Universität Bielefeld wird Zentrum für mikrobielle Genomforschung


Eine internationale Jury hat einen Antrag der Universität Bielefeld an das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) auf Einrichtung eines Kompetenznetzwerks mit dem Thema „Genomforschung an Bakterien für den Umweltschutz, die Landwirtschaft und die Biotechnologie“ zur Förderung ausgewählt. Das Kompetenznetzwerk, das sich aus Partnern 18 verschiedener Standorte zusammensetzt, wird von einem an der Universität Bielefeld angesiedelten Kompetenzzentrum gesteuert.

Mit einer Ausschreibung vom 16. Oktober 2000 hatte das BMBF die Förderung von insgesamt drei Kompetenznetzwerken auf dem Sektor mikrobielle Genomforschung bekanntgegeben. Die Ausschreibung sah vor, dass ausgewählte Zentren die Koordination der Netzwerke übernehmen sollten. In der Ausschreibung wurde von den koordinierenden Zentren gefordert, dass diese eine nationale und internationale Reputation vorweisen, einschlägige Studiengänge existieren und erfolgreiche Beteiligungen an nationalen und internationalen Genomforschungsprojekten bestehen. Zudem war Voraussetzung, dass auf den Gebieten Biologie, Bioinformatik, Physik und Chemie fakultätsübergreifend zusammengearbeitet wird und Kooperationen mit einschlägigen Firmen existieren und eine Technologietransfereinrichtung etabliert ist. Da die Universität Bielefeld diese Bedingungen erfüllen konnte, beteiligte sie sich mit dem Antrag „Genomforschung an Bakterien für den Umweltschutz, die Landwirtschaft und die Biotechnologie“ an der BMBF-Ausschreibung.

Mitte Februar dieses Jahres begutachtete eine internationale Jury die eingegangenen Anträge. Der Antrag der Universität Bielefeld wurde neben zwei weiteren Anträgen der Universitäten Würzburg und Göttingen für eine Förderung ausgewählt. Das Bielefelder Projekt wird zunächst für drei Jahre mit einer Verlängerungsoption von zwei weiteren Jahren gefördert. Das Fördervolumen beträgt rund 15 Millionen Mark. Das Netzwerk umfasst Partner aus insgesamt 18 Universitäten, Großforschungseinrichtungen und Firmen.

Herzstück des Projekts ist die Sequenzermittlung von sechs bakteriellen Genomen, die insgesamt 25 Millionen Basenpaare umfassen. Für diese Arbeiten, die im wesentlichen an Biotech-Firmen vergeben werden sollen, sind alleine 6 Millionen Mark vorgesehen. Im einzelnen sollen die Genome der im folgenden genannten Bakterien sequenziert werden. Zunächst soll das Genom eines Stickstoff-fixierenden Bakteriums (Azoarcus) sequenziert werden, das in der Lage ist, Kallargras und Reis mit gebundenem Stickstoff zu versorgen. Weiterhin sollen die Genomsequenzen von zwei phytopathogenen Bakterien der Gattung Xanthomonas bestimmt werden. Auch Clavibacter, ein Pathogen der Tomate, ist für eine Sequenzierung vorgesehen. Auf dem Umweltsektor ist die Sequenzananalyse eines marinen, ölabbauenden Bakteriums (Alcanivorax) geplant. Schließlich soll noch eines der größten bakteriellen Genome, nämlich das des Myxobakteriums Sorangium, einer Sequenzanalyse unterzogen werden. Myxobakterien sind aufgrund ihrer Fähigkeit, Sekundärmetabolite zu bilden, ein interessantes Forschungsprojekt von großer medizinischer Bedeutung.

Neben diesen Sequenzierarbeiten werden auch Projekte gefördert, die sich mit Expressionsanalysen unter Einsatz der Array- oder Chiptechnologie befassen. Diese Projekte betreffen sowohl symbiontisch Stickstoff-fixierende als auch Aminosäure-produzierende Bodenbakterien.

