Machtkämpfe lieber ohne Öffentlichkeit: Zuschauer beeinflussen künftigen Status nach Rivalenkämpfen

Die Kämpfer gehen während der Auseinandersetzungen ziemlich rabiat zur Sache, tragen dabei aber kaum Schäden davon.<br>Foto: Katharina Hirschenhauser<br>

Dies testeten Forscher vom Max-Planck-Institut für Ornithologie in Seewiesen. Nach einem Konflikt ohne Zuschauer wiesen sowohl Gewinner als auch Verlierer erhöhte Testosteronwerte auf. Außerdem konnten Gewinner und Verlierer ihren Dominanzstatus in ihrer Gruppe beibehalten.

Mit Zuschauern galt dies auch für die Gewinner, nicht aber für die Verlierer von Kämpfen: sie zeigten keine erhöhte Hormonwerte und verloren ihren Dominanzstatus in der Gruppe. Eine informierte Zuschauerschaft bestimmte also den zukünftigen Erfolg eines Männchens, Testosteron hingegen spielte dabei nur eine untergeordnete Rolle.

Kämpfe um Reviere und Paarungspartner sind bei Tieren weit verbreitet und werden meist von Männchen ausgefochten. Dabei spielt das Geschlechtshormon Testosteron eine entscheidende Rolle. Oft steigt dessen Konzentration während eines Kampfes an drastisch an. Jedoch können die soziale Umgebung und die Umwelt, in der sich die Rivalen befinden, den Zusammenhang zwischen Testosteron und Dominanz beeinflussen. Erfahrung spielt eine Rolle, z.B. wie oft sich die Kontrahenten auf einen Konflikt einlassen und ob sie einander bereits zuvor begegnet sind. Ebenso entscheidend kann sein, ob das Kampfgeschehen von Zuschauern beobachtet wird. Auch beim Menschen können die Zuschauer entscheidend den Ausgang eines Wettbewerbs beeinflussen.

Den Einfluss von Zuschauern auf den künftigen sozialen Status nach einem Kampf untersuchten nun auch Wissenschaftler um Katharina Hirschenhauser vom Max-Planck-Institut für Ornithologie in Seewiesen mit Unterstützung der Humboldt-Gesellschaft. Sie hielten Wachteln in sozialen Gruppen, die aus je zwei Männchen (einem dominanten und einem untergeordneten) und drei Weibchen bestanden. Treffen zwei dominante Wachtelmännchen aufeinander, kommt es unweigerlich zum Kampf. Die Wissenschaftler beobachteten solche Kämpfe in einer zentralen Arena. Dabei durften die Mitglieder der jeweiligen sozialen Gruppe in manchen Fällen den Kämpfen zuschauen, in anderen nicht. Während der durchschnittlich sieben Minuten dauernden Kampfphase attackierten die späteren Gewinner des Kampfes die Rivalen im Schnitt 29 Mal. Obwohl es bei den Kämpfen natürlicherweise recht ruppig zugeht, tragen die Kontrahenten keine ernsthaften Schäden davon.

Die Gewinner behielten ohne Ausnahme ihren Dominanzstatus bei (“Sieger-Effekt“). Die Verlierer hingegen wurden nach dem Zurücksetzen in ihre soziale Gruppe häufig von allen Gruppenmitgliedern „verprügelt“ und verloren ihren Dominanzstatus an das jeweilige vormals untergeordnete Männchen der Gruppe (“Verlierer-Effekt“). Ohne Zuschauer konnten jedoch auch die Verlierer ihren Dominanzstatus beibehalten.

Wie erwartet, erhöhten sich ohne Zuschauer die Testosteronwerte nach dem Kampf. Dies geschah unabhängig davon, ob die Wachtel den Kampf gewonnen oder verloren hatte. Nach einem Kampf mit Zuschauern hingegen wiesen die Verlierer keine erhöhten Testosteronspiegel auf. Die Gewinner hingegen zeigten einen ähnlichen Anstieg wie Wachteln, die ohne Zuschauer kämpften. Um zu sehen, ob ein Statuswechsel bei verlorenem Kampf mit Publikum physiologisch verhindert werden kann, behandelten die Wissenschaftler die Verlierer mit Testosteron, das sie unmittelbar nach dem Kampf mittels einer Creme auf die Haut auftrugen.

Durch diese Behandlung wurde die Aggressionsbereitschaft der Verlierer stark beeinflusst, die nun verstärkt den untergeordneten Hahn der jeweiligen sozialen Gruppe jagten und dadurch langfristig dominant blieben. Das deutet eigentlich auf einen starken Einfluss von Testosteron auf den „Sieger-Effekt“ hin.

Doch die Wissenschaftler gingen noch weiter: sie injizierten den Siegern direkt nach dem Kampf ein Testosteronblocker und beobachteten ihr Verhalten in ihrer sozialen Gruppe. Obwohl durch die Blocker Testosteron bei diesen Hähnen temporär keine Wirkung hatte, konnten die Gewinner ihren sozialen Status beibehalten. „Es ist vor allem die öffentliche Information für die zukünftigen Chancen des Verlierers ausschlaggebend. Dem Sieger ist sowohl Testosteron als auch das Publikum egal, er scheint allein aus der Erfahrung seinen „Siegerblick“ zu tragen.

Jedenfalls gab es hier keinen kausalen Zusammenhang zwischen Testosteron und dem Gewinner-Effekt“, fasst Katharina Hirschenhauser, Erstautorin der Studie zusammen. Im nächsten Schritt wäre es interessant zu untersuchen, wie sich die Kämpfer verhalten, wenn sie die Zuschauer nicht wahrnehmen können, diese jedoch die Kämpfer beobachten könnten, die Information also nur in eine Richtung fließt. (SL)

Kontakt:

PD Dr. Wolfgang Goymann
Abteilung Verhaltensneurobiologie
Max-Planck-Institut für Ornithologie
82319 Seewiesen
Tel.: 08157 932-301
Email: goymann@orn.mpg.de

Dr. Katharina Hirschenhauser
Email: khirschenhauser@orn.mpg.de

Originalveröffentlichung:

Katharina Hirschenhauser, Manfred Gahr, Wolfgang Goymann: Winning and losing in public: Audiences direct future success in Japanese quail. Hormones and Behavior, in press

Media Contact

Dr. Sabine Spehn Max-Planck-Institut

Weitere Informationen:

http://www.orn.mpg.de

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