bisher hatten Forscher allerdings immer nur Täler an den Kontinentalgrenzen untersucht. Nun ist es einem Forscherteam um Eric Vetter von der Hawaii Pacific University (HPU) und Craig Smith der University of Hawaii in Manoa gelungen, Studien über Unterwasserschluchten vor der Küste Hawaiis zu machen.

Dabei haben die Wissenschaftler wahre Biodiversitäts-Hotspots entdeckt, berichten sie im Fachmagazin Marine Ecology. Große Tiergruppen wie Fische, Garnelen, Krebse, Seegurken und Seeigel konnten die Forscher ausmachen. 41 der gefundenen Spezies sind endemisch – und kommen in keiner anderen Weltregion außer in den hawaiianischen Gewässern vor. Mit ferngesteuerten U-Booten sind die Wissenschaftler in Tiefen zwischen 350 und 1.500 Meter vorgedrungen.

Vulkan-Inseln mit reichhaltiger organischer Masse

Die Küstenlinien der beiden Vulkan-Inseln Oahu und Molokai waren für die Forscher von großem Interesse, denn hier gelangen große Mengen organischer Masse in die Tiefsee, wo sie Nahrung für unzählige Lebewesen sind. Nihoa Island und das Maro-Riff hatten die Forscher als beispielgebend für flache Koralleninseln untersucht.

„Es hat uns interessiert, ob die Unterschiede bei den Nahrungsressourcen zwischen den verschiedenen topografischen Erscheinungen – Täler oder Nicht-Täler -, die wir vor der Küste Kaliforniens gemacht hatten, auch auf ozeanischen Inseln ähnlich dramatisch sind“, meint Vetter. Ursprünglich waren die Experten davon ausgegangen, dass die Produktivität in den Tropen geringer sein würde.

Unterwasser-Canyons beherbergen seltene Arten

Die größte Überraschung für die Forscher war die Entdeckung von 41 Spezies, die ausschließlich in den Tiefsee-Canyons vor Hawaii vorkommen. „Das legt die Vermutung nahe, dass diese Täler eine ganz spezielle Fauna beherbergen, die ohne diese Gräben wohl kaum so existieren könnte“, meint der Experte.

Aufgrund der hohen Besatzdichte von Grundfischen und Wirbellosen sollten diese Tiefsee-Canyons unter Schutz gestellt werden. „Wenn wir beweisen können, dass die Meereslebewesen diese Regionen als Nahrungsquelle nutzen, gibt es keinen Grund, sie nicht zu Schutzzonen zu machen“, erklärt der Forscher. Es müsse jedenfalls unter allen Umständen verhindert werden, dass diese Regionen auch nur in irgendeiner Weise geschädigt werden.

Rauchende Schlote in 5.000 Metern Tiefe

Auch auf der Suche nach bisher unerforschtem Leben sind britische Forsche des National Oceanography Centre in Southampton. Sie haben im Cayman Graben in der Karibik in 5.000 Metern Tiefe Untersuchungen an den tiefsten bekannten unterseeischen Geysir-Schloten der Welt gemacht. Die Schlote stoßen heißes, mit Sulfiden und anderen mineralischen Verbindungen angereichertes Wasser aus.

Bakterienarten, die sich an die dort herrschenden extremen Bedingungen mit hohen Temperaturen und Drücken angepasst haben, stehen im Fokus der Wissenschaftler. Einige dieser Lebensformen könnten repräsentativ für frühe Formen des Lebens auf der Erde sein. Aktuelle Berichte gibt es im Online-Tagebuch http://thesearethevoyages.net der Wissenschaftler.

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Wolfgang Weitlaner pressetext.austria

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