Botox-Inhibitor mit Killer-Potenzial

Klickchemie setzt Botulium-Neurotoxin A außer Gefecht (c) Wiley-VCH

Das Botulinumtoxin, eigentlich eines der stärksten Menschen bekannten Gifte, hat in der Kosmetik eine erstaunliche Karriere als häufig ziemlich sorglos verwendetes Anti-Faltenmittel hingelegt. Ein potentes Gegengift zu entwickeln, war bislang schwierig.

Amerikanischen Wissenschaftlern ist jetzt die Herstellung eines effektiven Hemmstoffs für Botulinumtoxin A gelungen: Sie analysierten den Mechanismus, wie das Toxin in die Zelle gelangt, und verwendeten Klickchemie. Ihr neuartiges und effektives Design veröffentlichen sie in der Zeitschrift Angewandte Chemie.

Das Botulinumtoxin A, abgekürzt BoNT/A setzt das Protein, das in den Nervenzellen die Freisetzung des Neurotransmitters Acetylcholin an den Synapsen fördert, durch proteolytische Spaltung außer Gefecht. Beziehen die Muskeln keine Informationen mehr von den Neuronen, entspannen sie sich. Die Krankheit Botulismus durch Clostridium-Infektionen kann insbesondere für Kleinkinder tödlich sein, aber sehr geringen Mengen dient BoNT auch der Therapie von Spasmen oder anderen Bewegungsstörungen.

Ein prominenter Anwendungsbereich ist ebenfalls die ästhetische Korrektur, wie sie zum Beispiel in den sogenannten Botox-Partys praktiziert wird. Überdosierung oder falsche Anwendung von BoNT kann schwere Auswirkungen haben. Bislang wurden solche Vergiftungen mit Antikörpern behandelt.

Die Forschungsgruppen um James R. Heath und Blake Farrow vom California Institute of Technology (Caltech) in Zusammenarbeit mit Indi Molecular (Culver City) richteten jedoch ihr Augenmerk auf die Proteasefunktion von BoNT/A und den Zelleintrittsmechanismus dieses Toxins, um einen spezifischen und effektiven Hemmstoff zu entwickeln.

Die Autoren schreiben: „Für den BoNT-Inhibitor versuchten wir den Ansatz der zielgerichteten Synthese zu verallgemeinern. Die Tertiärstruktur der leichten Kette von BoNT gibt eine äußere Form vor, anhand derer wir einen wirksamen Hemmstoff konstruieren können“.

Die Forscher entwickelten daher ein divalentes Molekül, das auf einer Seite das natürliche Substrat nachahmt und auf der anderen Seite selektiv an eine benachbarte unstrukturierte Stelle (Epitop) an der Toxinoberfläche bindet. Beide Molekülteile wurden durch eine Brücke aus Aminosäuren miteinander verbunden. Schlüssel für die Auswahl und Herstellung der Aminosäure-Brücke war die Kombination von Screening und In-situ-Klickchemie.

Das fertige Inhibitormolekül nannten die Forscher Inh-2. Wie ein trojanisches Pferd gelangt es, gebunden an sein Epitop auf der Toxinoberfläche, zusammen mit BoNT/A in die Zelle. Dort hebelt es genau dann die Proteasewirkung aus, wenn sich das Toxin nach Zelleintritt auffaltet und in Aktion treten will.

Die Wirkungsweise von Inh-2 wurde erfolgreich in Assays und an ganzen Neuronen getestet. Inh-2 ist daher ein höchst aussichtsreicher Kandidat für ein wirksames neues, gezielt wirkendes Gegengift für das Botulinumtoxin. Anwendungen dürften sich generell in der Medizin ergeben – einschließlich wahrscheinlich der Behandlung nach misslungenen Botox-Partys.

Angewandte Chemie: Presseinfo 18/2015

Autor: James R. Heath, California Institute of Technology, Pasadena (USA), http://www.its.caltech.edu/%7eheathgrp/

Permalink to the original article: http://dx.doi.org/10.1002/ange.201502451

Angewandte Chemie, Postfach 101161, 69451 Weinheim, Germany.

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