Verbessertes Enzym entlarvt Mutationen im Erbmaterial

PROvendis vermittelt Bonner Erfindung an bekanntes Biotechnologieunternehmen

Gentests zur Diagnose von Krankheiten oder Krankheitsrisiken wie Mukoviszidose oder Tumorerkrankungen sind oftmals aufwändig. Die von Bonner Chemikern optimierte Polymerase aus dem Bakterium Thermophilus aquaticus (Taq-Polymerase) vereinfacht die Analyse von Mutationen erheblich. Für die Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn hat PROvendis, Patentvermarktungsagentur der Hochschulen in NRW, jetzt einen Lizenzvertrag abgeschlossen mit einem großen und etablierten deutschen Biotechnologieunternehmen. Die Firma will mit der Taq-Polymerase neue Mutationstests entwickeln und bestehende Testsysteme verbessern.

Die neue Taq-Polymerase ist einsetzbar bei der Polymerase-Kettenreaktion (PCR). Mit diesem wichtigen Verfahren der Molekularbiologie werden Abschnitte des Erbmaterials, so genannte DNA-Sequenzen, vervielfältigt. Dazu wird eine aus bis zu drei Milliarden Basenpaaren bestehende Sequenz bei starker Hitze in ihre Einzelstränge aufgeschmolzen. Bei niedrigerer Temperatur lagern sich Startsignale, so genannte Primer, an bekannte Stellen der Einzelstränge. Eine hitzebeständige Polymerase setzt hinter dem Startsignal an und kopiert dann den Einzelstrang. Dazu bildet sie aus hinzugefügten Basenbausteinen das Abbild des Einzelstrangs. Nach zwanzig bis vierzig PCR-Zyklen liegen die DNA-Sequenzen in millionenfacher Kopie vor.

Die besondere Eigenschaft der von Prof. Dr. Andreas Marx, Dr. Daniel Summerer und Nicolas Rudinger am Kekulé-Institut für Organische Chemie der Universität Bonn entwickelten Taq-Polymerasen: Sie können besser fehlgepaarte Basen unterscheiden. Liegt eine Mutation, das heißt eine Basenfehlpaarung vor, produzieren sie wesentlich weniger DNA-Kopien. Dadurch kann voraussichtlich auf aufwändige Analyseschritte nach der PCR-Reaktion verzichtet werden. „In der so genannten Echtzeit-PCR lässt sich anhand des Reaktionsverlaufes bereits feststellen, ob eine Mutation vorliegt oder nicht“, so Dr. Matthias Knödel von PROvendis.

PROvendis hat die Erfindungsmeldung im Dezember 2003 positiv bewertet und daraufhin die Patentierung der Taq-Polymerasen eingeleitet. Ein etabliertes Biotechnologieunternehmen zeigte Interesse an der von PROvendis angebotenen Erfindung. Nach Abschluss einer Materialtransfervereinbarung lieferten die Erfinder Proben der Polymerase an das Unternehmen, das die Funktionsfähigkeit der Enzyme überprüfen konnte. Die umfangreichen Tests mit der Polymerase verliefen so gut, dass die Firma die exklusive Lizenz des Bonner Patents erwarb und die Polymerasen in marktfähige Produkte weiterentwickeln wird. Der Lizenzvertrag wurde für die Universität Bonn von PROvendis mit der Firma ausgehandelt und im Februar 2005 unterzeichnet.

Media Contact

Katja Stiegel PROvendis GmbH

Weitere Informationen:

http://www.provendis.info

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie

Der innovations-report bietet im Bereich der "Life Sciences" Berichte und Artikel über Anwendungen und wissenschaftliche Erkenntnisse der modernen Biologie, der Chemie und der Humanmedizin.

Unter anderem finden Sie Wissenswertes aus den Teilbereichen: Bakteriologie, Biochemie, Bionik, Bioinformatik, Biophysik, Biotechnologie, Genetik, Geobotanik, Humanbiologie, Meeresbiologie, Mikrobiologie, Molekularbiologie, Zellbiologie, Zoologie, Bioanorganische Chemie, Mikrochemie und Umweltchemie.

Zurück zur Startseite

Kommentare (0)

Schreiben Sie einen Kommentar

Neueste Beiträge

Hochleistungs-Metalloptiken mit Lothar-Späth-Award 2021 ausgezeichnet

Fraunhofer IOF und HENSOLDT Optronics entwickeln optisches Teleskop zur Erforschung des Jupitermondes Ganymed. Forscher des Fraunhofer-Institut für Angewandte Optik und Feinmechanik IOF sind gemeinsam mit ihrem Partner für die Entwicklung…

Chemiker designen „molekulares Flaggenmeer“

Forschende der Universität Bonn haben eine molekulare Struktur entwickelt, die Graphit-Oberflächen mit einem Meer winziger beflaggter „Fahnenstangen“ bedecken kann. Die Eigenschaften dieser Beschichtung lassen sich vielfältig variieren. Möglicherweise lassen sich…

Der nächste Schritt auf dem Weg zur Batterie der Zukunft

Kompetenzcluster für Festkörperbatterien „FestBatt“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung geht in die zweite Förderphase – Koordination durch Prof. Dr. Jürgen Janek vom Gießener Zentrum für Materialforschung – Rund 23…

Partner & Förderer