Für Sprünge ans rettende Ufer: Käfer reduziert Oberflächenspannung mit körpereigener Substanz

Käfer der Art Stenus comma (http://bugguide.net/node/view/417317). Bildnachweis: Copyright © 2010 Lynette Elliott

Käfer der Gattung Stenus leben in der Nähe von Fluss- oder Seeufern. Dort machen sie Jagd auf kleine sechsfüßige Springschwänze. Dabei laufen sie allerdings auch Gefahr, ins Wasser zu fallen. Hier wären sie leichte Beute für andere Jäger wie beispielsweise größere Insekten, die auf dem Wasser laufen können.

Allerdings haben die Stenus-Käfer für solche Fälle vorgesorgt und eine bemerkenswerte Überlebensstrategie entwickelt. Sie sondern eine Substanz aus, die die Oberflächenspannung des Wassers herabsetzt.

Diese grenzflächenaktive Substanz verteilt der Käfer auf der Wasser-Luft-Grenzfläche und der dadurch entstehende Oberflächendruck katapultiert ihn zum rettenden Ufer.

Für herannahende Jäger hat der Stenus-Käfer auch noch eine weitere Überraschung auf Lager. Die vom Käfer abgesonderte Substanz besteht aus den beiden Alkaloiden Stenusin und Norstenusin.

Wie die Regensburger Forscher um Prof. Dr. Hubert Motschmann (Professur für Physikalische Chemie) zeigen konnten, ist das Gemisch dieser beiden stickstoffhaltigen organischen Verbindungen auch grenzflächen-viskoelastisch.

Anders ausgedrückt: Der Stenus-Käfer verwandelt damit die Wasseroberfläche in einen Sumpf, in dem jeder Schritt eines Verfolgers relativ viel Energie kostet.

Der Nachweis dieser Doppel-Eigenschaften des Substanzgemisches gelang dem Regensburger Team mit Hilfe einer neu entwickelten Apparatur. Damit kann das sogenannte Grenzflächendilatationsmodul in einem weiten Frequenzbereich gemessen werden.

Das Grenzflächendilatationsmodul beschreibt die Fähigkeit eines bestimmten Systems, die Gleichgewichtsgrenzflächenspannung nach einer Zustandsveränderung wieder herzustellen.

Die Original-Publikation im Internet unter:
http://pubs.acs.org/doi/abs/10.1021/acs.jpcb.6b04871

Ansprechpartner für Medienvertreter:
Prof. Dr. Hubert Motschmann
Universität Regensburg
Professur für Physikalische Chemie
Tel.: 0941 943-4296
hubert.motschmann@chemie.uni-regensburg.de

Ansprechpartner für Medien

Alexander Schlaak idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Informationen:

http://www.uni-regensburg.de/

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie

Der innovations-report bietet im Bereich der "Life Sciences" Berichte und Artikel über Anwendungen und wissenschaftliche Erkenntnisse der modernen Biologie, der Chemie und der Humanmedizin.

Unter anderem finden Sie Wissenswertes aus den Teilbereichen: Bakteriologie, Biochemie, Bionik, Bioinformatik, Biophysik, Biotechnologie, Genetik, Geobotanik, Humanbiologie, Meeresbiologie, Mikrobiologie, Molekularbiologie, Zellbiologie, Zoologie, Bioanorganische Chemie, Mikrochemie und Umweltchemie.

Zurück zur Startseite

Kommentare (0)

Schreib Kommentar

Neueste Beiträge

Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Neues Computermodell verbessert Therapie

Mithilfe mathematischer Bildverarbeitung haben Wissenschafter der Forschungskooperation BioTechMed-Graz einen Weg gefunden, digitale Zwillinge von menschlichen Herzen zu erstellen. Die Methode eröffnet völlig neue Möglichkeiten in der klinischen Diagnostik. Obwohl die…

Teamarbeit im Molekül

Chemiker der Universität Jena erschließen Synergieeffekt von Gallium. Sie haben eine Verbindung hergestellt, die durch zwei Gallium-Atome in der Lage ist, die Bindung zwischen Fluor und Kohlenstoff zu spalten. Gemeinsam…

Älteste Karbonate im Sonnensystem

Die Altersdatierung des Flensburg-Meteoriten erfolgte mithilfe der Heidelberger Ionensonde. Ein 2019 in Norddeutschland niedergegangener Meteorit enthält Karbonate, die zu den ältesten im Sonnensystem überhaupt zählen und zugleich einen Nachweis der…

Partner & Förderer

Indem Sie die Website weiterhin nutzen, stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. mehr Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind so eingestellt, dass sie "Cookies zulassen", um Ihnen das bestmögliche Surferlebnis zu bieten. Wenn Sie diese Website weiterhin nutzen, ohne Ihre Cookie-Einstellungen zu ändern, oder wenn Sie unten auf "Akzeptieren" klicken, erklären Sie sich damit einverstanden.

schließen