FLI stellt erstmals West-Nil-Virus-Infektion bei einem Vogel in Deutschland fest

Ein Bartkauz in seiner Voliere © Olaf Oliviero Riemer, published under Creative Commons BY-NC-SA 3.0 licence

Blutsaugende Stechmücken übertragen das Virus. Die wichtigsten Wirte sind Vögel. In selteneren Fällen kann auch eine Übertragung auf Pferde und den Menschen stattfinden. Daher beobachtet das FLI seit Jahren die Verbreitung von WNV in Europa.

Über den Eintragsweg des WNV nach Halle lässt sich bisher nur mutmaßen. Weitere genetische Untersuchungen des Virus und epidemiologische Nachforschungen sollen besseren Aufschluss darüber geben. Darüber hinaus laufen derzeit Untersuchungen zum Vorkommen von WNV-Infektionen bei blutsaugenden Stechmücken in der Umgebung des Falles an. Der Bartkauz war zunächst vom zuständigen Landesamt für Verbraucherschutz in Stendal (Sachsen-Anhalt) untersucht worden.

WNV wird von blutsaugenden Stechmücken übertragen und zirkuliert in der Natur in einem Vogel-Stechmücken-Vogel-Kreislauf. Bei Vögeln bleibt eine Infektion mit WNV in den meisten Fällen symptomlos. Eine Reihe von Vogelarten ist jedoch sehr empfänglich für WNV, so dass es zu massiven Epidemien mit Todesfällen bei Vögeln kommen kann.

WNV kann über Mückenstiche auch auf Menschen und Pferde übertragen werden und zählt somit zu den zoonotischen Erregern. WNV-bedingte Erkrankungen bei Menschen und Tieren treten seit Jahren in Süd- und Südosteuropa, z.B. in Italien, Griechenland, Ungarn, Rumänien, Frankreich, Kroatien und Serbien auf. In letzter Zeit gab es zudem Berichte über WNV-Nachweise und Erkrankungen in Österreich und Tschechien.

Die WNV-Infektion beim Menschen verläuft in der überwiegenden Zahl der Fälle (ca. 80 Prozent) symptomlos. Bei den meisten übrigen Fällen treten zumeist nur leichte Krankheitssymptome wie Fieber und grippeähnliche Erscheinungen auf. Dieser klassische Verlauf der Krankheit wird deshalb auch als „West-Nil-Fieber“ bezeichnet. In weniger als einem Prozent der Infektionen kommt es allerdings zu einem schweren, hoch fieberhaften Krankheitsverlauf mit Meningitis oder Enzephalitis, der zu bleibenden neurologischen Schädigungen führen kann und in seltenen Fällen tödlich endet.

Bei Pferden verläuft eine WNV-Infektion ebenfalls überwiegend symptomlos. Bei einem Viertel der Tiere treten fiebrige Allgemeinerkrankungen auf, die in wenigen Fällen zu deutlichen zentralnervösen Ausfallerscheinungen, bisweilen auch mit Todesfolge, führen können. Pferde mit klinischen Anzeichen können die Infektion zwar überleben, behalten aber oft lebenslang neurologische Schäden zurück.

In Deutschland wurden bisher weder bei Menschen noch bei Pferden hier erfolgte Infektionen mit dem WNV festgestellt. Der Mensch und das Pferd gelten als sogenannte Fehlwirte, d.h. von ihnen geht keine Infektionsgefahr für Mücken als Überträger aus. Die WNV-Infektion bei einem Vogel oder Pferd ist seit Ende 2009 eine anzeigepflichtige Tierseuche.

Das FLI beobachtet den möglichen Eintrag und die Verbreitung von WNV und USUV bereits seit Jahren im Rahmen von Wildvogel- und Stechmücken-Monitoring-Programmen, auch in Zusammenarbeit mit weiteren Forschungsinstituten, welche durch Mittel der Bundesministerien für Ernährung und Landwirtschaft (CuliMo, CuliFo) sowie für Bildung und Forschung (DZIF) gefördert werden.

Informationen zur West-Nil-Infektionen bei Menschen und Pferden in Europa stellt das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) auf seiner Internetseite zur Verfügung.

http://www.ecdc.europa.eu/en/west-nile-fever Informationen des Europäischen Zentrums für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten

Media Contact

Dipl.-Biologin Elke Reinking idw - Informationsdienst Wissenschaft

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie

Der innovations-report bietet im Bereich der "Life Sciences" Berichte und Artikel über Anwendungen und wissenschaftliche Erkenntnisse der modernen Biologie, der Chemie und der Humanmedizin.

Unter anderem finden Sie Wissenswertes aus den Teilbereichen: Bakteriologie, Biochemie, Bionik, Bioinformatik, Biophysik, Biotechnologie, Genetik, Geobotanik, Humanbiologie, Meeresbiologie, Mikrobiologie, Molekularbiologie, Zellbiologie, Zoologie, Bioanorganische Chemie, Mikrochemie und Umweltchemie.

Zurück zur Startseite

Kommentare (0)

Schreiben Sie einen Kommentar

Neueste Beiträge

Erstmals 6G-Mobilfunk in Alpen getestet

Forschende der Universität Stuttgart erzielen leistungsstärkste Verbindung. Notrufe selbst in entlegenen Gegenden absetzen und dabei hohe Datenmengen in Echtzeit übertragen? Das soll möglich werden mit der sechsten Mobilfunkgeneration – kurz…

Neues Sensornetzwerk registriert ungewöhnliches Schwarmbeben im Vogtland

Das soeben fertig installierte Überwachungsnetz aus seismischen Sensoren in Bohrlöchern zeichnete Tausende Erdbebensignale auf – ein einzigartiger Datensatz zur Erforschung der Ursache von Schwarmbeben. Seit dem 20. März registriert ein…

Bestandsmanagement optimieren

Crateflow ermöglicht präzise KI-basierte Nachfrageprognosen. Eine zentrale Herausforderung für Unternehmen liegt darin, Über- und Unterbestände zu kontrollieren und Lieferketten störungsresistent zu gestalten. Dabei helfen Nachfrage-Prognosen, die Faktoren wie Lagerbestände, Bestellmengen,…

Partner & Förderer