DFG bewilligt Sonderforschungsbereich RNA-Liganden-Wechselwirkungen

Forschungskooperation von Goethe-Universität, Georg-Speyer-Haus und dem Institut für Organische Chemie der Universität Mainz

Zum 1. Juli 2001 richtet die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) einen neuen Sonderforschungsbereich (SFB) im Fachbereich Chemische und Pharmazeutische Wissenschaften der Goethe-Universität ein. An dem SFB zum Thema ’RNA-Liganden-Wechselwirkungen’ sind außer Wissenschaftlern des Fachbereichs Chemische und Pharmazeutische Wissenschaften Forscher der Fachbereiche Biologie und Medizin der Goethe-Universität, das Georg-Speyer-Haus und das Institut für Organische Chemie der Universität Mainz beteiligt. Sonderforschungsbereiche erlauben in Kooperation mit anderen universitären und außeruniversitären Forschungseinrichtungen die Durchführung aufwändiger Forschungsvorhaben.

Ziel der beteiligten 13 Gruppen des Forschungsverbundes – Sprecher ist Professor Joachim Engels, Institut für Organische Chemie der Goethe-Universität – ist zu verstehen, wie natürliche und synthetische Liganden Ribonukleinsäure (RNA) erkennen. RNA ist an der Umsetzung der genetischen Information und an katalytischen und regulatorischen Vorgängen beteiligt. Liganden sind Moleküle, die an andere binden und auf diese Weise deren Eigenschaften verändern können. Zu ihnen gehören so unterschiedliche Substanzen wie Proteine, Nukleinsäuren, Naturstoffe, synthetisierte kleine Moleküle und Ionen.

Die biologischen Arbeitsgruppen im Sonderforschungsbereich befassen sich mit der Charakterisierung relevanter RNA-Protein-Wechselwirkungen in Zellen. Im Mittelpunkt der chemischen Fragestellungen steht die Suche nach potenziellen Wirkstoffen, die definierte biologische Funktionen modulieren können, sowie die Beschreibung von Struktur und Dynamik der RNA-Ligand-Komplexe. Gemeinsames Ziel ist die Entwicklung und Umsetzung von Strategien, die es erlauben, maßgeschneiderte Ligandmoleküle für wichtige RNA-Strukturen zu finden, um beispielsweise die Vermehrung von Viren und Bakterien gezielt hemmen zu können. Dazu sollen Wirkstoffbibliotheken hergestellt sowie RNA-Ligand-Komplexe isoliert und charakterisiert werden.

Das Verständnis der molekularen Erkennungsvorgänge ist darüber hinaus die Grundlage für ein zielgerichtetes Liganden-Design. Antibiotika wirken zum Beispiel, indem sie die bakteriellen Ribosomen hemmen. An diesen Proteinsynthese-Organellen findet die Umsetzung einer speziellen RNA, der messenger-RNA (m-RNA), in die Proteine statt. Ribosomen bestehen selbst aus Proteinen und so genannter ribosomaler RNA (r-RNA). Angesichts der weltweit zunehmenden Antibiotikaresistenz ist es von großer Bedeutung, neue Ansatzstellen zu finden, wie die Bildung bakterieller Proteine unterbunden werden kann. Eine Möglichkeit dazu ist die Entwicklung von Liganden, deren Bindung an die m- oder r-RNA die bakterielle Proteinsynthese hemmen kann.

Der SFB ’RNA-Liganden-Wechselwirkungen’ basiert auf Initiative des Instituts für Organische Chemie der Goethe-Universität. Er ist der einzig chemische Sonderforschungsbereich der insgesamt sechs derzeit an der Goethe-Universität geförderten SFBs.

Nähere Informationen: Prof. Joachim W. Engels, Institut für Organische Chemie, Telefon: 798-29150, Fax: 798-29148,

E-Mail: Joachim.engels@chemie.uni-frankfurt.de

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Andrea Teuscher idw

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