An der Universität Bielefeld ist das Kompetenzzentrum des Netzwerks angesiedelt, das aus der Geschäftsstelle des Netzwerks und einem Technologieknoten besteht. Der Technologieknoten selbst dient als Ressourcen-, als Entwicklungs- und Ausbildungszentrum. Im Ressorcenzentrum werden die Technologien der Genom- und Postgenomforschung wie Sequenzierung, Transkriptomik, Proteomik und Bioinformatik vorgehalten. Im Entwicklungszentrum sollen die genannten Technologien fortentwickelt und im Ausbildungszentrum an die Netzwerkpartner weitergegeben werden. Die Geschäftsstelle ist unter anderem mit Patentfragen, dem Technologietransfer sowie der Öffentlichkeitsarbeit betraut.

An der Universität Bielefeld werden durch die Einwerbung des Kompetenznetzwerks mehr als zehn Stellen für Postgraduierte, Doktoranden und technisches Personal neu geschaffen. Das eingeworbene Kompetenznetzwerk ergänzt in idealer Weise die im letzten Jahr erfolgreiche Bewerbung im Rahmen der DFG-Ausschreibung „Bioinformatik“. Während das Projekt der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) im wesentlichen die Lehre auf dem Sektor „Bioinformatik/Genomforschung“ betrifft, wird das vorgestellte BMBF-Projekt nach Ansicht des Bielefelder Genetikers Alfred Pühler „die Forschungsseite enorm verstärken“.

Von der Universität Bielefeld sind an dem Projekt die Professoren Rudolf Eichenlaub, Robert Giegerich und Alfred Pühler, Dr. Anke Becker, Dr. Karsten Niehaus, Dr. Jörn Kalinowski und Dr. Werner Selbitschka beteiligt.

Kontakt: Prof. Dr. Alfred Pühler, Universität Bielefeld, Fakultät für Biologie, Telefon 0521/106-5607, Fax 0521/106-5626, E-Mail: puehler@genetik.uni-bielefeld.de
Dr. Werner Selbitschka, Universität Bielefeld, Fakultät für Biologie, Telefon 0521/106-2034, Fax 0521/106-5626, E-Mail: werner.selbitschka@genetik.uni-bielefeld.de

Media Contact

Dr. Gerhard Trott idw

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie

Der innovations-report bietet im Bereich der "Life Sciences" Berichte und Artikel über Anwendungen und wissenschaftliche Erkenntnisse der modernen Biologie, der Chemie und der Humanmedizin.

Unter anderem finden Sie Wissenswertes aus den Teilbereichen: Bakteriologie, Biochemie, Bionik, Bioinformatik, Biophysik, Biotechnologie, Genetik, Geobotanik, Humanbiologie, Meeresbiologie, Mikrobiologie, Molekularbiologie, Zellbiologie, Zoologie, Bioanorganische Chemie, Mikrochemie und Umweltchemie.

Zurück zur Startseite

Kommentare (0)

Schreib Kommentar

Neueste Beiträge

Definierte Blockade

Enzymatisches Photocaging zur Erforschung der Genregulation durch DNA-Methylierung Das Anknüpfen und Abspalten von Methylgruppen an die DNA spielt eine wichtige Rolle bei der Genregulation. Um diese Mechanismen genauer erforschen zu…

Ein Mikroskop für alle

Junges Jenaer Forschungsteam 
entwickelt Optik-Baukasten für Forschung und Ausbildung. Mikroskope, die biologische Prozesse sichtbar machen, kosten viel Geld, stehen in Speziallaboren und erfordern hoch qualifiziertes Personal. Damit neue Ansätze für…

Ordnung im Chaos finden

Wissenschaftler:innen klären die Struktur von glasbildenden Proteinen in Schwämmen auf. Schwämme gehören zu den ältesten Tierarten der Erde, die in vielen verschiedenen Gewässern leben, von Seen bis hin zu tiefen…

By continuing to use the site, you agree to the use of cookies. more information

The cookie settings on this website are set to "allow cookies" to give you the best browsing experience possible. If you continue to use this website without changing your cookie settings or you click "Accept" below then you are consenting to this.

Close