Das Geheimnis der Pilzfarben

Über 3000 Pilzarten wurden im Rahmen der Untersuchung analysiert, darunter: Elfenbeinschneckling (1. Reihe v.l.), Blutblättriger Hautkopf, Dunkler Rasenrötling, Safrangelber Saftling (2. Reihe v.l.), Papageiensaftling, Violetter Lacktrichterling, Olivgelber Holzritterling (3. Reihe v.l.), Maronen-Röhrling, Fliegenpilz. Bild: Franz Krah, Peter Karasch/Nationalpark Bayerischer Wald

In der Natur erfüllen bestimmte Farben und Muster meist einen Zweck: Der Feuersalamander signalisiert seinen Feinden mit seiner auffälligen Zeichnung, dass er giftig ist, eine rote Kirsche soll Vögel anlocken, die diese fressen und damit den Samen weiterverbreiten. Andere Tiere wie das Chamäleon dagegen schützen sich mit Tarnfarben vor der Entdeckung durch Fressfeinde.

Aber auch das Klima spielt bei der Färbung eine Rolle: Besonders Insekten oder Reptilien sind in kälteren Klimazonen dunkler gefärbt. Die wechselwarmen Tiere sind bei der Regulierung ihrer Körpertemperatur auf die Außentemperatur angewiesen.

Durch die dunkle Färbung können sie die Wärme schneller aufnehmen. Derselbe Mechanismus könnte auch bei Pilzen eine Rolle spielen, vermuteten die Forscher um Franz Krah, der seine Doktorarbeit zu diesem Thema an der TUM verfasst hat und Dr. Claus Bässler, Mykologe an der TUM und Mitarbeiter im Nationalpark Bayerischer Wald. Denn auch Pilze könnten von der Sonnenenergie profitieren, um sich besser fortzupflanzen.

Verbreitung von 3054 Pilzarten untersucht

Um diese Theorie zu testen werteten die Forscher Unmengen an Daten aus. Sie untersuchten die Verbreitung von 3054 Pilzarten in ganz Europa. Dabei analysierten sie deren Helligkeit und die in den Lebensräumen vorherrschenden klimatischen Bedingungen.

Die Ergebnisse zeigen einen eindeutigen Zusammenhang: In kalten Klimazonen sind die Fruchtkörper der Pilze dunkler. Auch jahreszeitliche Veränderungen wurden berücksichtigt. So fanden die Wissenschaftler heraus, dass Pilzgemeinschaften, die tote Pflanzenbestandteile abbauen, im Frühjahr und Herbst ebenfalls dunkler sind als im Sommer.

„Natürlich ist das erst der Anfang“, erklärt Krah. „Es ist noch viel mehr Forschung nötig, bis wir ein generelles Verständnis für Pilzfarben entwickelt haben.“ So ist ein zusätzlicher jahreszeitlicher Färbungseffekt etwa bei Pilzen, die in Symbiose mit Bäumen leben, nicht nachzuweisen.

„Dort spielen dann wohl noch weitere farbliche Funktionen, wie die Tarnung, eine Rolle.“ Auch muss noch untersucht werden, wie sehr die dunkle Färbung tatsächlich die Reproduktionsrate der Pilze beeinflusst.

Publikationen:

Franz-Sebastian Krah et al., Nature Communications Volumes 10, Article Number: 2890 (2019) „European mushroom assemblages are darker in cold climates.“
www.nature.com/articles/s41467-019-10767-z

Technische Universität München
Professur für Biodiversität der Pflanzen

Dr. Franz Krah
franz.krah@tum.de

Prof. Dr. Hanno Schäfer
Tel: 0816171-5884
hanno.schaefer@tum.de

Ansprechpartner für Medien

Dr. Ulrich Marsch Technische Universität München

Weitere Informationen:

http://www.tum.de

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