Auf dem Weg zum natürlichen Leber-Ersatz – SFB in Göttingen forscht interdisziplinär

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Können ausgewachsene Organe sich erneuern? Die menschliche Leber kann – und gibt damit der medizinischen Forschung Rätsel auf. Ein neues Projekt des Göttinger Sonderforschungsbereichs (SFB) 402, den die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) seit 1994 fördert, wird sich mit der Lösung dieses Rätsels beschäftigen. "Wir wollen verstehen, welche Faktoren die Entwicklung der Leber im embryonalen Stadium und welche die Regeneration, das heißt die Erneuerung im erwachsenen Stadium steuern, wie also aus reifen Leberzellen neue, gesunde Zellen erwachsen", sagt der Internist und Gastroenterologe Professor Dr. Giuliano Ramadori, stellvertretender Sprecher des SFB 402. "Beide Prozesse müssen zumindest in Teilaspekten übereinstimmen." Wenn das Vorhaben gelinge, könnte man eines Tages mittels im Labor kultivierten Lebergewebes unabhängiger von Spenderlebern werden als man es jetzt ist. Die Zahl der Patienten, die eine neue Leber brauchen, nimmt ständig zu. In USA stehen 17.000 Personen auf der Warteliste für eine Lebertransplantation. In Göttingen rund 30 Patienten.

"Dem neuen Projekt kommt eine Besonderheit des Sonderforschungsbereichs zu Gute", sagt der Biochemiker, Professor Dr. Kurt Jungermann, Sprecher des SFB 402. "Hier arbeiten gezielt Vertreter vorklinischer, theoretisch-medizinischer und klinischer Fächer zusammen, um das Verständnis der Ursachen von Erkrankungen und der Entwicklung und Regeneration von Leber und Darm zu verbessern." Beteiligt sind die Abteilungen Biochemie I, Entwicklungsbiochemie, Herz- und Kreislaufphysiologie, Molekulare Pharmakologie, Immunologie, Virologie, Gastroenterologie und Endokrinologie sowie die Allgemeinchirurgie aus dem Bereich Humanmedizin. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft unterstützt den Sonderforschungsbereich mit jährlich zwei Millionen Mark.

Gefördert werden dreizehn Projekte. Im Projektbereich A werden die Mechanismen der zellspezifischen Expression von Genen im Gastrointestinaltrakt bearbeitet. Im Projektbereich B werden die Kommunikation zwischen Leber und Darm über Nerven und zwischen den einzelnen Zellen innerhalb von Leber und Darm über Mediatoren untersucht – vor allem im Zusammenhang mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen. Im Projektbereich C analysieren die Forscher virale Erkrankungen der Leber und deren Erreger, wobei die Mechanismen der Entstehung einer chronischen Leberentzündung sowohl auf der Wirts- wie auf der Virusseite im Vordergrund stehen.

Dass Vertreter vorklinischer, theoretisch-medizinischer und klinischer Fächer so eng zusammenarbeiten, ist eine besondere Stärke dieses Sonderforschungsbereichs. Weiterer sichtbarer Ausdruck dieser Kooperation ist das Graduiertenkolleg 335 "Klinische, Zelluläre und Molekulare Biologie innerer Organe", welches dem SFB 402 assoziiert ist. Das Kolleg ergänzt den SFB thematisch um Projekte der Nieren, Nebennieren und des Herzens. Etwa die Hälfte der Antragsteller des SFB 402 sind gleichzeitig Betreuer im Graduiertenkolleg. Im Verbund der Projekte profitieren die Promotionsstipendiaten von der Dichte der Information. Das Graduiertenkolleg, das seit 1997 gefördert wird, war außerdem das erste in Göttingen, in dem ausschließlich in englischer Sprache unterrichtet wird – das macht es für ausländische Studierende attraktiv.

Das Interesse der einheimischen Studentinnen und Studenten am Graduiertenkolleg 335 ist im Moment geringer als erwartet. "Der Nachwuchs für biomedizinische Forschung macht uns zur Zeit etwas Sorge", sagt der Physiologe Professor Dr. Gerhard Burckhardt, Sprecher des Kollegs. Denn momentan biete die Industrie für Biologen auch ohne Promotion gute Arbeitsmöglichkeiten.

"Hochkarätige Forschung an öffentlichen Einrichtungen und insbesondere in der Klinik ist wichtig, man darf sie nicht allein den Privaten überlassen", sagt auch Professor Ramadori. Er sieht den SFB 402 mit seinen 24 von der DFG finanzierten, zusätzlichen Stellen als "kleine Firma". Die Deutsche Forschungsgemeinschaft, die die oft fehlende Anbindung der Grundlagenforschung an die Klinik kritisiert, hat jüngst der "Firma" ein positives Zeugnis ausgestellt. Auf Grund seiner sehr guten Begutachtung konnte der SFB 402 am 1. Januar 2001 in die dritte dreijährige Förderperiode gehen – mit Option auf eine weitere Verlängerung. Das Graduiertenkolleg 335 befindet sich im ersten Jahr der zweiten Förderungsperiode.

Ein digitales Foto von Leberzellen ist in der Pressestelle erhältlich.

Weitere Informationen:

Universität Göttingen – Bereich Humanmedizin
Abt. Gastroenterologie und Endokrinologie
Prof. Dr. Giuliano Ramadori
Robert-Koch-Str. 40
37075 Göttingen
Tel.: 0551/39 63 01

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Rita Wilp idw

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