Exotische Lebewesen überschwemmen Europa

Todgiftige Fische, exotische Marienkäfer und riesengroße Quallen sind nur einige der invasiven Arten, die in der Umwelt, aber auch der Wirtschaft Schäden verursachen. Im slowenischen Portoroz ist nun die erste Datenbank DAISIE über gebietsfremde biologische Arten, so genannte Neobiota, in Europa vorgestellt worden. Insgesamt befinden sich in der Datenbank 10.677 Arten. Neben den derzeit bekannten Spezies, sind auch jene berücksichtigt, die in Zukunft eventuelle Invasoren sein könnten.

„Wir sind zunächst erstaunt gewesen über die große Anzahl von Neobiota“, so Franz Essl von der Naturschutzabteilung des Umweltbundesamts gegenüber pressetext. Die Datenbank, die vom EU-Rahmenforschungsprogramm finanziert wurde, decke die Zahl der nicht heimischen Lebewesen sehr gut ab. „Besonders interessant sind natürlich die Auswirkungen der Bio-Invasoren“, erklärt der Experte. „Hier wurde dem Naturschutzgedanken, aber auch denökonomischen Folgen vor allem für die Land- und Fortwirtschaft, Rechnung getragen.“

„Nicht alle fremden Arten sind zugleich auch Invasoren“, erklärt David Roy vom britischen Centre for Ecology and Hydrology und DAISIE-Experte. Um als „Invasor“ zu gelten, müsse eine Art einen wirtschaftlichen Schaden anrichten oder die lokale Biodiversität bedrohen. Von den insgesamt rund 11.000 Arten treffe dies auf ungefähr zehn Prozent zu. Die meisten eingeschleppten Arten gelangen auf dem Land- der Seeweg nach Europa. Auch der globale Flugverkehr sorgt dafür, dass immer häufiger fremde Tiere hierher kommen. „Die Verkürzung der Transportwege fördert eine Ausbreitung natürlich“, fügt Essl hinzu. Ein Teil der Arten wurde zufällig eingeschleppt, mehr als 6.000 Spezies hingegen wurden absichtlich nach Europa gebracht.

Einige Tiere wie etwa der Harlekin-Marienkäfer wurden zur Bekämpfung von Blattläusen importiert, andere wiederum wie etwa das Sika-Wild aus Ostasien für die Jagd. Wie groß die Schäden sind, die einzelne Tiere in ihrer Neuen Heimat anrichten, wird am Beispiel des Harlekin-Marienkäfers deutlich, dessen Weibchen während der Reproduktionsphase täglich 50 Eier legt. Seit seiner Ankunft hat sich der Käfer extrem vermehrt und zudem seine Liebe für süße Früchte – unter anderem auch für Weintrauben – erkannt. Ein anderer Eindringling in Europa ist der mit den Kugelfischen verwandte Hasenfisch (Lagocephalus sceleratus), der ursprünglich im Roten Meer beheimatet war. Diese bis zu 50 Zentimeter großen Fische sind durch den Suez-Kanal ins Mittelmeer gelangt und wurden vor der Küste Israels bereits häufig gesehen. In der Zwischenzeit ist der Fisch auch in der gesamten Ägäis anzutreffen. Wie alle Arten dieser Fischfamilie enthält auch der Lagocephalus für Menschen sehr gefährliche Toxine, die im Fall des Verzehrs zu schweren Vergiftungserscheinungen führen. 2004 sind acht Menschen in Ägypten an einer solchen Fischvergiftung gestorben.

Auch über den Suez-Kanal ins Mittelmeer gekommen sind die großen Quallen Rhopilema nomadica, die bis zu einem Meter groß werden. Ende der 1970er Jahre tauchte vor der israelischen Küste ein einzelnes Exemplar auf. Heute treiben ganze Schwärme, oft über hundert Kilometer lang, im östlichen Mittelmeer. „Obwohl sie nicht tödlich sind, sind die Quallen sehr giftig und können Schwimmern schwere Verletzungen zufügen, die höllische Schmerzen verursachen“, so Bella Galil vom ozeanographischen Institut in Israel. 2001 mussten die Behörden Tonnen von Quallen aus den Kühlbecken des Kraftwerks in Hadera entfernen. Die Kosten für diese Aktion beliefen sich auf 50.000 Dollar. Unbekannt ist den Forschern, warum sich die Tiere derart stark vermehren.

„Die Erwärmung des Klimas spielt bei der Ausbreitung vor allem bei wärmeliebenden Spezies eine zunehmende Rolle“, so Essl. Der Klimawandel werde in Zukunft eine solche Ausbreitung überproportional fördern. „Daher gilt es Möglichkeiten einer Eindämmung des zufälligen Imports zu finden.“, erklärt der Experte. „Zwei solcher Instrumente sind die Ballstwasser-Konvention und die Holzverpackungsverordnung.“

Media Contact

Wolfgang Weitlaner pressetext.austria

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